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Hessen will Mobilfunknetz ausbauen

99 Prozent der Hessen sind mit schnellem Mobilfunk versorgt. Auf dem Land gibt es dafür teilweise gar keinen Handyempfang. Wie in Frebershausen. Hier wird das Telefonieren zur Sisyphus-Arbeit.

"Wenn wir nicht gerade zu Hause im W-Lan sind, müssen wir einen der höchsten Berge hier im Dorf aufsuchen, um Handyempfang zu bekommen." Das sagt Fabian Albus, der 31-Jährige wohnt in Frebershausen bei Bad Wildungen (Waldeck-Frankenberg).

In dem 155-Seelen-Dorf gibt es keinen Handy-Empfang. Das ist nicht nur für die junge Generation dort sehr nervig, sondern kann auch gefährlich werden: "Gestürzte Radfahrer mussten hier schon extra ins Dorf laufen, um per Festnetz den Notruf abzusetzen. Das ist sehr traurig, weil da geht es um Minuten und um Menschenleben", sagt Albus.

Ein Prozent ohne schnelles Handynetz

Frebershausen gehört damit zu dem einen Prozent der bewohnten Gebiete in Hessen, die von schnellem Mobilfunk bislang nur träumen können. Statt 5G gibt es dort noch nicht mal den Mobilfunk-Mindeststandard 2G. Um das zu ändern, hat die Landesregierung im Jahr 2018 den "Mobilfunkpaket Hessen" und Anfang 2022 den "Zukunftspakt Mobilfunk für Hessen" auf den Weg gebracht. Das Ziel: gemeinsam mit den Netzbetreibern die bestehende Netzqualität zu optimieren und die letzten "weißen Flecken" ohne Mobilfunk zu schließen. Gerade im Nordwesten von Hessen tauchen diese vermehrt auf, wie es die Übersicht des Digitalministeriums zeigt.

Die Karte zeigt, dass es gerade in Nordhessen noch einige weisse Flecken gibt.

Eine Frage der Rentabilität

Bürgermeister Ralf Gutheil (SPD) kennt die Probleme im Bad Wildunger Stadtteil Frebershausen. Auf die Frage, wie es sein könne, dass es im Jahr 2022 noch nicht überall Handyempfang gibt, antwortet er: "Das ist ein klares Marktversagen. Für die Anbieter ist es nicht attraktiv genug, kleine Stadtteile entsprechend auszustatten."

Heißt: Für die großen Mobilfunkanbieter, wie die Telekom oder O2, ist es an diesen Stellen einfach nicht rentabel genug, einen Mobilfunkmast aufzustellen, weil es schlichtweg zu wenige Abnehmer gibt. Mit eigenen Mitteln den Ausbau voranzutreiben, ist ein schwieriges Vorhaben: "Den Bürgermeistern sind da ziemlich die Hände gebunden. Wenn es keine Förderprogramme gibt, die das abdecken, dann haben wir da keine Chance."

Doch genau solche Förderprogramme gibt es: Die Hessische Landesregierung hat mit dem Mobilfunkförderprogramm von 2018 schon 50 Millionen Euro investiert. Bislang angekommen sei davon in Frebershausen aber "wenig", sagt Bürgermeister Gutheil. "Egal welches Förderprogramm aufgelegt wurde - darauf haben wir uns natürlich beworben - es wurden Messungen durchgeführt und es wurden viele Versprechungen gemacht, aber bisher zum Zuge gekommen sind wir nicht."

"Hessen ist auf der Überholspur"

Keinen oder nur schlechten Empfang zu haben, ist ein Problem, das wohl jeder kennt - auch außerhalb von Frebershausen. Hessen Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) ist diese Unterversorgung, gerade im ländlichen Gebiet, bekannt. Sie ist nach eigener Aussage aber überzeugt von den Förderprogrammen: "Wir sind intensiv dabei, mit einer hohen Dynamik, das Netz in Hessen auszubauen." Dabei zitiert sie die Aussage eines Telekommunikationsanbieters: "Hessen ist auf der Überholspur."

Das lässt sich mit Zahlen belegen: Laut "Zukunftspaket Mobilfunk Hessen" wurden seit Beginn der Förderprogramme im Herbst 2018 "pro Tag 5 LTE-Standorte von den Mobilfunknetzbetreibern neu errichtet oder modernisiert". Das sind 5.500 Maßnahmen.

Das liest sich erstmal beeindruckend, allerdings gab es genau an diesem Punkt in der Vergangenheit immer wieder Kritik von Seiten der Opposition: "Im Rahmen des Pakts ist es zur Modernisierung einiger Masten gekommen, von diesen ist aber nur ein kleinerer Teil wirklich neu errichtet", sagte Bijan Kaffenberger, Sprecher für Digitales in der SPD, im Februar im Landtag. Außerdem seien bereits zugesagte Masten wieder abgeplant worden, und das "obwohl wir den Menschen vor Ort schon besseren Empfang versprochen hatten", so Kaffenberger.

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Bijan Kaffenberger (SPD): "Wir brauchen beim Mobilfunk-Ausbau klare Regeln"

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Große Ziele bis 2024

In den kommenden Jahren soll der Netzausbau mit hohem Tempo voranschreiten. Bis Ende 2024 plant die Landesregierung nach eigenen Angaben 4.000 Standortmaßnahmen zur Verbesserung der Netze.

Gerade die ländlichen Gebiete sollen gestärkt werden. Digitalministerin Sinemus berichtet etwa von Absichtserklärungen zum Bau von vier Mobilfunkmasten in den Kreisen Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg. Damit solle "die Anschlussfähigkeit des ländlichen Raums" gestärkt werden.

Eine gute Nachricht für Frebershausen, denn die neuen Masten könnten Netz in den Ort bringen. Bis die Masten stehen, wird Fabian Albus ganz nach dem Vorbild von Sisyphus aber noch ein paar Mal den Berg erklimmen müssen, um Empfang zu bekommen. Denn "in der Regel dauert das Bauen, also bis ein neuer Mobilfunkmast steht, zwischen 18 und 24 Monaten", so Sinemus.