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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurter Zoll veröffentlicht Jahresbilanz

Eine Zollbeamtin hält einen Krokodilfuß und einen ausgestopften Hai in die Kamera.

Jahresbilanz des Frankfurter Zolls: Am Flughafen stellten die Zöllner im vergangenen Jahr tonnenweise Drogen und tausende artgeschützte Tiere und Pflanzen sicher. Über sechs Milliarden Euro an Steuern wurden eingenommen.

Trotz der Corona-Pandemie und damit weniger Flugverkehr hat der Frankfurter Zoll im vergangenen Jahr rund 6,2 Milliarden Euro eingenommen - nur knapp weniger als im Vorjahr. So lautet die Bilanz, die das Hauptzollamt am Freitag veröffentlicht hat.

Der Großteil der Einnahmen - rund fünf Milliarden Euro - entfiel dabei auf die Einfuhrumsatzsteuer, 304 Millionen Euro auf den Zoll. Mit der bundesweiten Biersteuer, die das Zollamt ebenso verwaltet wie die Stromsteuer, nahm die Behörde in Frankfurt 69 Millionen Euro ein - etwas weniger als im Vorjahr. Die Luftverkehrssteuer fiel mit 144 Millionen Euro um 80 Prozent geringer aus als im vergangenen Jahr.

Hammerhai im Urlaub selbst geangelt

"Auch in Zeiten von Pandemie und Brexit haben meine Zöllnerinnen und Zöllner ihre Aufgabe am Frankfurter 'Tor zur Welt' sowohl für den Luftfrachtbereich als auch für die Passage erfolgreich erfüllt- und das sieben Tage die Woche rund um die Uhr", freute sich Markus Tönsgerlemann, der Leiter des Hauptzollamtes Frankfurt. So stellten die Fahnder im vergangenen Jahr rund 1.200 noch lebende artgeschützte Tiere sicher, außerdem rund 4.000 Pflanzen sowie 67.000 Erzeugnisse aus geschützten Tier- und Pflanzenarten.

Unter den Funden waren etwa ein ausgestopfter Hammerhai, den ein Mann aus Deutschland im Juni bei einem Segeltörn auf Mauritius selbst geangelt hatte und dort für mehrere tausend Euro präparieren ließ. Ein 62 Jahre alter Reisender aus Russland brachte außerdem im Januar eine Tatze samt Krallen eines artgeschützten Braunbären als "Andenken" mit.

Zoll mahnt zu Vorsicht bei Cremes aus Internet

Insgesamt nahm die Zahl der geschmuggelten artengeschützten Exemplare laut Zollamt im Vergleich zu 2019 um rund 40 Prozent zu. Während die Zahl der noch lebenden Tiere und Pflanzen deutlich sank, nahmen die geschmuggelten Balsams, Cremes, Nahrungsergänzungsmittel und andere aus artengeschützten Tieren und Pflanzen gewonnene Produkte um etwa die Hälfte zu.

"Es sind nicht nur die skrupellosen Sammler, die uns ins Netz gehen", sagte eine Sprecherin des Hauptzollamts in Frankfurt. Besonders bei online angebotenen Cremes und Pillen könne man das darin verarbeitete Tier oder die Pflanze schon einmal übersehen. Hier sei Vorsicht und genaues Lesen geboten. "Hat man aber zum Beispiel einen Stoßzahn oder ein Bärenfell vor sich, sollte es einem schon eher klar sein."

Weniger Drogenschmuggel in der Pandemie

Die Menge der geschmuggelten Drogen ging im Pandemie-Jahr dagegen zurück. 4.171 Kilogramm Drogen im Wert von rund 71 Millionen Euro zogen die Fahnder im vergangenen Jahr aus dem Verkehr. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 7.280 Kilogramm gewesen.

Die am häufigsten geschmuggelte Droge ist seit Jahren Khat. Dabei handelt es sich um Blätter der Pflanze Catha edulis, deren Wirkstoff eng mit Amphetaminen verwandt ist. Außerdem fanden die Zollbeamten 523 Kilogramm Kokain, 215 Kilogramm synthetische Drogen, neun Kilogramm Heroin und 34 Kilogramm Haschisch und Marihuana.

Tabletten als Dekosteine getarnt

Der Großteil der Drogen wurde im vergangenen Jahr allerdings mit der Post verschickt. Lediglich Kokain werde häufiger in der Fracht entdeckt als in Postsendungen, teilte die Zollbehörde mit. 103 Kilogramm Kokain seien von Reisenden eingeführt worden, 59 Drogenkuriere wurden vorläufig festgenommen. Unter ihnen waren drei sogenannte Schlucker, die das Rauschgift in ihrem Körper transportierten.

Kreativer waren die Absender eines Pakets, das laut Etikett Dekosteine für Aquarien enthalten sollte. Stattdessen fanden die Beamten darin rund 20.000 Tabletten Ecstasy im Wert von rund 150.000 Euro. Bei Kontrollen von Flügen aus Bahrain fanden die Beamten zu Jahresbeginn bereits 452 Kilogramm unversteuerten Wasserpfeifentabak. Die sechs Reisenden hatten in ihren Koffern kaum persönliche Gegenstände untergebracht, sondern fast ausschließlich Tabak. Gegen sie wurden Steuerstrafverfahren eingeleitet.

Sendung: hr-iNFO, 07.05.2021, 14 Uhr

Anmerkung: In einer ersten Version haben wir geschrieben, das Zollamt hätte 72.000 geschmuggelte Tiere beschlagnahmt. Diese Angabe war leider nicht korrekt, da es sich dabei auch um Pflanzen und aus geschützten Arten hergestellte Produkte handelt.