Das Foto zeigt Fulda bei Nacht mit dem Logo des Hessentages 2021 und einem Stempel mit den Worten "Fällt aus!".

Der Ausfall des Hessentags wird in Fulda bedauert. Gelohnt hat sich das Projekt für die Stadt trotzdem. Denn es flossen Millionen an Fördergeldern - und weitere Unterstützung ist in Sicht.

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Es war ein Wechselbad der Gefühle: Erst herrschte große Freude in Fulda über die Ausrichtung des Hessentags 2021, dann folgte Unbehagen aufgrund der unberechenbaren Corona-Pandemie und nun bleibt traurige Gewissheit: Das traditionelle Landesfest, ausgerechnet das 60., wird in diesem Sommer nicht stattfinden.

Wegen des weiter stark grassierenden Virus wurde die Veranstaltung - geplant für den 21. bis 30. Mai - abgesagt. Noch nicht mal die Planungen für eine abgespeckte Version können nun umgesetzt werden. Stadt und Land sahen sich dazu gezwungen, einen Schlussstrich unter die ganzen Unwägbarkeiten und möglichen Szenarien zu ziehen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Reaktionen auf Absage des Hessentags in Fulda

Der Fuldaer Dom
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Denn: Fulda ist aktuell Corona-Hotspot in Hessen, weist das heftigste Infektionsgeschehen mit den höchsten Inzidenzwerten im Land auf. Zudem kann noch niemand abschätzen, welche Auswirkungen die noch ansteckenderen Virusmutationen haben, die in Deutschland bereits nachgewiesen wurden, zuletzt auch in Hessen.

"Viel Energie und Herzblut reingesteckt"

Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) war die Enttäuschung deutlich anzumerken: "Wir haben sehr viel Energie und Herzblut reingesteckt, auch in Zeiten der Pandemie. Aber der Gesundheitsschutz geht vor. Eine Großveranstaltung mit hunderttausenden Besuchern auszurichten, wäre nicht möglich gewesen. Aber wir freuen uns, voraussichtlich im Jahr 2026 Gastgeber sein zu dürfen. Dann für einen richtig großen Hessentag."

Fuldaer Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld

Auch wenn der Hessentag zunächst gar nicht stattfindet, profitiert die Stadt dennoch beträchtlich. OB Wingenfeld sprach von "positiven Auswirkungen", man könnte auch lukrativ sagen: Dank der Fördermittel des Landes von bis zu 6,5 Millionen Euro könne man eine Reihe wichtiger Projekte für die Stadtentwicklung realisieren.

Dazu gehören die Radbrücke und die Radwege in der Fulda-Aue, die Erweiterung der Tourist-Information, die Sanierung des Wegesystems im Schlossgarten sowie des Stadions und die Entwicklung des Kulturhofs. "Von diesen und weiteren Projekten werden die Bürgerinnen und Bürger langfristig profitieren", sagte Wingenfeld.

Bis zu zwei Millionen Defizit-Unterstützung

Kurzfristig könnte aber erstmal Ungemach drohen, Zahlungen fällig werden für Vereinbarungen und Verträge. Das Land Hessen kündigte aber bereits Unterstützung an. Im Falle eines möglicherweise auftretenden Defizits durch die mit der Absage verbundenen, unabwendbaren Kosten der Stadt beteilige sich das Land. Hierfür werden bis zu zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt, wie Staatsminister Axel Wintermeyer (CDU) versprach.

Die Stadt berichtete auf Anfrage, dass man damit auskommen werde. Die Kosten seien nicht so hoch. In geschlossenen Verträgen sei eine Art Corona-Klausel zur Absicherung vereinbart worden, erklärte eine Sprecherin.

Erneutes "Förderszenario" im Blick

Der Vorsitzende des Fuldaer Hessentagsbeirats, Hans-Dieter Alt, begrüßte es, dass sich das Land an einem möglichen Defizit beteiligt. Zudem werde die Möglichkeit geschaffen, Fulda mit einem einem "erneuten Förderszenario" zu unterstützen. Somit dürfte für die Barockstadt zweimal die Kasse klingeln. Auch wenn das Jahr 2026 für Fulda reserviert ist - die Stadt muss sich für diese Ausrichtung nochmal bewerben. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda befand, dass Stadt und Land auch mit Blick auf die Fördermittel "das Beste aus der aktuell schwierigen Situation gemacht" hätten.

Ein herber Schlag bleibt die Absage aber für Handel, Hotelerie und Gastronomie. Sie alle bekommen nicht mehr Kunden und Gäste. Gerade nach dem neuen Lockdown wäre eine Frischzellenkur heilsam gewesen. OB Wingenfeld versprach deswegen: "Es bleibt für die Stadt Fulda ein besonderes Anliegen, diese nach Kräften zu unterstützen und für die Zeit nach der Entspannung des Pandemiegeschehens kreative Ideen zu entwickeln, um die Innenstadt neu zu beleben und den Gemeinschaftssinn zu stärken." Die IHK forderte Unterstützung für die heruntergefahrenen Branchen der regionalen Wirtschaft.

Hessentags-Paar traurig: "Geht uns nahe"

Trübe Stimmung herrscht auch beim Hessentagspaar. Vera Vogt und Max Dudyka wollten die Stadt als Botschafter vertreten. Daraus wird nun nichts: Die Absage sei ein harter Schlag gewesen, sagte Vogt. "Das geht uns auch wirklich sehr nahe." Aber es sei unumgänglich. Das Paar hofft, bei kommenden Hessentagen mal reinschnuppern zu können und auf Einladungen von Ausrichterstädten.

Das Fuldaer Hessenags-Paar Vera Vogt und und Max Dudyka

Nächste Gastgeber-Stadt des Hessentags soll 2022 Haiger (Lahn-Dill) sein. Bad Vilbel, wo bereits pandemiebedingt das Landesfest 2020 ausfiel, soll im Jahr 2025 zum Zuge kommen.

Gefeiert wurde der bislang letzte Hessentag im Jahr 2019 in Bad Hersfeld. Dort hatte das zehntägige Landesfest knapp zehn Millionen Euro gekostet und ein Defizit von rund 2,3 Millionen Euro bei der Festspielstadt im Kreis Hersfeld-Rotenburg hinterlassen.

Lieber abgespecktes Programm statt Mega-Event

Mit Blick auf die Finanzen und das Streben nach Superlativen mahnte der Landtagsabgeordnete Jürgen Lenders (FDP) aus Fulda: "Ein Hessentag sollte ein Fest sein, das das Landestypische hervorhebt - und kein Mega-Event." Deswegen habe ihn das abgespeckte Konzept ohne Konzerte von internationalen Superstars überzeugt.

Für die Zukunft möge man Hessentage planen, "die wieder mehr mit Hessen zu tun haben". Fulda wollte es - auch aus der Corona-Not geboren - versuchen. Hier lautete das Hessentags-Motto in Mundart: "Foll Hessisch". Dass es in diesem Sommer nichts wird, findet Lenders "Foll schade".

Sendung: hr3, 14.01.2021, 15.30 Uhr