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Abseilaktion über Autobahn in Frankfurt

Aktivisten seilen sich von der Brücke ab

Mit einer Abseilaktion über der A648 haben Aktivisten in Frankfurt für eine schnelle Verkehrswende demonstriert. Das Verwaltungsgericht hatte ein Verbot der Stadt kurz vorher gekippt. Am Sonntag sind weitere Aktionen in ganz Hessen angekündigt.

Zu dritt baumelten die Aktivisten am Freitagnachmittag an der Brücke über der leeren Autobahn in Frankfurt. Zwischen sich hatten sie Plakate gespannt, "Straßenbahn statt Autowahn" stand auf einem von ihnen. Weitere Demonstranten hatten sich auf der Brücke versammelt und unterstützen die Forderungen.

Rund eine halbe Stunde dauerte die Abseilaktion, mit der die Aktivisten für mehr Klimaschutz und eine schnellere Verkehrswende protestierten. "Wir werden vom Auto nicht wegkommen nur mit Petitionen und Unterschriftenlisten", erklärte einer der Teilnehmer seine Motivation. "Wir brauchen spektakuläre Aktionen, um eine gesellschaftliche Debatte in Gang zu bringen."

Die Polizei sperrte die A648 in der Nähe der Messe wegen der Aktion rund eine Stunde lang in beiden Richtungen. Alles sei "störungsfrei und friedlich" verlaufen, bilanzierte ein Sprecher der Polizei im Anschluss.

Gericht hob Verbot auf

Erst kurz zuvor hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt die Abseilaktion für eine Dauer von 30 Minuten erlaubt. Damit hatte es ein Verbot der Stadt Frankfurt aufgehoben. Diese hatte das Abseilen am Donnerstag untersagt und argumentiert, ein Bruch des Geländers unter der Last der daran Hängenden sei nicht auszuschließen.

Der Protest in Frankfurt war nur der Auftakt: Insgesamt vier Abseilaktionen über Autobahnen haben Klimaschützer geplant und – anders als bei früheren Protestaktionen dieser Art – diese bei den zuständigen Behörden auch angemeldet: neben Frankfurt auch in Gießen, Gudensberg (Schwalm-Eder) und Künzell (Fulda).

Protest für das Klima und beschuldigte Aktivisten

Dass die Aktivisten sich zunächst in Frankfurt abseilten, ist kein Zufall: Neben dem Protest für mehr Klimaschutz und eine schnellere Verkehrswende wollen sie auch Solidarität mit fünf Aktivisten zeigen, die bald unter anderem in Frankfurt vor Gericht stehen. Die fünf Beschuldigten hatten sich im Herbst 2020 aus Protest gegen den A49-Ausbau und den damit verbundenen Rodungen im Dannenröder Forst von Autobahnbrücken abgeseilt. Unter anderem hatten sie damit an der A3 bei Wiesbaden und an der A5 bei Zeppelinheim (Offenbach) den Berufsverkehr lahmgelegt.

An der A3 war es zudem zu einem schweren Unfall am Stauende gekommen, ein 29-Jähriger wurde schwer verletzt. Die Polizei nahm insgesamt etwa 30 Menschen in Gewahrsam. Fünf von ihnen müssen sich unter anderem vor dem Amtsgericht in Frankfurt wegen Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten.

Abseilaktionen am Sonntag in Künzell

Die drei folgenden Aktionen sind jeweils für den kommenden Sonntag geplant. So soll um 11 Uhr in Künzell an der A7 von der Brücke in der Haunestraße eine Abseilaktion stattfinden. Nur für den Fall, dass es schneit, würde die Aktion abgesagt, teilten die Organisatoren mit.

Nach Angaben des Ordnungsamts sind zwischen 50 und 70 Teilnehmende angemeldet. Über Auflagen hat die Stadt ebenfalls noch nicht entschieden. Man sei noch in Abstimmung unter anderem mit der Polizei. Bis Freitagnachmittag wisse man mehr.

Prinzipiell könne man nicht verhindern, dass die Aktivisten sich abseilen, sagte Bürgermeister Tino Zentgraf (parteilos). Sollte es so kommen, werde die A7 zwischen Fulda Süd und Fulda Nord vorübergehend gesperrt. Der Verkehr würde dann über die B27 umgeleitet.

100 Teilnehmende in Gießen erwartet

Eine weitere Abseilaktion ist ebenfalls für 11 Uhr in Gießen an der A485 von der Brücke in der Rödgener Straße geplant. Hier hat die Behörde bereits Auflagen erteilt. Die Demonstration sei erlaubt, das Abseilen hingegen nicht, teilte die Polizei auf Anfrage mit.

Eine Sperrung der Autobahn sei nicht vorgesehen. Sollte dies nötig sein, werde das vor Ort kurzfristig entschieden. Eine Sprecherin der Stadt sagte, es werde genügend Polizei vorhanden sein, um zu verhindern, dass sich jemand abseilt. Insgesamt seien 100 Teilnehmende angemeldet.

Eine dritte für Sonntag angekündigte Aktion an der A49 bei Edermünde (Schwalm-Eder) wurde nach Angaben des dortigen Ordnungsamts nach Gudensberg verlegt. Auch hier ist die Aktion für 11 Uhr geplant, und zwar auf der Brücke zwischen Forstweg und Zur Hillemühle. Die Autobahn werde für die Dauer der Abseilaktion gesperrt, teilte ein Mitarbeiter der zuständigen Ordnungsbehörde in Habichtswald (Kassel) auf Anfrage mit. Angemeldet seien 50 bis 100 Teilnehmende.

Alle Abseilaktionen sollen unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen stattfinden und etwa eine Stunde lang dauern, zudem kündigten die Organisatoren Kundgebungen jeweils vor Ort an.

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