Tobias R., Täter von Hanau

Neun Menschen mit Migrationshintergrund tötete Tobias R. in Hanau. Ein Gutachter kommt einem Medienbericht zufolge zum abschließenden Befund über Verfassung und Motivlage des Mörders.

Der Attentäter von Hanau litt an einer psychischen Erkrankung, die sich auf fatale Weise mit einem völkischen Weltbild vermischt hatte. Dies geht laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel aus einem neuen Gutachten hervor, das der forensische Psychiater Henning Saß im Auftrag der Bundesanwaltschaft erstellt habe.

Täter litt an paranoider Schizophrenie

Der Gutachter sehe posthum bei Tobias R. klare Anzeichen für eine paranoide Schizophrenie. Auf die Geistesstörung sei eine "rechtsradikale Ideologie" aufgesetzt gewesen, die "fremdenfeindliche, rassistische und völkische Elemente" enthalten habe.

Saß beschreibe die Gedankenwelt des Attentäters in seiner 140-seitigen Expertise als "eigentümliche Amalgamierung", bei der "krankheitsbedingte Fantasien" und "politisch-ideologischer Fanatismus" untrennbar verwoben gewesen seien.

Jener Fanatismus war bereits aus einem 24-seitigen Manifest herauszulesen, das Tobis R. im Internet hinterließ. Von "destruktiven Völkern" war dort die Rede, die vernichtet werden müssten. Zwei Dutzend Nationen zählt Tobias R. in erster Linie dazu, vor allem solche mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit. Und er merkt an, "dass nicht jeder, der heute einen deutschen Pass besitzt, reinrassig und wertvoll ist".

Generalbundesanwalt: "Zutiefst rassistische Gesinnung"

Generalbundesanwalt Peter Frank urteilte nach der Lektür bereits im Februar: Der Täter habe aus einer "zutiefst rassistischen Gesinnung" gehandelt. Das Gutachten kommt dem Spiegel-Bericht zufolge zu dem Schluss, dass der Attentäter zwar massiv in seiner Fähigkeit eingeschränkt gewesen sei, "sich reflektierend mit der eigenen, krankhaft verformten Weltsicht" auseinanderzusetzen. Trotz eingeschränkter Steuerungsfähigkeit habe er die rassistischen Morde "planvoll" vorbereitet.

Am 19. Februar dieses Jahres hatte der 43-jährige Tobias R. in Hanau zwei Bars angegriffen und neun Menschen - acht Männer und eine Frau - mit ausländischen Wurzeln erschossen. Seine Leiche und die seiner Mutter wurden später in ihrer Wohnung aufgefunden.