Hanf-Pflanzen

Um Schmerzpatienten Drogen verkaufen zu können, hat ein Mitarbeiter des Klinikums Fulda Hanfpflanzen angebaut. Er wurde nun verurteilt. Einen Tipp vom Richter gab es obendrauf.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Prozess wegen Drogen-Abgabe an Schmerzpatienten

Gerichtssaal mit einem Angeklagten und Gerichtsmitarbeitern.
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Ein wegen Drogenhandels angeklagter Mitarbeiter des Klinikums Fulda ist im Prozess vor dem Amtsgericht Fulda glimpflich mit einer Geldstrafe davongekommen. Nach dem Urteil vom Donnerstag muss er wegen unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge 3.600 Euro (120 Tagessätze zu je 30 Euro) abdrücken.

Dem 45-Jährigen wurde zur Last gelegt, Haschisch und mehrere hundert Gramm Marihuana besessen beziehungsweise in einem Gewächshaus angebaut zu haben. Die Rauschmittel soll er dann laut Anklage gewinnbringend verkauft haben, vor allem an Schmerzpatienten.

Hintergrund: Zuweilen nehmen Patienten auch Haschisch oder Marihuana ein, um ihre Beschwerden zu lindern. Seit 2017 können Ärzte den Gebrauch verschreiben.

Drogen für leidende Patienten

Der Angeklagte gestand, Hanfpflanzen angebaut zu haben. Mit den Produkten daraus habe er zwei Freunden helfen wollen, die unter starken Schmerzen litten, wie er sagte. Eine junge Frau leide unter Wundbrand nach einem Motorrad-Unfall. Ein mittlerweile verstorbener Mann hatte Magen-Darm-Krebs.

Dass der beruflich im Einkauf tätige Mitarbeiter des Klinikums als umtriebiger Dealer in Erscheinung trat, konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Daher konnte sich die Staatsanwaltschaft mit ihrer Forderung nach sechs Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe nicht durchsetzen.

Die Polizei kam dem gelernten Gärtner nur durch Zufall auf die Schliche: Bei einer Verkehrskontrolle konnte er keinen Führerschein vorweisen. Die Polizisten begleiteten den Mann deswegen nach Hause. Als sie dort Drogengeruch wahrnahmen, flog der Mann auf.

Polizei-Panne mit vorschneller Durchsuchung

Das sichergestellte Rauschgift konnte aber nicht komplett als Beweis verwertet werden. Denn die Beamten hatten bei ihrer vorschnellen Aktion keinen Durchsuchungsbeschluss dabei. Deswegen konnte nur ein Teil der in der Wohnung und im Keller sichergestellten Drogen bei der Strafe berücksichtigt werden.

Kurioserweise wertete der Richter auch die mangelnde Professionalität des Angeklagten beim Drogenanbau als strafmildernd. Er wunderte sich über den unzureichenden Versuch des Hanf-Anbaus. Der Angeklagte habe ja nicht mal an Wärmelampen für die Pflanzen gedacht, gab der Richter dem gelernten Gärtner Nachhilfe.

Sendung: hr4, 11.02.2021, 16.30 Uhr