Feldbetten für mögliche Corona-Verdachtsfälle in einer Turnhalle am Frankfurter Flughafen

Noch ist bei keinem Hessen das Coronavirus festgestellt worden. Sozialminister Klose und Gesundheitsexperten schließen eine Pandemie aber nicht aus. Gegen allzu große Furcht führen sie mehr als nur ein Argument ins Feld.

Videobeitrag

Video

zum Video Coronavirus: Wie gut ist Hessen vorbereitet?

hs
Ende des Videobeitrags

Erkrankungsfälle in den Nachbar-Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, Todesfälle in Italien und Frankreich, die Wirtschaft in Hessen bekommt es auch zu spüren: Das neue Coronavirus ist nicht mehr weit entfernt. Gesundheitsexperten und Sozialminister Kai Klose (Grüne) schätzen die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Hessen aktuell aber noch nicht als besorgniserregend ein.

Mit den Chefs des Medizinischen Virologischen Instituts in Frankfurt und des dortigen Kompetenzzentrums für Hochpathogene Infektionserreger (KHPI) trat Klose am Mittwoch im Wiesbadener Landtag vor die Presse, um zur Besonnenheit zu mahnen. Das gilt dem Grünen-Politiker zufolge, obwohl "jederzeit damit zu rechnen ist, dass auch in Hessen Personen positiv getestet werden".

Risiko aktuell "gering bis mäßig"

Auch ein pandemischer Ausbruch könne nicht ausgeschlossen werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Mittwoch, er sehe Deutschland vor einer Corona-Epidemie.

Nach Ansicht von Minister Klose ist Hessen aber gut vorbereitet. Und aktuell sei das Risiko für die Menschen in Hessen laut Robert-Koch-Institut in Berlin noch "gering bis mäßig". Täglich würden Verdachtsfälle in Hessen geprüft, bislang aber stets mit negativem Befund.

Weitere Informationen

Liveblog und FAQ

Wie ist der Stand bei der Ausbreitung des Coronavirus weltweit und in Deutschland? Was hat es mit der Krankheit auf sich und wie wie kann man sich informieren und schützen? tagesschau.de informiert mit einem liveblog und einem FAQ.

Ende der weiteren Informationen

Trotz erhöhter Infektionszahlen andernorts bestehe "kein Grund zur Panik", bekräftigte die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. KHPI-Chef René Gottschalk wies außerdem darauf hin, dass die Krankheit in den allermeisten Fälle mild verlaufe.

Eskalationsplan steht

Der öffentliche Gesundheitsdienst sei rechtzeitig in besondere Bereitschaft versetzt worden, betonte Klose. Mit Gesundheitsämtern, Kliniken und Ärzteschaft stehe man ständig im Austausch. Im Falle einer größeren Ausbreitung könnten Kliniken bis zu zehn Prozent ihrer insgesamt 35.000 Betten zur Behandlung von Isolierpatienten einsetzen - also bis zu 3.500.

Weitere Informationen

Hotline und Online-Info

Wie groß die Sorge vieler Menschen wegen des neuen Virus ist, lässt sich an den Nachfragen bei der vom Sozialministerium eingerichteten Hotline festmachen: Die Zahl der Anrufe ist laut Minister Kai Klose (Grüne) deutlich gestiegen. Unter 0800- 5554666 montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr ist die Hotline erreichbar. Außerdem bietet das Ministerium regelmäßig aktualisierte Infos im Internet.

Ende der weiteren Informationen

Notfalls könnten auch Betten anderer Abteilungen genutzt werden, sagte Gottschalk, der auch Chef des Gesundheitsamtes Frankfurt ist. Ein entsprechender Eskalationsplan für die Stadt regele beispielsweise, wie bei größeren Patientenzahlen die verschiedensten Abteilungen aller 16 Krankenhäuser der Stadt belegt werden könnten.

"Wir lernen täglich dazu"

Auch Schutzkleidung gebe es genug. "Das ist kein Problem", sagte der Professor. Das gilt nach Angaben der Virologin Ciesek auch für Labore und ihre Kapazitäten für Tests. "Da sehe ich keinen Engpass." Bundesärztekammer und Ärztegewerkschaft Marburger Bund hatten vor kurzem die Befürchtung geäußert, die ohnehin oft überlasteten Kliniken könnten bei einer Erkrankungswelle noch mehr überfordert sein.

Die laufenden Vorbereitungen beruhen laut Minister Klose auf dem bestehenden Pandemieplan des Landes. Der wiederum gründe auf den Erfahrungen von Influenza-Wellen und der SARS-Grippe. "Wir lernen aber täglich dazu", sagte Klose zu der neuen Erkrankung.

Notfalls Kitas schließen

Um eine Ausbreitung zu verhindern, greife man derzeit auf die sogenannte Containment-Strategie zurück, berichtete KHPI-Chef Gottschalk. Mögliche Patienten sollen identifiziert, unter Quarantäne gestellt und wenn nötig behandelt werden. Dann beginne die Suche nach möglicherweise angesteckten Kontaktpersonen.

Diese Strategie sei bisher sehr erfolgreich gewesen. Wie in China und Italien ganze Ortschaften oder Städte abzuriegeln, ist nicht vorgesehen. "Das wäre unverhältnismäßig. Dazu verläuft die Krankheit in den meisten Fällen auch zu mild", sagte Gottschalk. Gegebenenfalls könne man bei einer Häufung von Fällen überlegen, größere Veranstaltungen zur Vermeidung von Ansteckungen zu verbieten und Kitas oder Schulen zu schließen.

Viele haben gar kein Fieber

Auch Fieberkontrollen im öffentlichen Raum machten keinen Sinn. Das gelte auch für den Frankfurter Flughafen als internationales Verkehrsdrehkreuz. Denn längst nicht alle Patienten bekommen überhaupt Fieber, manche Infizierte bleiben komplett frei von Symptomen.

Wichtiger sind laut Professorin Ciesek die von der Grippe-Vorbeugung bekannten Hygieneregeln wie in die Armbeuge zu husten oder zu niesen, gründlich die Hände zu waschen und Handeschütteln zu vermeiden. Es habe sich auch gezeigt, dass dem Virus mit handelsüblichen ethanolhaltigen Desinfektionsmitteln gut beizukommen sei.

Direkt in Hessen hat es bisher noch keine Coronavirus-Fälle gegeben. Anfang des Monats wurden zwei Erkrankte an der Uniklinik Frankfurt behandelt. Sie gehörten zu 126 Menschen, die aus der besonders schwer betroffenen chinesischen Region Wuhan nach Frankfurt ausgeflogen worden waren. Außerdem waren unter den Passagieren des vom Coronavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffs "Westerdam" zwei Hessen. Sie blieben in häuslicher Isolation, so lange eine mögliche Ansteckungen nicht auszuschließen war.

Weitere Informationen

Leichte und bedrohliche Verläufe

Die meisten Menschen haben bei einer Infektion mit dem Coronavirus nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich. Manche Verläufe sind aber bedrohlich und tödlich, vor allem wegen Lungenentzündungen. Besonders gefährlich kann die Krankheit Menschen werden, die gesundheitlich schon angeschlagen waren.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 26.02.2020, 19.30 Uhr