Der Lastwagen rammte mehrere Wagen in der Limburger Stadt.

Nach der Amokfahrt mit einem geraubten Lkw in Limburg ist Haftbefehl gegen den 32 Jahre alten Fahrer erlassen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes. Doch noch immer ist vieles unklar.

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Hessenschau vom 08.10.2019
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  • Ein 32-Jähriger ist am späten Montagnachmittag mit einem gekaperten Lkw in Limburg in mehrere Fahrzeuge gefahren. Acht Menschen und der Täter wurden dabei leicht verletzt.
  • Nach hr-Informationen spricht alles gegen einen terroristischen Hintergrund der Tat. Der Mann war polizeibekannt, allerdings wegen Drogen- und Gewaltdelikten.
  • Der 32-Jährige soll sich vor der Tat betrunken haben, anschließend zerrte er einen Lkw-Fahrer aus seinem Fahrzeug und fuhr in die wartenden Autos auf einer Kreuzung.
  • Ein Haftrichter erließ am Dienstagabend einen Haftbefehl. Die Tatvorwürfe lauten versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Ein rot-weißes Flatterband baumelt von einem Mülleimer, auf der Straße liegen ein paar Scherben und der strömender Regen macht die Polizeimarkierungen darunter nass. Das ist alles, was am Dienstag nahe dem Limburger Landgericht noch auf den Vorfall vom Vorabend hindeutet - das, und die Kamerateams, die sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite unter einem Vordach vor dem Regen schützen.

Er saß gerade vor dem Fernseher, als es einen Schlag getan habe, berichtet Adolf Hahn, der in dem Haus mit dem Vordach wohnt. Als er aus dem Fenster blickte, sah er den Lkw und die ganzen kaputten Autos, kurz darauf dann die Notärzte und das Rote Kreuz. Den Fahrer des Lastwagens habe er nicht gesehen, sagt der 84-Jährige.

Das Landgericht Limburg am Tag nach dem Lkw-Vorfall.

Der Fahrer, ein 32-Jähriger, hat am späten Montagnachmittag in Limburg einen Lkw geraubt und ist damit auf der Kreuzung vor dem Landgericht auf eine Fahrzeugkolonne aufgefahren. Der Syrer selbst und acht weitere Menschen wurden leicht verletzt - am Vorabend war noch von 17 Verletzten die Rede. Ein Übermittlungsfehler, sagt die Polizei.

Parallelen zu Berlin und Nizza

Die Tat erinnert an die Terroranschläge von Berlin und Nizza aus dem Jahr 2016. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagt zwar am Dienstag, es werde "in alle Richtungen" ermittelt, dennoch macht ein Medienbericht schnell die Runde, demzufolge die Behörden den Vorfall als Terroranschlag einstuften.

Doch nach hr-Informationen spricht alles gegen einen Terroranschlag. Vielmehr könnte es sich um eine nicht politisch motivierte Amokfahrt aus psychischen Motiven handeln. Am Dienstagabend wurde Haftbefehl gegen den 32-Jährigen erlassen. Die Tatvorwürfe lauten versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Bis dato sei der mutmaßliche Täter bei der Polizei wegen Drogen- und Gewaltdelikten aufgefallen. Innenminister Peter Beuth (CDU) erklärt, der Mann habe nach bisherigen Erkenntnissen "keine Verbindungen in die gewaltbereite islamistische Szene".

Die für Terrorermittlungen zuständige Bundesanwaltschaft verzichtete am Dienstag darauf, den Fall an sich zu ziehen. Man habe das Geschehen aber im Blick und stehe in engem Kontakt mit den hessischen Strafverfolgungsbehörden, sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde.

Bundespolizisten in ihrer Freizeit nahmen den Mann fest

Noch in der Nacht zum Dienstag durchsuchen Beamte mit Unterstützung des Spezialeinsatzkommandos (SEK) die Wohnung des Verdächtigen in Langen (Offenbach) sowie die seines Cousins im Kreis Limburg-Weilburg. Sie stellen Handys und USB-Sticks sicher.

Der Verdächtige lebt seit 2015 in Deutschland, er hatte einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist seine Aufenthaltserlaubnis am 1. Oktober abgelaufen. Ob er sich um eine Verlängerung gekümmert hat, sei nicht bekannt.

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Unmittelbar vor der Tat saß der Mann mit einem Verwandten in einer Gaststätte und trank Alkohol. Währenddessen soll er sich zu der Tat entschlossen haben. Er versuchte offenbar mehrmals erfolglos, die Gewalt über einen Lkw zu erlangen, bevor es ihm dann bei dem Fahrzeug einer baden-württembergischen Spedition gelang. Ohne, dass eine Waffe im Spiel war, zog er den Lkw-Fahrer aus seinem Fahrzeug und fuhr selbst wenige Meter damit, bevor er auf die anderen Autos prallte. Sieben Autos und ein Kleintransporter wurden beschädigt. Zufälligerweise waren Bundespolizisten außer Dienst in der Nähe, sie nahmen ihn fest.

Bürgermeister: Bevölkerung verunsichert

Der Bürgermeister von Limburg, Marius Hahn, sagt am Dienstag, er hoffe auf eine schnelle und vollständige Aufklärung. "Man spürt eine Verunsicherung in der Bevölkerung", sagte der SPD-Politiker. Auch er sei erschüttert. "Ich bin schockiert und in meinen Gedanken bei den Verletzten und deren Familien."

Sendung: hr-fernsehen, Hessen extra: Die Amokfahrt von Limburg, 08.10.2019, 20.15 Uhr