Auftragshacker sollen Unternehmen schützen

Der Schüler aus Homberg (Ohm), der private Daten von Politikern und Prominenten gestohlen und im Internet veröffentlicht haben soll, ist möglicherweise doch kein Einzeltäter. Ermittler haben nach ARD-Berichten Zweifel an den Computerkenntnissen des 20-Jährigen.

Die Ausspähung und illegale Veröffentlichung privater Daten von Politikern und Prominenten ist möglicherweise nicht von dem tatverdächtigen Schüler aus Hessen alleine begangen worden. Das berichten das ARD-Politikmagazin Kontraste und das Inforadio des rbb.

Im Zuge der Ermittlungen zum Datenklau seien Zweifel aufgekommen, ob es sich tatsächlich um einen Einzeltäter handele. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen sei der mutmaßliche Täter trotz eines vollumfänglichen Geständnisses nicht in der Lage gewesen, den Ermittlern zu zeigen, wie er die Daten im Netz erbeutet hatte.

Probleme beim Praxistest

Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) hatten den Schüler dem Bericht zufolge dafür vor einen Computer gesetzt und ihn aufgefordert zu erläutern, wie er vorgegangen sei. Dabei sei deutlich geworden, dass er beispielsweise nicht über die nötigen Kenntnisse verfügte, um die sogenannte Zwei-Faktor-Authentisierung zu umgehen. Diese Sicherheitslücke aber soll der Täter ausgenutzt haben, um zahlreiche Accounts zu hacken.

Ein Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, die zusammen mit dem BKA das Verfahren führt, sagte der Deutschen Presse-Agentur, derzeit richte sich das Ermittlungsverfahren nur gegen den 20-Jährigen: "Wir ermitteln gleichwohl umfassend, um festzustellen, ob der Beschuldigte tatsächlich allein gehandelt hat." Zu den Details von Vernehmungen wollte er keine Auskünfte geben.

Adventskalender mit persönlichen Daten

Der Beschuldigte hatte im Dezember in einer Art Adventskalender bei Twitter täglich neue Daten von Politikern, Journalisten, Rappern, jungen YouTube-Stars und anderen Prominenten veröffentlicht. Er war Anfang vergangener Woche festgenommen worden. Der Schüler, der noch bei seinen Eltern in Homberg (Ohm) wohnt, legte ein Geständnis ab und wurde anschließend auf freien Fuß gesetzt.

Bei seiner Vernehmung sagte er nach BKA-Angaben, er habe Menschen "bloßstellen" wollen, über deren öffentliche Äußerungen er sich geärgert habe. Er gab an, alleine gehandelt zu haben.

Sendung: hr-iNFO, 16.01.2019, 17.00 Uhr