Ein starkes Gewitter mit Sturmböen zieht am 18. August durch Langen im Kreis Offenbach.

Der Klimawandel trifft auch Hessen mit voller Kraft: Nach den Messungen des Deutschen Wetterdienstes gab es den drittwärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Hitze geht Hand in Hand mit bedrohlichen Wetterphänomenen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Drittwärmster Sommer seit Beginn der Aufzeichnung

Junger Mann springt vom Sprungturm im Schwimmbad ins Wasser
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Zum Ende des meteorologischen Sommers hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Freitag vorläufig Bilanz gezogen. Und siehe da: Es war heiß. Sehr heiß genauer gesagt: 19,1 Grad im Durchschnitt bedeuteten in Hessen den drittwärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1881. Heißer war es nur in den Jahren 2003 (19,8 Grad) und 2018 (19,5 Grad).

"Jeder Sommermonat endete mit einem deutlichen Überschuss an Wärme und Sonnenschein", teilte der DWD mit. Heißt konkret: Die Durchschnittstemperatur lag über den Sommer nicht nur 2,9 Grad über der international gültigen Referenzperiode der Jahre 1961 bis 1990 (16,2 Grad). Die Sonne schien mit insgesamt 770 Stunden auch deutlich länger als im hessischen Schnitt (586 Stunden).

Das führte in Frankfurt am 25. Juli zu einem hessischen Allzeit-Temperaturrekord von 40,2 Grad. Einen nächtlichen Rekord gab es auch: Vom 25. auf 26. Juli fiel das Thermometer am Flughafen nicht unter 25,7 Grad.

Beim Schutz vor der Sonne beweisen die Hessen Einfallsreichtum.

Extreme Wetterlagen bedrohen Menschen und Wälder

Grund zum Jubeln ist das in Zeiten des Klimawandels aber nicht. Mit der Hitze kamen auch Tiefdruckgebiete mit kräftigen Gewittern, Schauern und Hagel, die für Verwüstung sorgten. Am 12. Juli etwa verursachte ein Tornado bei Wetzlar-Naunheim erhebliche Schäden. Vor knapp zwei Wochen wütete ein heftiges Unwetter im Rhein-Main-Gebiet. 23 Menschen wurden verletzt, es entstand ein Sachschaden in Millionenhöhe.

Angesichts der anhaltenden Trockenheit ist die Situation in hessischen Wäldern laut dem Landesbetrieb Hessenforst dramatisch: Schädlinge setzen den völlig vertrockneten Bäumen zu, die Wasserspeicher sind leer. "Dass sich der Klimawandel so radikal auswirkt, konnten wir uns lange nicht vorstellen", sagte ein Sprecher von Hessenforst. Er geht davon aus, dass beispielsweise im Hessischen Ried ein Drittel der Kiefern tot oder am Absterben ist.

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Dauerhafte Abkühlung in Sicht

Mit dem meteorologischen Herbstbeginn dürfen sich die Hessen und ihre Grünflächen nun aber auf etwas Abkühlung freuen. Nachdem das Thermometer am Samstag noch einmal auf bis zu brutzelige 33 Grad klettert, erwartet hr-Meteorologe Tim Staeger am Sonntag nur noch Höchstwerte von 23 bis 28 Grad.

Ab Montag gehe es dann "spürbar runter", sagt Staeger, "dann kann man die Hochsommerklamotten langsam gegen die Frühherbstkollektion eintauschen". Mit dem Wochenbeginn sinken die Temperaturen noch einmal deutlich auf Höchstwerte von 17 bis 22 Grad, vereinzelt soll es zudem regnen. Mittelfristig, so der Meteorologe, seien Temperaturen von deutlich über 30 Grad damit passé.

Sendung: hr-iNFO, 30.8.2019, 12:20 Uhr