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Wunderkerzen statt Böller, Feier im engsten Kreis statt großer Party: Hessen hat das ruhigste Silvester seit langem erlebt. Die Polizei vermeldete ungewöhnlich wenige Einsätze. Nur ganz vereinzelt musste die Feuerwehr ausrücken.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona-Regeln sorgen für ungewöhnlich ruhigen Jahreswechsel

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2020 war kein Jahr zum Feiern - und so ist auch die Silvesternacht in Hessen äußerst ruhig verlaufen. In einer ersten Bilanz sprachen alle sieben hessischen Polizeipräsidien von ungewöhnlich wenigen Einsätzen.

An vielen Orten gab es zu den coronabedingten Kontaktbeschränkungen und dem Alkoholverbot zusätzlich noch Ausgangsperren und ein Böllerverbot. "Das hat es so noch nicht gegeben, dafür hat es aber ziemlich gut funktioniert", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt. Den Römerberg habe er noch nie so leer gesehen. "Wir sind wirklich froh, dass die Leute sich an die Regeln gehalten haben und zuhause gefeiert haben."

Polizei lobt "solidarisches Verhalten"

Tatsächlich sorgte eine starke Polizeipräsenz in der Silvesternacht überall in Hessen für leere Innenstädte. Nur in Einzelfällen wurde gegen die Ausgangssperren verstoßen, die in einigen Landkreisen gelten.

"Die Offenbacher Bürgerinnen und Bürger haben sich vorbildlich an die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen gehalten", lobte beispielsweise die dortige Polizei am Freitagmorgen und dankte für das "solidarische Verhalten in diesen besonderen Zeiten".

Im Bereich des Polizeipräsidiums Osthessen wurden in der Nacht insgesamt 44 Verstöße gegen die Ausgansbeschränkungen gezählt, im Bereich Südhessen 125, in Westhessen 72. Aber auch hier zog die Polizei insgesamt eine positive Bilanz der Silvesternacht.

Wiesbaden: Party mit 50 Gästen aufgelöst

In Bischofsheim (Groß-Gerau) ging ein betrunkener 32-Jähriger auf eine Polizeistreife los. Die Beamten hatten ihn darauf aufmerksam machen wollen, dass die Musik in einer Wohnung zu laut sei. Gegen seine vorübergehende Festnahme wehrte sich der Mann heftig mit Tritten und Schlägen, wie die Polizei berichtete.

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"Vereinzelte Verstöße durch Gruppenbildungen oder Alkoholkonsum im öffentlichen Raum" blieben aber die Ausnahme. In Wiesbaden-Rambach wurde eine Party mit etwa 50 Personen aufgelöst. Die Polizei leitete 37 Verfahren ein - die anderen Gäste hatten sich zuvor entfernt. In Eschborn randalierten etwa 15 Jugendliche.

Polizei als Auskunftgeber

Obwohl vor Silvester keine Raketen und Böller verkauft werden durften, gab es vor allem in den Städten doch ein größeres Feuerwerk. Anders als in den Silvesternächten der vergangenen Jahre war die Knallerei aber recht schnell vorbei - und deutlich schwächer. In ganz Hessen riefen viele Menschen bei der Polizei an, weil in ihrer Nachbarschaft Raketen gezündet wurden: Sie dachten fälschlicherweise, das Böllern sei grundsätzlich verboten.

Überhaupt war die Polizei vielerorts als Auskunftgeber gefordert: Es habe "jede Menge Anrufe" gegeben, berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen. Mit wie vielen Leuten darf ich mich treffen? Darf ich um Mitternacht raus? Solche Fragen stellten die Bürger nicht nur den Polizeidienststellen, sondern auch bei der Notrufnummer 110.

Rakete setzt Balkon in Kassel in Brand

Deutlich weniger als in vergangenen Silvesternächten hatte die Feuerwehr zu tun. Sie musste nur vereinzelt ausrücken, um Brände zu löschen. So war in Kassel vermutlich eine Silvesterrakete auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses gelandet und hatte dort abgestellte Gartenmöbel in Brand gesetzt.

Zwei Hausbewohner kamen in ärztliche Behandlung, weil sie Rauchgas eingeatmet hatten. Eine weitere Bewohnerin wurde mit Kreislaufproblemen vom Rettungsdienst vor Ort betreut. Die durch den Brand betroffene Wohnung ist vorerst nicht mehr bewohnbar.

Auch in Frankfurt-Bonames brannte es auf einem Balkon, in Gießen-Wieseck in einer Garage. Ob in diesen beiden Fällen auch Raketen den Brand auslösten, ist noch unklar. Die Feuerwehr in Frankfurt bilanzierte am Freitagmorgen: "Die üblicherweise arbeitsreichste Nacht des Jahres lief in einem sehr ruhigen Rahmen ab."

Feuerwehreinsatz in Kassel

Sendung: hr-iNFO, 01.01.2021, 07.00 Uhr