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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Land will den Wald mit millionenschweren Investitionen retten

Tote Bäume in einem Wald in Sachsen im August 2019

Der Klimawandel setzt den hessischen Wäldern heftig zu: Noch nie zuvor ging es den Bäumen so schlecht. Das zeigt der aktuelle Waldzustandsbericht. Mit millionenschweren Investitionen will das Land gegensteuern.

In weiten Teilen Hessens ist der Zustand des Waldes so schlecht wie nie zuvor. Das teilte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Freitag bei der Präsentation des Waldzustandsberichts in Wiesbaden mit. "An vielen Orten in unserem Land sieht man abgestorbene Waldflächen, wo einst geschlossene Wälder standen." Die Kronenverlichtung, die ein wichtiger Indikator für den Gesundheitszustand der Bäume ist, habe in diesem Jahr noch einmal zugenommen.

Auch die Absterberate und der Anteil starker Schäden würden die höchsten Werte seit Beginn der Zeitreihe aufweisen. Unter allen Baumarten hat es die Fichten besonders stark getroffen: Etwa 50 Prozent sind entweder schon tot oder werden als Schadholz eingestuft.

Millionen für neue Bäume und mehr Förster

Der Wald sei ein Opfer des Klimawandels, erklärte die Grünen-Politikerin, aber er sei auch von großer Bedeutung für den Klimaschutz. Im vergangenen Jahr habe das Land bereits einen Zwölf-Punkte-Plan für den Wald der Zukunft auf den Weg gebracht. "Nun gehen wir noch einen Schritt weiter und werden mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket den Waldschutz noch weiter intensivieren."

Da die Beseitigung von Waldschäden, Wiederbewaldung und Waldumbau viel Geld koste und die Corona-Pandemie zu einem Zusammenbruch der Auslandsnachfrage auf dem Holzmarkt geführt habe, verschärfe sich die prekäre Situation der Waldbesitzer weiter, sagte Hinz. Die Landesregierung will die geplanten Investitionen deshalb noch einmal aufstocken und laut Hinz bis 2023 über 250 Millionen Euro für die Wälder zur Verfügung stellen, unter anderem aus dem Corona-Sondervermögen.

Beim Landesbetrieb Hessen-Forst soll der Personalabbau gestoppt werden: Bis 2025 sollen 220 Stellen mehr zur Verfügung stehen, als ursprünglich geplant waren. Alle Forstämter sollen erhalten bleiben. Außerdem soll die Wiederbewaldung von kahlen Flächen gezielter gefördert werden. Davon sollen laut Ministerium vor allem Besitzer kleinerer Waldstücke profitieren.

Zwölf-Punkte-Plan in der Umsetzung

Bereits im vergangen Jahr hatte die Landesregierung ein Maßnahmenpaket zum Schutz und Erhalt der Wälder vorgestellt. So sollen zum Beispiel für die Beseitigung von Waldschäden und die Aufforstung bis zum Jahr 2023 rund 50 Millionen Euro von Bund und Land zur Verfügung stehen. Alle Punkte dieses 12-Punkte-Plans seien bereits in der Umsetzung, so Hinz.

"Für den Staatswald wurde ein fundiertes Wiederbewaldungskonzept erarbeitet, an dem sich die Arbeit der Försterinnen und Förster nun orientiert", erklärte Hinz. Ergänzend entstünden Klimarisikokarten, die helfen sollen die richtige Baumart für den entsprechenden Standort zu wählen.

Weitere Punkte des Maßnahmenpaketes sind zum Beispiel eine Förderung für Waldbesitzer bei der Gründung von Holzvermarktungsorganisationen und die Ausweitung der Jagdsaison für Schalenwild wie Rot- und Rehwild. Dadurch sollen frisch aufgeforstete Flächen besser vor Wildschäden geschützt werden.

BUND fordert mehr Tempo

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Hessen mahnte wegen der Entwicklung deutlich mehr Tempo bei der Energiewende und Schutzmaßnahmen für alte Wälder an. Die Klimaerhitzung sei die Ursache der viel zu geringen Niederschläge in der Vegetationsperiode und deshalb auch die Ursache des großflächigen Waldsterbens in Hessen, erklärte der BUND-Landesvorsitzende Jörg Nitsch. Die wichtigste Maßnahme zum Schutz der Wälder sei deshalb eine deutliche Tempobeschleunigung bei der Energiewende, innovative Ideen für die Verkehrswende und die Erhaltung alter, geschlossener Wälder.

Der hessische Waldbesitzerverband begrüßte zwar grundsätzlich die finanzielle Unterstützung des Landes für die Forstwirtschaft und die Mittel für Hessen-Forst. Es sei jedoch vollkommen unverständlich und ohne jede sachliche Begründung, dass alle waldbesitzenden Kommunen und privaten Waldeigentümer, die ihren Wald selbst bewirtschaften oder andere Dienstleister damit beauftragt haben, dabei leer ausgingen.

Sendung: hr-iNFO, 6.11.2020, 12.30 Uhr