Thermometer in Kuhfladen

Mist eignet sich nicht nur als Dünger, sondern auch als Energiequelle. Ein junger Milch-Bauer hat in Hessen das Potenzial erkannt und eine Art Kuhfladenheizung entwickelt. Der Bauernverband ist begeistert und spricht von einer Pionier-Geschichte.

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Bauer aus Bimbach heizt mit Kuhfladen-Wärme

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Aus Scheiße macht Lukas Stock zwar kein Gold, wie es in der Redensart heißt. Aber immerhin verwandelt er den Mist seiner Kühe in Energie zum Heizen. Dadurch spart der 26-Jährige bares Geld auf seinem Hof in Großenlüder-Bimbach (Fulda).

Zusammen mit zwei befreundeten Heizungsbauern hat er die Idee einer Kuhfladenheizung entwickelt und umgesetzt. "Das funktioniert einwandfrei", sagt der pfiffige Milch-Bauer zufrieden. Zum Veranschaulichen steckt er ein Thermometer in den frischen Dung. Der hat eine Temperatur von 37 Grad. Der gärende Stallmist eignet sich nicht nur als Dünger, sondern auch als Wärmequelle.

Verband lobt Bauern: eine Pionier-Geschichte

Der hessische Bauernverband ist begeistert vom Erfindergeist des Jung-Bauern und seiner innovativen Idee. "Das ist ein guter Einfall. Solch eine Pionier-Geschichte kann Schule machen. So wird auf elegante Weise der Kuhmist noch zusätzlich verwertet und Energie eingespart", lobt Verbandssprecher Bernd Weber. Ihm sind im Bundesland keine weiteren Bauern bekannt, die schon Ähnliches umgesetzt haben.

Die Idee kam Lukas Stock beim Misten im Stall. Als er immer wieder sah, wie lange frisch gefallene Kuhfladen vor lauter Wärme noch nachdampfen - minutenlang. Da dachte er sich: "Mensch, das muss man doch nutzen." Aber wie? Er tüftelte zusammen mit seinen Kumpels an der Umsetzung. Denn Stock ist offen für technischen Fortschritt, er ist ein moderner Landwirt. In seinem Hightech-Stall hat er zum Beispiel auch einen Automaten fürs Stroh-Einstreuen - Farming 2.0.

Prinzip Fußbodenheizung

Beim Neubau eines Stalls wagten Stock und seine Kumpels dann den Feldversuch - ohne vorher Gewissheit zu haben, ob es klappen würde. Sie betonierten 600 Meter Schlauch im Stallboden ein. Die Idee folgt dann dem Prinzip einer Fußbodenheizung.

Durch die Schläuche im Beton fließt Wasser, das die Wärme des gärenden Mists aufnimmt. Eine Pumpe lässt das warme Wasser zirkulieren - bis in den Boden der Betriebsräume im Stall. Dort macht Stock zum Beispiel Büro-Arbeit. "Im Raum kommen ungefähr 25 Grad an Wärme an", sagt Stock.

Die Hinterlassenschaften der Kühe werden später von einem vollautomatischen Schieber in eine Rinne befördert. Dort wird der Dung gesammelt und landet später in der Biogas-Anlage.

Bauer Lukas Stock bei der Stallarbeit

Experte: "Ein Zubrot an Wärme"

Erich Gersbeck, Energie-Fachmann vom Landesbetrieb Landwirtschaft in Kassel, hat sich einen Eindruck von der Kuhfladen-Heizung verschafft und bestätigt: "Technisch funktioniert das - keine Frage." Aber riesige Energie-Mengen seien nicht zu gewinnen: "Man könnte es als Zubrot an Wärme bezeichnen." Und auch er sagt: "Ich kenne in Hessen keinen anderen Bauern, der das so umsetzt."

Im benachbarten Nordrhein-Westfalen gebe es aber ein paar Betriebe, die schon Ähnliches versucht hätten. Andere Landwirte in Deutschland haben auch schon mit der Wärme aus Pfedermist experimentiert.

Stock ist happy, dass aus der bei einem Bier erdachten Idee etwas Gehaltvolles geworden ist. Schließlich hat er 4.000 Euro an Materialkosten investiert - jetzt spart er im Jahr rund 1.000 Euro Heizkosten. "Wenn es nicht funktioniert hätte, hätten wir das Geld einbetoniert." Die Kohle wäre futsch gewesen - und die Kacke am Dampfen.

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