Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht hinter einer Kladde und unterhält sich mit seinem Anwalt.
Der Angeklagte muss erneut vor Gericht. Bild © picture-alliance/dpa

Er stach seinem Opfer die Augen aus, biss ihm die Ohren ab, rammte ihm ein Messer in den Hals - und hinterließ beim Bundesgericht doch noch offene Fragen. In Hanau muss ein Prozess um einen beispiellosen Gewaltexzess neu aufgerollt werden.

Dieser Fall könnte glatt aus einem Horrorfilm stammen und ist nichts für Zartbesaitete: In Schlüchtern (Main-Kinzig) hatte ein Flüchtling aus Eritrea einen damals 18-Jährigen aus Somalia im Oktober 2016 auf bestialische Weise misshandelt.

Das Landgericht Hanau verurteilte den Mann daraufhin im Juni 2017 wegen versuchten Totschlags und schwerer sowie gefährlicher Körperverletzung zu neuneinhalb Jahren Gefängnis. Nun hob der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe das Urteil auf. Der Fall müsse an einer anderen Kammer neu verhandelt werden, teilte die Staatsanwaltschaft Hanau am Dienstag mit.

BGH hat Fragen zum Urteil

Der BGH bemängelte, dass der Sachverhalt im Urteil unzureichend dargestellt worden sei. Es sei unklar, warum der Verurteilte nach anfänglichem Einstechen mit Tötungsvorsatz auf das Opfer seinen Tötungswillen aufgegeben haben soll, um den Geschädigten nur noch zu quälen, obwohl er diesen kontinuierlich weiter misshandelte, bis die Polizei ihn vom Opfer trennte, hieß es von Seiten des BGH.

Der Eritreer, dessen Alter laut Gerichtsgutachten von 20 auf mindestens 26 Jahre korrigiert worden war, hatte sein Opfer in dessen Wohnung in Schlüchtern besucht. Beide kannten sich aus einer Jugendhilfeeinrichtung, das Opfer war als minderjähriger Flüchtling aus Somalia nach Deutschland gekommen. Im Laufe des Treffens kam es zu der folgenschweren Tat.

Opfer nahezu blind

Nach Überzeugung des Gerichts stach der Mann mit zwei Messern dem Somalier in den Hals, trennte ihm anschließend die Augenlider ab und biss ihm Teile der Ohren ab. Auch die Augäpfel wurden mit einem Kugelschreiber verletzt. Das Opfer überlebte, ist seither aber nahezu blind. Das Motiv blieb bis zuletzt unklar.

Sendung: hr-iNFO, 29.05.2018, 16.00 Uhr