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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lokführer in Gullydeckel-Prozess zu 21 Monaten Haft verurteilt

Anschlag auf Hessische Landesbahn

Weil er einen Anschlag auf seinen eigenen Zug verübte, muss ein Lokführer ins Gefängnis. Weshalb der Mann zwei Gullydeckel an einer Brücke befestigte und dagegen fuhr, ist weiter unklar.

Ein Jahr und neun Monate Haft ohne Bewährung - das ist das Urteil für einen Lokführer der Hessischen Landesbahn, der einen Anschlag auf seinen Zug mit zwei Gullydeckeln selbst inszeniert hatte. Das Amtsgericht im nordrhein-westfälischen Bad Berleburg verurteilte den heute 50-Jährigen wegen Vortäuschens einer Straftat und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr, wie ein Sprecher am Freitag mitteilte.

Gullydeckel krachten in Frontscheibe

Der Mann hatte nach Überzeugung des Gerichts im April 2019 zwei Kanaldeckel an Seilen befestigt und an einem Brückengeländer nahe der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen aufgehängt. Bei einer frühmorgendlichen Fahrt, bei der keine Fahrgäste im Zug waren, krachten die schweren Gegenstände in die Frontscheibe der relativ langsam fahrenden Regionalbahn und hinterließen dort ein großes Loch. Der Lokführer blieb dabei unverletzt.

Zunächst war in dem aufsehenerregenden Fall ein Mordanschlag nicht ausgeschlossen worden. Der Lokführer war zunächst sogar von den Ermittlern für sein "instinktiv richtiges Handeln" gelobt worden, weil er sich nach eingeleiteter Notbremsung weggeduckt hatte. Dass er nicht mit voller Geschwindigkeit, sondern mit unter 50 Stundenkilometern auf der Strecke unterwegs war, begründete eine Sprecherin damals damit, dass er sich auf dem Weg zum Startbahnhof und noch nicht im vollen Einsatz befunden habe.

DNA überführt Lokführer

Doch schließlich fiel der Verdacht auf ihn. Ermittler fanden seine DNA an den Gullydeckeln und den Seilen. Auch Faserspuren konnten dem Mann laut einem Gutachten zugeordnet worden. Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden außerdem Schneidewerkzeuge, Handschuhe und ähnliche Knoten wie an der Kanaldeckel-Falle gefunden.

In dem vor zwei Wochen begonnenen Prozess wurden zahlreiche Polizeibeamte und Gutachter befragt. Das Gericht zeigte sich am Ende von der Schuld des Angeklagten überzeugt und folgte mit dem Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Das Motiv des Mannes blieb während des Prozesses ungeklärt. Er hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen, die Verteidigung hatte einen Freispruch verlangt. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.

Sendung: hr3, 02.10.2020, 18 Uhr