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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporter: Chemikalie kann zu schweren Gesundheitsschäden führen

Die Kombination zeigt eine Hessenkarte und einen Feuerwehrmann, der eine Löschübung macht.

Die Bundeswehr hat jahrelang giftigen Löschschaum eingesetzt. Auch in fünf hessischen Kasernen könnten giftige Substanzen in die Böden gelangt sein. Am Frankfurter Flughafen sind bei Bauarbeiten zum Terminal 3 bereits solche verseuchten Böden gefunden worden.

Jahrzehntelang nutzten Feuerwehren inzwischen verbotene Chemikalien beim Löschen. Die Bundeswehr stellt das nun vor eine große Herausforderung. Dabei geht es um PFC-haltige Löschmittel. Sie sind gesundheitsschädlich und mittlerweile verboten. Sie wurden von der Feuerwehr der Bundeswehr vor allem auf Flugplätzen und Übungsgeländen eingesetzt.

Einmal in Böden eingesickert, können sich die Chemikalien über das Grundwasser verbreiten. Durch eine Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR) wurde nun bekannt, dass an insgesamt 18 Bundeswehr-Standorten in Deutschland die Böden kontaminiert sind, dazu kommen 108 Verdachtsfälle: Fünf davon sind in Hessen.

Bundeswehrstandorte in Nord- und Südhessen betroffen

Betroffen sind drei Bundeswehrstandorte im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis:

  • Fritzlar
  • Schwarzenborn und
  • Homberg (Efze).

In Südhessen gibt es den Verdacht bei den Standorten

  • Darmstadt und
  • Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg).

Bei den fünf Verdachtsfällen wurden in der Vergangenheit Übungen mit PFC-Löschschaum durchgeführt oder das Material wurde gelagert. In Stadtallendorf (Marburg-Biedenkopf) konnte der Verdacht ausgeräumt werden.

Die fünf hessischen Verdachtsfälle: Wurden hier die Böden durch Löschmittel verseucht?

Stoff soll krebserregend sein

PFC steht für per- und polyfluorierte Chemikalien, die in Löschmitteln bei brennenden Flüssigkeiten oder schmelzenden Feststoffen eingesetzt werden - in Form von Schaum. Weil der Stoff im Verdacht steht, krebserregend zur sein, schränkte die EU die Verwendung 2008 stark ein.

Seit einigen Jahren gibt es ein Verbot für PFC-Löschmittel, die den Stoff PFOS, enthalten. PFC-Löschschäume sollen grundsätzlich nicht mehr verwendet werden. Bei den hessischen Fällen geht es daher um Altlasten: Böden, die in der Vergangenheit kontaminiert wurden.

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Wie gefährlich ist PFC/ PFOS?

Dass die Stoffe so problematisch sind, begründet das Umweltbundesamt damit, dass die Chemikalien in der Umwelt nicht abgebaut werden können und sich so global verteilen können. Sie wurden sogar bei Eisbären und Robben in der Arktis nachgewiesen. Wird unkontrolliert mit PFC-Stoffen gelöscht, gelangt das Gemisch ins Grundwasser und Gewässer. Laut Umweltbundesamt sind PFC für Menschen gefährlich, weil sich die Stoffe im Körper einlagern - Langzeitwirkungen seien allerdings noch nicht erforscht. Tiere entwickelten bei Versuchen Leberkrebs und andere Tumore.

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Bundeswehr: Analyse, Gefahrenabschätzung, Sanierung

Für die hessischen Verdachtsfälle ist bei der Bundeswehr das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen zuständig mit Sitz in Bonn. Ein Sprecher sagte auf hr-Anfrage, die Bundeswehr halte nicht nur aktuelle Bestimmungen ein, sondern kümmere sich mit einem Altlastenprogramm seit mehr als 25 Jahren um die Beseitigung gefährlicher Stoffe:

"Sie tut auf diesem Feld mehr als zivile Institutionen." Die Böden würden analysiert, am Heeresflugplatz Fritzlar werde auch die Start- und Landebahn auf PFC getestet. Nach einer Gefahrenabschätzung werde entschieden, welche Sanierungsmaßnahmen notwendig seien.

Bedrohung für Landwirte und Grundstücksbesitzer

Welche Auswirkungen kontaminierte Flächen für Anwohner haben können, berichtet der BR: Im oberbayerischen Manching gelangte das Gift von einem Bundeswehrflugplatz in die Böden der Umgebung:

Landwirte können das Grundwasser nicht mehr zum Bewässern nutzen, ein Grundstückbesitzer kann kein Keller für sein Haus ausheben. Er müsste 70.000 Euro investieren, um verseuchtes Wasser und Erdreich zu entsorgen.

Für die nordhessischen Standorte heißt es von der Kreisverwaltung Schwalm-Eder, dass das Problem bekannt sei, nachdem im Jahr 2010 in Knüllwald bei einer Routinekontrolle festgestellt wurde, dass Klärschlamm PFC-verseucht war.

Als Ursache konnte man damals den Bundeswehrstandort Schwarzenborn ausmachen. Der gesamte Klärschlamm der Jahre 2010 und 2011 musste verbrannt werden - die Kosten übernahm der Bund. Seitdem habe es allerdings keine Probleme mehr gegeben.

PFC auch Aufgabe für Kommunen

Bei der zivilen Feuerwehr werde bereits bei der Ausbildung darauf geachtet, dass Löschschaum "umsichtig und mit Augenmaß" eingesetzt wird. Verunreinigtes Löschwasser werde zurückgehalten, damit es nach Möglichkeit nicht in die Kanalisation und in Böden gelangt. Ob das zu jener Zeit immer eingehalten wurde, als der mittlerweile verbotene Stoff noch genutzt wurde, ist kaum nachzuvollziehen - es müssten alle entsprechenden Brände im Nachhinein geprüft werden.

Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, sagte dem hr, dass das Thema zu einem Problem werden könnte, wenn auf ehemaligen Bundeswehr-Arealen gebaut werde, die jetzt in der Hand von Kommunen seien. Wenn die Flächen als Fluggelände oder für die Ausbildung genutzt worden seien, müsse besonders auf Altlasten getestet werden, insbesondere auch PFC. Das Thema werde die Kommunen in Zukunft weiter beschäftigen, vermutet Conrad.

PFC-Böden beim Ausbau des Frankfurter Flughafen

Zwar liegt der Fokus aktuell auf Fällen, für die die Bundeswehr an ihren Standorten verantwortlich ist. Aber auch bei der ehemaligen US-Airbase am Frankfurter Flughafen kam PFC zum Einsatz.

Das wird aktuell zum Problem beim Bau des Terminals 3: Auf dem ehemaligen Airbase-Gelände wird gebaut, die Altlasten im Boden kommen wieder zum Vorschein. Laut Flughafen-Betreiber Fraport wurden die Böden umfangreich untersucht, es seien PFC-Verunreinigungen gefunden worden.

Diese seien ausgehoben und fachgerecht entsorgt oder gelagert worden. Es soll versucht werden, das verseuchte Erdreich auf dem Gelände gesichert wieder einzubauen: Gesichert heißt, einen Mindestabstand zum Grundwasser einzuhalten und die Fläche mit Beton zu versiegeln.

Geprüft werde auch, ob es möglich ist, die Böden zu säubern. Der Umgang mit PFC-belasteten Böden stecke in Deutschland allerdings noch in den Anfängen: Und weil immer mehr neue und verbesserte Analysemethoden entstünden, gebe es in der Folge auch mehr Bodenaushub beim Flughafenausbau, der entsorgt werden müsse, weil Kontaminationen entdeckt wurden.

Sendung: hr4, 09.05.2019, 12.13 Uhr