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zum Video Polizeifliegerstaffel Egelsbach probt den Ernstfall

hs

Wenn Verletzte aus unwegsamem Gelände geborgen werden müssen, rückt die Polizeifliegerstaffel Egelsbach an. Nicht selten müssen die Helfer vom Hubschrauber abgeseilt werden. Damit das gut klappt, haben die Polizeiflieger jetzt gemeinsam mit der Bergwacht in Bad Wildungen trainiert.

Flugplatz Egelsbach, Samstag 8 Uhr. Erste zaghafte Sonnenstrahlen in der noch kühlen Morgendämmerung. Auf der Wache der Polizeifliegerstaffel geht ein Notruf der Bergwacht ein. Eine Wanderin ist in der Nähe von Bad Wildungen gestürzt, sie kann nicht mehr laufen und liegt auf einem Felsvorspung in den Bilsteinklippen – zu erreichen nur mit dem Hubschrauber. Die Polizeiflieger machen sich auf den Weg. Was an diesem Tag nur eine Übung ist, könnte so genau stattfinden.

Polizeifliegerstaffel Egelsbach für ganz Hessen zuständig

Für die Rettung aus der Luft ist in Hessen die Polizeifliegerstaffel Egelsbach zuständig. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche sind die Polizisten im Einsatz. Sie decken ganz Hessen ab und unterstützen auch die Nachbarländer. Um jederzeit fit zu sein für den nächsten Rettungseinsatz, trainieren die Polizeiflieger regelmäßig  gemeinsam mit der Bergwacht Hessen das Auf- und Abseilen mit der Rettungswinde in anspruchsvollem Gelände. Von Donnerstag bis Sonntag übten sie in Bad Wildungen zum ersten Mal auch eine Ernstfallübung in Echtzeit.

"Das Gelände oder die Wetterbedingungen können sehr schwierig sein. Darauf müssen sich die Piloten und Besatzung einstellen können", sagt Ausbilder Klaus Boida. Ganz wichtig: Es muss immer ganz schnell gehen. Bad Wildungen liegt rund 150 Kilometer entfernt vom südhessischen Egelsbach. Die Polizisten fahren den Hubschrauber aus dem Hangar, betanken ihn mit der errechneten Spritmenge und machen ihn startklar. Schon hebt er ab und fliegt in Richtung Nordhessen, mit etwa 200 Kilometern pro Stunde.

Hubschrauber-Crew und Bergwacht sind ein Team

An Bord sind neben Ausbilder Klaus Boida auch der Pilot Tobias Schmidt, Co-Pilot Marcello Ulrich und Timo Werner. Werner ist heute der sogenannte Operator und wird die Rettungswinde über der Seitentür bedienen.

40 Minuten später, genau nach Zeitplan, trifft der Hubschrauber am Treffpunkt ein – auf einem Acker südwestlich von Bad Wildungen. Die drei Kollegen von der Bergwacht warten schon. Nach einer kurzen Lagebesprechung kommen sie an Bord.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bereit für den Notfall - Bergretter und Polizeiflieger üben gemeinsam

Übung einer Höhenrettung mit der Polizeihubschrauberstaffel Hessen
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Pilot Schmidt steuert den Hubschrauber direkt zu den bei Wanderern beliebten Bilsteinklippen. Die Bergwacht kennt die genauen Koordinaten der Verletzten. Ausbilder Boida bleibt am Boden und verfolgt den Hubschrauber mit dem Auto. Er will sehen, ob sein Team die Verletzte schnell findet.

"Entscheidend ist bei dieser Übung, wie die Besatzung zusammen agiert. Hier geht es insbesondere um die Kommunikation zwischen dem Piloten und dem Operator", erklärt Boida. Operator, so heißt der Polizist oder die Polizistin im hinteren Teil des Hubschraubers. Bedient wird von dort die Rettungswinde. Sie ist außen über der Tür angebracht.

Der Hubschrauber könnte kippen

Auf bis zu 20 Meter kann der Hubschrauber an die Verletzte heranfliegen – Landen ist hier auf den Klippen unmöglich. Ausbilder Boida verfolgt das Geschehen vom Boden aus, 300 Meter unter der Einsatzstelle: "Wir sehen jetzt die Maschine, wie sie die Vorbereitung abschließt und gleich die ersten Retter absetzen wird. Ich denke, sie werden 10 bis 15 Meter über der Plattform schweben." Die verletzte Frau liegt aber fünf Meter tiefer, deswegen brauchen die Männer eine Seillänge von etwa 20 Metern.

Pilot Schmidt fliegt über die Verletzte. Windenoperator Timo Werner lässt langsam das Stahlseil mit den beiden Bergrettern ab. Sie landen direkt neben der Verletzten. Der gefährlichste Teil der Übung steht jetzt bevor. Während die Bergretter die Verletzte versorgen und in den Rettungssack verpacken, erklärt Boida, was gleich passiert: "Der Felsvorsprung ist so steil, dass die Bergwachtkameraden sich und den Bergesack gegen das Abrutschen sichern müssen."

In dem Moment, in dem das Seil für den Bergesack eingeknickt wird, ist die Maschine für einen kurzen Moment über die Bergwachtleute, die ja auch mit dem Boden verbunden sind, quasi gefesselt. In der Situation muss der Windenoperator sehr aufmerksam sein. "Er muss aufpassen, dass sich das Bergeseil nicht spannt. Sonst könnte der Hubschrauber zur Seite wegkippen und der Pilot die Kontrolle verlieren", erklärt Boida.

"Gogogo"

Jetzt kommt's drauf an: Pilot, Operator und Bergretter müssen perfekt zusammenarbeiten. Höchste Konzentration bei allen Beteiligten. "Vor Vier – Drei – Zwei – Eins – Straffes Seil – Bereit machen zum Abheben – Du hast abgehoben – Powercheck – Gogogo", ruft der Operator dem Piloten zu.
 
Dann Aufatmen. Alles ist unter Kontrolle. Der Hubschrauber bringt die Verletzte im Rettungssack und ihre Bergretter wieder sicher auf den Boden zurück. Ausbilder Boida ist zufrieden: "Der Windenvorgang war wirklich ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen dem Luftretter, dem Windenbediener und dem Piloten."

Und auch Pilot Schmidt ist erleichtert: "Es hat alles wunderbar geklappt. Wir konnten der Person helfen, sie zügig retten, und haben alle sicher zu Boden gebracht. Ich bin rundum zufrieden mit der Übung."

Auf dass der nächste Ernstfall ein ähnlich glückliches Ende haben wird.
 

Sendung: hr-fernsehen hessenschau,, 22.09.2019, 19.30 Uhr