Zersprungene Scheibe der Bäckerei in Fulda
Vor dieser Bäckerei in Fulda kam es zur Auseinandersetzung zwischen Matiullah J. und mehreren Polizisten. Bild © picture-alliance/dpa

Zehn Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen afghanischen Flüchtling in Fulda ist das Ermittlungsverfahren gegen einen Polizisten eingestellt worden. Der Beamte habe in Notwehr gehandelt.

Der Tod eines 19 Jahre alten Flüchtlings vom vergangenen April bleibt für den Schützen ohne Konsequenzen. Nach hr-Informationen konnte dem Polizeibeamten kein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden. Das Ermittlungsverfahren wurde nach knapp zehn Monaten eingestellt.

Den Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) zufolge hatte der Polizist den jungen Mann mit mehreren Schüssen in den Brustkorb getötet. Zuvor hatte der Afghane in den frühen Morgenstunden des 13. April vor einer Bäckerei randaliert und einen Lieferanten am Kopf verletzt. Er attackierte auch die herbeigerufenen Polizisten, unter anderem mit einem Schlagstock, den er den Beamten entwendet hatte.

Das Landeskriminalamt kam in seinen Ermittlungen zu dem Schluss, dass der beschuldigte Polizist in Notwehr gehandelt hat. Aus seiner Dienstwaffe waren zwölf Schüsse abgegeben worden. Vier Kugeln hatten den Asylbewerber getroffen. Zwei Schüsse gingen in den Bauch- und Brustbereich und führten zu den tödlichen Verletzungen, wie die Obduktion des Opfers ergeben hatte. "Die Anzahl der in der Eisenhowerstraße in schneller Folge abgegebenen Schüsse ist ein Indiz dafür, dass der Beschuldigte in begründeter Angst und höchster Bedrängnis schoss", erklärte die Staatsanwaltschaft.

Gehen die Eltern gegen die Entscheidung vor?

Ob die Eltern des Getöteten, die von einer Frankfurter Anwältin vertreten werden, rechtlich gegen die Einstellung des Verfahrens vorgehen werden, ist noch unklar. Der Polizeieinsatz war in Fulda unter anderem vom Ausländerbeirat als unverhältnismäßig kritisiert worden, Flüchtlinge demonstrierten gegen aus ihrer Sicht überzogene Polizeigewalt.

Der 19-Jährige war bei der Polizei bekannt. Laut Staatsanwaltschaft war er wegen Drohung und Körperverletzung angeklagt. Er soll einen Mitbewohner seiner Asylbewerberunterkunft geschlagen, zwei andere mit einem Messer bedroht haben. Mitbewohner des Afghanen, der in einer nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft lebte, beschrieben ihn dem hr gegenüber als aggressiv und auffällig.

Sendung: hr-iNFO,4.2.2019, 17 Uhr