Schädlinge des Waldes

Er ist haarig, giftig und macht sich nun auch in Mittel- und Osthessen breit: Der Eichenprozessionsspinner sorgt mit seinen Brennhaaren beim Menschen für allergische Reaktionen und stellt Städte und Forstämter vor immer größere Probleme.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mittelhessische Städte und Forstämter kämpfen gegen Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner-Nest
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Er hat sich fast komplett über Marburg ausgebreitet. Bereits vergangenes Jahr musste der Eichenprozessionsspinner stellenweise bekämpft werden, etwa im Bereich von Schulen und des Universitätsklinikums. Doch mittlerweile sind auch Eichen in den Stadtteilen Schröck, Michelbach Ockershausen, Richtsberg und Marbach von den Schmetterlings-Raupen befallen, wie die Stadt berichtet. Nachweise gebe es zudem im Schlosspark und an Radwegen am Ortsrand.

Rund 30 Kilometer östlich, in der Vogelsberg-Gemeinde Gemünden (Felda), musste gar ein Parkplatz an der A5 wegen akuten Befalls der dortigen Bäume gesperrt werden. Eine Gesundheitsgefährdung der Parkplatzbesucher durch die giftigen, Allergie auslösenden Brennhaare der Larven konnte nicht mehr ausgeschlossen werden.

Daran zeigt sich: Während der einst seltene Schmetterling in vielen Teilen Südhessens und im Rhein-Main-Gebiet schon länger ein Problem ist, hat er sich in den letzten zwei bis drei Jahren auch in Mittel- und Osthessen etabliert.

Witterung begünstigt Ausbreitung

Das bestätigt auch Bernd Wegener vom Forstamt Kirchhain (Marburg-Biedenkopf). Der Eichenprozessionsspinner sei inzwischen im ganzen Forstgebiet vorhanden. Er breite sich massiv aus dem Süden aus, so der Förster: "Und aufgrund der aktuellen Witterung wird der sich noch weiter ausbreiten."

Denn der Schmetterling mag es warm und trocken, deshalb kommt er besonders häufig an alleinstehenden Bäumen in Parks oder an Alleen und Waldrändern vor, die von der Sonne beschienen werden. Die ersten Befunde seien vor drei Wochen gekommen, so Wegener. Doch inzwischen würden im Forstamt regelmäßig Bürger anrufen.

Die bis zu fußballgroßen Nester befinden sich an den Stämmen oder an Astgabeln von Eichen. Sie können von Fachleuten mit speziellen Saugern entfernt werden oder auch durch Biozide, die direkt auf die Bäume oder sogar großflächig aus der Luft per Helikopter gesprüht werden können.

Erfolgreiche Gießener Präventionsarbeit

Selbst tief im Wald komme er inzwischen vor, sagt Forstamtsleiter Wegener. Im unebenen, dicht bewachsenen Gelände sei der Eichenprozessionsspinner kaum oder nur mit hohem finanziellen Aufwand zu bekämpfen. Das sei jedoch oft unverhältnismäßig. Ein Waldkindergarten in der Gemeinde Ebsdorfergrund (Marburg-Biedenkopf) habe deshalb schon im Vorjahr sein Aufenthaltsgebiet in einen reinen Buchenwald verlagern müssen. Auch die Forstämter von Biedenkopf und Wettenberg (Gießen) schlagen Alarm.

Nachdem die Larven mit ihren langen, giftigen Brennhaaren letztes Jahr im Stadtgebiet von Gießen für größere Probleme im Bereich von Wohnhäusern oder Schulen sorgten, hat die Stadt diesmal schon im April gehandelt: Rund 900 Eichen wurden vorsorglich mit einem Biozid eingesprüht. Bisher mit Erfolg, so eine Sprecherin der Stadt: Man habe aktuell kaum Meldungen. Weil die Brennhaare über Jahre hinweg in der Luft bleiben können, seien Reaktionen bei Bürgern dennoch nicht auszuschließen.

Hoher Eichenbestand in Wetzlar

Im Forstbereich Wetzlar ist die weitere Ausbreitung vor allem deshalb ein Problem, weil man in der Region einen besonders hohen Eichenanteil von rund 30 Prozent habe. Forstamtsleiter Stefan Ambrass erklärt: "Der Eichenprozessionsspinner ist bei uns auch eine Gefahr für die Waldarbeiter, weil bei uns viele Eichen gefällt werden und beim Baumfällen die Haare hochgewirbelt werden." Es sei in der Vergangenheit bereits zu allergischen Reaktionen bei Mitarbeitern gekommen.

Das Wetzlarer Forstamt betreibe deshalb einen "spürbar höheren Aufwand" bei der Bekämpfung im Wald, vor allem an Stellen wie Parkbänken, Lauftreffpunkten oder Parkplätzen. Aber komplett wegzukriegen sei der Schmetterling ohnehin nicht mehr, so der Forstamtsleiter. Man spreche deshalb inzwischen von einer "waldtypischen Gefahr", mit der Waldbesucher rechnen müssen. "So wie man auch mit einem herabfallenden Ast oder einem Zeckenbiss rechnen muss, wenn man in den Wald geht", sagt Ambrass.

Noch vor zehn Jahren äußerst selten

Wo genau und wie häufig der Eichenprozessionsspinner in Hessen auftritt, ist gar nicht so leicht feststellen. Weil er vor allem für den Menschen eine Gefahr sei und weniger für die Bäume, werde er von Hessenforst nicht so genau erfasst wie andere Schadorganismen, erklärt Forstexperte Ambrass.

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt fragt auf freiwilliger Basis den Befall bei waldbesitzenden Kommunen, Privatleuten und dem Landesbetrieb Hessenforst ab. Waldschutz-Abteilungsleiter Martin Rohde sagt: Dieses Jahr sei noch nicht viel gemeldet worden, vermutlich weil es jetzt gerade erst losgehe: "Im Laufe des Junis werden wir mehr wissen."

Doch auch der Fachmann stellt fest: Noch vor zehn Jahren sei der Eichenprozessionsspinner in Hessen sehr selten gewesen. Inzwischen gebe es Vorkommen in vielen Regionen. Ob es eine Grenze nach Norden gebe, beweifle er. Denn auch in Teilen Niedersachens sei der Schmetterling mit seinen Raupen ein echtes Problem.

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Gefahren durch Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner ist eine Nachtfalter-Art. Seine Raupen besitzen mehrere Millionen Brennhaare, die bei Hautkontakt starke allergische Reaktionen auslösen können. Auch über die Luft können sie über weite Strecken verteilt werden. Im Juni ist diese Gefahr am größten, denn dann bauen die Tiere ihre Nester und wandern nachts in Gruppen zum Fressen in Richtung Baumkrone und kehren morgens wieder zurück. Diesen "Prozessionen" verdankt der Eichenprozessionsspinner seinen Namen. Grundsätzlich sollte man Befallstellen meiden und die Raupen und Nester nicht berühren. Nach Kontakt sollte man sofort Kleider wechseln, duschen und bei allergischen Reaktionen zum Arzt gehen.  

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