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Jahrelang hatte die inzwischen stillgelegte mittelhessische Firma Woolrec womöglich krebserregende Mineralfasern verarbeitet und gelagert. Nun stehen der Geschäftsführer und ein Gutachter vor Gericht. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft sollen sie eine fünfstellige Geldstrafe bezahlen.

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zum Video Geldstrafe im Woolrec-Prozess gefordert

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Ein weiteres Kapitel in einem der aufsehenerregendsten Umweltskandale Hessens der letzten Jahre nähert sich seinem Schlusspunkt. Im Prozess gegen den Geschäftsführer der einstigen Firma Woolrec im mittelhessischen Braunfels (Lahn-Dill) sowie gegen einen Gutachter hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch vor dem Gießener Landgericht insgesamt fast 80.000 Euro Geldstrafe gefordert.

Vor sieben Jahren war Woolrec geschlossen worden. Die Fabrik hatte ein Produkt namens "Woolit" hergestellt, das als Beimischung in Ziegelsteinen deren Qualität erhöhen und nebenher zum Umweltschutz beitragen sollte. Hergestellt wurde es aus alten Bauabfällen.

Jahrelange Querelen um "Woolit"

Das Granulat enthielt unter anderem gefährliche künstliche Mineralfasern, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Ein neuartiges Verarbeitungsverfahren mache diese unschädlich, warb zwar das Unternehmen. Nachbarn des Betriebes im Ortsteil Tiefenbach fürchteten aber zunehmend um ihre Gesundheit. Als ein Betriebsunfall ein Loch in der Fabrikwand hinterließ, gingen sie erst recht auf die Barrikaden.

Immer wieder versuchten die Anwohner, beim Regierungspräsidium (RP) Gießen Gehör zu finden und warfen ihm Untätigkeit vor. Die Behörde wies das zurück. Sie fühlte sich von Woolrec getäuscht. Nach jahrelangen Querelen machte das RP die Firma 2012 schließlich dicht.

Gutachter soll Baustoff abgesegnet haben

Dem Geschäftsführer wirft die Staatsanwaltschaft nun unerlaubten Umgang mit Abfällen in einem besonders schweren Fall vor. Er soll 21.000 Euro Geldstrafe zahlen, weil er sich bei der Herstellung von "Woolit" nicht an Behördenauflagen gehalten habe.

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Der Gutachter, der laut Anklage das Produkt dennoch regelmäßig absegnete, ist wegen Beihilfe angeklagt. Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 58.500 Euro.

Verteidigung fordert Freisprüche

Die Verteidiger der Angeklagten forderten Freisprüche. Sie kritisierten vor allem die Arbeit des RP Gießen. "Es war informiert und wusste, was Sache ist", sagte der Anwalt des Gutachters. Eine Täuschung und auch eine Umweltgefährdung habe es nie gegeben.

Seit mehr als eineinhalb Jahren läuft nun der Prozess vor dem Landgericht. Viele Zeugen und Sachverständige wurden gehört. Der frühere Woolrec-Geschäftsführer äußerte sich im Verfahren nicht zu den Vorwürfen.

Der Gutachter bestritt am letzten Tag der Beweisaufnahme seine Schuld. Das Urteil soll am 24. Oktober verkündet werden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 16.10.2019, 16.45 Uhr