17 Pfauen sind in der Vogelsberg-Gemeinde Freiensteinau an der Geflügelpest verendet. Nun sollen noch gut 100 weitere Vögel zum Schutz vor der Seuche gekeult werden, unter ihnen dutzende geschützte Eulen. Tierbesitzer Sven Amend ist empört.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tiere sollen wegen Geflügelpest gekeult werden

Zwei Waldkäuze
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Vogelfreund Sven Amend aus Freiensteinau (Vogelsberg) ist untröstlich: "Wir können keine Kinder bekommen und haben deshalb unser Leben den Tieren, besonders den Eulen verschrieben."

Der 44-Jährige und seine Ehefrau Susanne lebten jahrelang mit rund 200 Vögeln auf ihrem Anwesen: Pfauen, Tauben, Nandus, Sittiche, Gänse, Raben, Kraniche und eben die geliebten Eulen. Damit ist nun Schluss, bis auf die Tauben sollen auf behördliche Anordnung alle Vögel getötet werden.

Nur die Tauben sollen am Leben bleiben

In der Fachsprache heißt das "keulen", und das Wort beinhaltet auch gleich den Grund für die drastische Maßnahme. Auf dem Hof der Amends war die Geflügelpest ausgebrochen, direkt nach Silvester starb ein Pfau nach dem anderen, der letzte erst vergangenen Donnerstag, insgesamt 17 Stück. Die Behörden stellten Geflügelpesterreger des Virus-Subtypes H5N8 fest und ordneten die Tötung aller Vögel auf dem Gelände nach der Geflügelpestverordnung an.

Das Verwaltungsgericht in Gießen bestätigte diese Anordnung. "Nur unsere 50 Tauben fallen nicht unter diese Regel", so Amend. Er habe gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Beschwerde bei der nächsten Instanz, dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel, eingelegt. "Erfolglos. Seit gestern wissen wir, dass die Gießener Entscheidung bestätigt wurde und unsere geliebten Tiere nun wohl getötet werden." Das erschüttere ihn, mache "absolut fassungslos".

Gericht: "Tiere nicht ausreichend räumlich getrennt"

Besonders bei den 46 vom Tode bedrohten Eulen blute ihm das Herz. "Das sind geschützte Arten." Amend kann nicht verstehen, warum die Tiere nicht auf das Virus getestet und dann nur im Infektionsfall getötet werden.

"Bei den Eulen sind wir uns auch ganz sicher, dass sie nichts haben. Die hatten absolut keinen Kontakt zu den kranken Pfauen." Die Pfauen seien alle im geschlossenen Stall gewesen, bis zuletzt. Mögliche Kontakttiere hätte Amend nach eigener Auskunft sofort freiwillig töten lassen.

Das Gericht sieht jedoch keine andere Möglichkeit, als die Tiere zu töten. Sie sind einer Mitteilung des Gerichts zufolge "räumlich nicht ausreichend getrennt" und das Vogelgrippevirus könne etwa durch einfachen Luftzug oder durch das zur Pflege der Tiere vorgesehene Personal, das zwischen den einzelnen Haltungsorten hin- und herlaufe oder sogar durch die Käfige hindurchgehe, übertragen werden. Eine Ausnahmeentscheidung für Amend und seine Tiere sei deshalb nicht möglich.

Tiere waren Highlight für Kinder und Senioren

Eine letzte Hoffnung setzt das Ehepaar Amend in den Landrat des Vogelsbergkreises. "Der könnte das vielleicht noch irgendwie verhindern." Wie es auf dem Hof ohne die Vögel weiter gehen soll, will sich Amend gar nicht vorstellen. "Dann bleiben uns nur noch die Tauben."

Er glaubt, dass auch die Freiensteinauer sehr traurig sein werden. "Das ist zwar nicht öffentlich hier bei uns, aber man konnte die Tiere von der Straße aus gut sehen." Die Bewohner des Altenheimes, die Kindergarten- und Schulkinder seien oft vorbeigekommen und hätten die Tiere beobachtet und sich über sie gefreut. "Das wird es nun alles nicht mehr geben."

Sendung: hr4, 19.01.2021, 6.30 Uhr