Rund 5.000 Menschen sind zur Mahnwache in Hanau gekommen.

In ganz Hessen haben tausende Menschen der Opfer von Hanau gedacht. Bundespräsident Steinmeier und Ministerpräsident Bouffier sprachen bei einer Mahnwache in Hanau.

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Bundespräsident Steinmeier (Mitte) hat in Hanau der Opfer gedacht.
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Nach der Gewalttat in Hanau haben sich am Donnerstagabend Menschen in ganz Hessen zu Mahnwachen versammelt. Der mutmaßliche Täter hatte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag an zwei Tatorten in Hanau insgesamt neun Menschen erschossen und sechs weitere teilweise schwer verletzt. Anschließend erschoss er seine Mutter und sich selbst in ihrer Wohnung. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft war der Anschlag rechtsextremistisch motiviert.

Auf dem Marktplatz in Hanau sprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor rund fünftausend Menschen, die laut Polizei zu einer Mahnwache zusammengekommen waren. Nichts könne diese Tat ungeschehen machen, sagte Steinmeier. Der Tod der zehn Opfer sei "ein brutaler Akt terroristischer Gewalt".

Steinmeier ruft zu Rücksichtnahme und Solidarität auf

Der Bundespräsident erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und den Anschlag auf eine jüdische Synagoge in Halle. In Zeiten wie diesen müssten alle zeigen: "Wir stehen als Gesellschaft zusammen. Wir lassen uns nicht einschüchtern."

Steinmeier rief die Bürger zu gelebter Rücksichtnahme und Solidarität auf. Dies sei das "stärkste Mittel gegen den Hass", sagte er. "Halten wir dagegen, wenn Einzelnen oder Minderheiten in unserem Land die Würde genommen wird", mahnte er. "Achten wir auf unsere Sprache in der Politik, in den Medien, überall in der Gesellschaft."

Zuvor hatte der Bundespräsident die Shisha-Bar und den Kiosk besucht, die am Vorabend zum Ziel des Anschlags geworden waren. Er legte einen Kranz nieder und gedachte gemeinsam mit anderen Politikern mit einer Schweigeminute der Opfer.

"Schwärzeste Stunden der Hanauer Stadtgeschichte"

Bei der Mahnwache in Hanau sprach auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Er sei fassungslos angesichts der außergewöhnlichen Dimension der Tat. Es sei ein "Tag des Schreckens", sagte Bouffier. Doch "wir werden keinen Millimeter der freiheitlichen Demokratie preisgeben."

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sprach den Familien und Freunden der Opfer bei der Mahnwache sein Mitgefühl aus. Diese Stunden gehörten "auf immer zu den schwärzesten Stunden der Hanauer Stadtgeschichte". Dennoch sei Hanau stolz auf das friedliche Beisammensein von Menschen unterschiedlichster Kultur und Herkunft, das seit Jahrhunderten bestehe.

3.500 Menschen vor der Frankfurter Paulskirche

Menchen nehmen vor dem Einheitsdenkmal auf dem Paulsplatz vor der Paulskirche an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Anschlags in Hanau teil.

Friedliche Gedenkveranstaltungen gab es auch in Frankfurt, Kassel, Fulda, Gießen und Darmstadt. In Frankfurt versammelten sich an der Paulskirche nach Polizeiangaben rund 3.500 Menschen, um der Hanauer Opfer mit einer Schweigeminute zu gedenken. Er wolle den Nazis keinen Fußbreit lassen, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). "Wir sind wütend und traurig."

Es mache ihn sprachlos, dass eine solche Tat im multikulturellen Rhein-Main-Gebiet geschehe, sagte der Frankfurter Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler. Es dürfe keine "Brutstätte" für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geben.

Am Rande der Kundgebung an der Paulskirche wurde der Polizei zufolge eine Person festgenommen, die den Hitlergruß gezeigt haben soll.

Menschen tragen bei der Gedenkfeier in Kassel ein Banner mit der Aufschrift "Weil Vielfalt gut ist."

In Kassel kamen etwa 600 Menschen zu einer Schweigeminute zusammen. Vor dem Rathaus legten sie Kerzen und Blumen nieder.

Gedenken von München bis Berlin

Auch in Berlin fanden mehrere Mahnwachen statt. Mehrere tausend Menschen kamen am Hermannplatz in Neukölln zusammen, mehrere hundert Menschen am Brandenburger Tor. Weitere Gedenkveranstaltungen gab es beispielsweise in Köln, Bremen und München.

Sendung: hr-iNFO, 20.02.2020, 20 Uhr