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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hanau-Attentäter suchte nach SS-Orden und Uniformen

Tobias R., Täter von Hanau

Der Attentäter von Hanau, der im Februar 2020 aus rassistischen Motiven neun Menschen tötete, hat vor der Tat im Internet nach Nazi-Orden und Uniformen gesucht. Zur Radikalisierung von Tobias R. bleiben viele Fragen offen.

Eine Auswertung des vom Hanauer Attentäter genutzten Computers habe ergeben, dass er zumindest ab April 2019 auf Internetseiten nach SS-Orden und Uniformen gesucht habe. So steht es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die am Donnerstag bekannt wurde.

"Eine konkrete Beschäftigung mit rassistischem Gedankengut wurde erst ab dem Jahr 2019 aufgrund der vom Tatverdächtigen erstellten Texte und Videos, die der 'Tatbegründung' dienen sollten, dokumentiert", hieß es in der Antwort weiter.

Der 43-jährige Deutsche Tobias R. hatte am 19. Februar vergangenen Jahres in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Seine Leiche und die seiner Mutter wurden später in ihrer Wohnung gefunden. Vor dem Attentat veröffentlichte er Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet.

Keine Erkenntnisse über Einbindung in Neonazi-Strukturen

In der Antwort erklärte die Bundesregierung auch, nach derzeitigem Ermittlungsstand lägen "keine Erkenntnisse zu einer Einbindung des verstorbenen Tatverdächtigen in rechtsextreme oder rechtsterroristische Strukturen vor".

Die Ermittlungen hätten zwar Erkenntnisse über den Konsum von verschwörungsideologischen Inhalten, "insbesondere über die Videoplattform Youtube", ergeben, nicht aber über die Nutzung von Internetseiten, sozialen Medien oder Chatgruppen mit rassistischen oder rechtsextremen Inhalten. Auch zum konkreten Zeitpunkt und zur Art und Weise der Radikalisierung des Tatverdächtigen lägen keine Erkenntnisse vor.

Gedenken an den rassistischen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020

Gutachter erkannte "rechtsradikale Ideologie"

Ein Gutachten des forensischen Psychiaters Henning Saß im Auftrag der Bundesanwaltschaft kam im November zum Ergebnis, dass der Hanau-Attentäter an einer psychischen Erkrankung litt, die sich auf fatale Weise mit einem völkischen Weltbild vermischt hatte.

Der Gutachter sah laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel posthum bei Tobias R. klare Anzeichen für eine paranoide Schizophrenie. Auf die Geistesstörung sei eine "rechtsradikale Ideologie" aufgesetzt gewesen, die "fremdenfeindliche, rassistische und völkische Elemente" enthalten habe.

Grüne: Antworten der Bundesregierung reichen nicht

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz nannte die Antworten der Bundesregierung "angesichts der seit dem schrecklichen Anschlag vergangenen Zeit absolut unzureichend. Vor allem für die Opfer und Hinterbliebenen sind sie unzumutbar."

Auch 14 Monate nach der Tat seien zentrale Fragen unbeantwortet. "Dies führt dazu, dass dringend notwendige politische Schlüsse und Konsequenzen nicht gezogen werden können."

Sendung: hr-iNFO, 29.04.2021, 19.00 Uhr