Ein Rothirsch auf der Suche nach einer Partnerin (Archivbild).
Ein Rothirsch auf der Suche nach einer Partnerin (Archivbild). Bild © picture-alliance/dpa

Die "Könige der Wälder" treiben es fast nur noch im eigenen Revier. Das wird für die Rotwild-Population in Hessen zum Problem - sie droht genetisch zu verarmen. Die Ursache dafür sehen Biologen auf Hessens Straßen.

Videobeitrag
hs160319

Video

zum Video Hessisches Rotwild verarmt genetisch

Ende des Videobeitrags

20 Rotwildgebiete gibt es in Hessen – und nur noch vier genetische Pools. Zu diesem Ergebnis kommt der Wildbiologe Gerald Reiner von der Universität Gießen. Über 1.300 Gewebeproben hat Reiner für seine Studie untersucht. Die Frage dahinter: Welchen Einfluss hat die Zergliederung der Lebensräume auf die Tiere und deren Erbmaterial? Seine Erkenntnisse bezeichnet der Veterinärmediziner als alarmierend.

Erster Hirsch mit Missbildung in Hessen

Bei einem im Jahr 2018 erlegten Tier erkannten Jäger einen stark verkürzten Unterkiefer –  ein deutliches Merkmal für Inzucht. Doch der hessische Landesjagdverband erklärt, dass dies lediglich die sichtbaren Anzeichen seien.

Der stark verkürzte Unterkiefer dieses Hirschs spricht für Inzucht.
Der stark verkürzte Unterkiefer dieses Hirschs spricht für Inzucht. Bild © Arnold Weiss

Darüber hinaus belaste die genetische Verarmung vor allem die Fitness der Tiere. Für eine gesunde Fortpflanzung müssten Hirsche auch in andere Rotwildgebiete ziehen können. Eine ausreichende Wanderung bei der starken Bebauung sei in Hessen jedoch kaum möglich.

Landesjagdverband fordert Grünbrücken für 100 Millionen Euro

Eine mögliche Lösung für das Problem: mehr Grünbrücken über Autobahnen. Acht solcher Überführungen gibt es derzeit in Hessen schon. Der Landesjagdverband fordert mindestens zwölf weitere. Kosten: rund 100 Millionen Euro.

Dank dieser Wildbrücke auf der A7 bei Hünfeld können Hirsche in anderen Gebieten wildern.
Dank dieser Wildbrücke auf der A7 bei Hünfeld können Hirsche in anderen Gebieten wildern. Bild © Isabell Stephan

Die bestehende Grünbrücke über der A 7 bei Hünfeld (Fulda) zeigt, dass das Konzept aufgeht. Wildkameras dokumentieren die Wanderung verschiedenster Wildtiere: Hirschkühe, Wildschweine, Füchse. Für Jäger und Veterinärmediziner sind weitere Überquerungsmöglichkeiten die einzige Möglichkeit, um getrennte Lebensräume wieder zu vereinen und die genetische Verkrüppelung des "Königs der Wälder" zu stoppen.

Hufspuren auf der Wildbrücke bei Hünfeld.
Hufspuren auf der Wildbrücke bei Hünfeld. Bild © Isabell Stephan