Bienen

Sie sind fleißig, genügsam und nicht gewerkschaftlich organisiert: Mit Honigbienen könnte der Frankfurter Airport Top-Mitarbeiter für die Flughafensicherheit gewinnen. Keine Schnapsidee, versichern Forscher aus Gießen.

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zum hr-fernsehen.de Video Bienen als Spürnasen für Drogen und Sprengstoff

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Billig, willig und belastbar. Wenn sich Chefs den perfekten Arbeitnehmer basteln dürften, dann wäre es wohl die Honigbiene. Sie gilt nicht umsonst als besonders fleißig. Das könnte sich in der Sprengstoff- und Drogenfahndung an Flughäfen wie dem in Frankfurt bezahlt machen.

Denn die Insekten sind Menschen mit ihrer Riechtechnik weit voraus und lernen nach Angaben des Instituts für Insektenbiotechnologie in erstaunlichem Tempo. Während Sprengstoff-Spürhunde Monate für ihre Ausbildung benötigen, brauchen Bienen: 13 Minuten.

"Bienen können auf jeden Duft trainiert werden"

"Insekten haben soweit wir wissen in der Evolution die empfindlichsten Geruchsorgane hervorgebracht, die man kennt", sagt Andreas Vilcinskas von dem an der Gießener Uni ansässigen Institut. "Bienen können, gerade wenn sie Honig sammeln, in dieser Zeit sehr plastisch auf jeden Duft trainiert werden."

Schon heute seien Honigbienen beim Aufspüren vergrabener Landminen kommerziell im Einsatz. Dank eines neuen Verfahrens für Drogen und speziell Sprengstoffe könnten die Insekten theoretisch schon bald ihre Jobs in der Flughafensicherheit aufnehmen.

Ausbildung in der Konditionierungskammer

Um die Bienen darauf vorzubereiten, kommen sie im Labor in eine Art "Konditionierungskammer", wie Merle Bartling vom Institut für Insektenbiotechnologie veranschaulicht. "Wir bringen es dem Tier darüber bei, dass wir den Duft von Kokain oder Heroin mit einem negativen Reiz hinterlegen."

In dieser Konditionierungskammer werden die Bienen auf bestimmte Gerüche eingestellt

Dieser Reiz wird in Form eines elektrischen Impulses gesetzt, ein von den Forschern als "Vermeidungsverhalten" bezeichneter Reflex bei der Biene setzt ein. Sie fährt den Stachel aus oder versucht zu fliehen – auch dann, wenn sie den Duft später wiedererkennt. Und genau davon sollen Kontrollen an Flughäfen einmal profitieren.

Konkret könnten an den Gepäckkontrollen entsprechende Vorrichtungen mit einer Art Staubsauger angebracht werden. Dieser könnte Luft aus Gepäckstücken saugen und sie zu den Bienen leiten, die in einem geschlossenen Behälter auf die Luft reagieren.

Grafik: So könnten Bienen am Gepäckband eingesetzt werden.

Honig gibt's schon am Flughafen

Noch handelt es sich bei den Plänen freilich um Zukunftsmusik. Am Frankfurter Flughafen sind zwar seit dem Jahr 2006 Bienen "angestellt". Aber das nur im klassischen Betätigungssinne als Honiglieferanten, wie eine Sprecherin des Airport-Betreibers Fraport sagt.

Der für die Flughafensicherheit zuständigen Bundespolizei sind konkrete Bienenpläne ebenfalls nicht bekannt. Interessant, da sind sich Sprecherinnen von Fraport und Bundespolizei einig, klingt die Vorstellung von summenden Schnüfflern aber allemal. Bedenkt man, dass Bienen problemlos auch bis zu 48 Stunden am Stück arbeiten können, dürfte so mancher Arbeitgeber beim Gedanken an diese potenziellen Angestellten schon jetzt feuchte Augen bekommen.

Sendung: hr-fernsehen, Maintower, 27.5.2020, 18 Uhr