Ein 39-Jähriger wurde im September 2019 in Wetzlar in seinem Auto erschossen. Es soll sich um einen Rachemord gehandelt haben. Der Mordprozess begann mit einem Geständnis. Zwei weitere Angeklagte gaben sich unwissend.

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Nach tödlichen Schüssen in Wetzlar stehen drei Männer wegen gemeinschaftlichen Mordes und versuchten Mordes vor dem Landgericht Limburg. Zu Beginn des Prozesses am Donnerstag räumte ein 28 Jahre alter Angeklagter die Tat ein und betonte, allein gehandelt zu haben. Die Mitangeklagten gaben an, weder beteiligt gewesen zu sein noch von dem Vorhaben gewusst zu haben.

Bei der Tat im vergangenen September war ein 39 Jahre alter Gastronom aus Rheinland-Pfalz gestorben. Ein weiterer Mann überlebte den Angriff unverletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen vor, sieben Schüsse auf das ausparkende Auto des Opfers abgefeuert zu haben. Die 27 und 38 Jahre alten Mitangeklagten sollen zum einen für die Logistik und zum anderen für die Beschaffung der Waffe zuständig gewesen sein.

Rache als Motiv

Hintergrund war demnach ein tödlicher Familienstreit in der Türkei im Jahr 2017. Recherchen des hr im familiären Umfeld des mutmaßlichen Schützen ergaben, dass die Tat offenbar politisch motiviert war. Es geht demnach um eine kurdische Großfamilie, die sich in zwei Lager teilt: auf der einen Seite die Anhänger der pro-kurdischen Partei HDP, auf der anderen Seite die der türkischen Regierungspartei AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Die unterschiedlichen politischen Orientierungen sollen im Jahr 2017 zu drei Morden in der Türkei geführt haben. Der mutmaßliche Täter ist laut Staatsanwaltschaft Wetzlar der Bruder des in Wetzlar getöteten Mannes. Deshalb halten es die Ermittler für wahrscheinlich, dass die Schüsse im September ein Racheakt waren. Einen politischen Hintergrund will die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen. Das müsse der Prozess zeigen, sagt ein Sprecher.

Sieben Schüsse auf parkendes Auto

Der oder die Täter hatten die Schüsse auf das Auto abgegeben, mit dem der 39-Jährige und sein Begleiter im Magdalenenhäuser Weg in Wetzlar ausparken wollten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass beide Insassen bei dem Angriff sterben sollten. Der Gastronom starb infolge eines Herz- und Lungendurchschusses in einem Gießener Krankenhaus. Zwei Tage nach den Schüssen stellte sich der Hauptverdächtige bei der Polizei.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Prozessauftakt: 39-Jähriger in Auto erschossen

Tatort der tödlichen Schüsse auf einen 39-Jährigen in Wetzlar
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Allen drei Angeklagten drohen lebenslängliche Haftstrafen. Für die Hauptverhandlung sind mehr als zehn Termine angesetzt. Das Urteil wird Anfang September erwartet.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 28.05.2020, 12.50 Uhr