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Der Süden ist Hessens Waldbrand-Hotspot

Auch im Rekordjahr gehen die mit Abstand meisten Waldbrände in Hessen auf das Konto des Rhein-Main-Gebiets und von Südhessen. Das hat Gründe. Die Feuerwehr reagiert bereits.

Noch nie hat es in Hessens Wäldern so oft gebrannt wie in diesem Jahr. Eine Region hat sich dabei fast schon traditionell als besonders feurig hervorgetan. Bis zu 80 Prozent der bislang rund 260 Waldbrände sind im Regierungsbezirk Darmstadt ausgebrochen. Darunter auch der verheerendste Brand in diesem Jahr in Münster, der tausende Einsatzkräfte knapp eine Woche lang beschäftigt hat.

Der Regierungsbezirk erstreckt sich von der Wetterau im Norden bis ganz in den Süden, umfasst also das Rhein-Main-Gebiet und ganz Südhessen. Bereits in den vergangenen Jahren lag die Region in den Waldbrand-Statistiken weit vor den Regierungsbezirken Kassel und Gießen.

2018 lagen 61 Prozent der 139 Waldbrände auf dem Darmstädter Bezirk, wie das Umweltministerium mitteilte. Ein Jahr später waren es 68 Prozent von 84 Bränden, 2020 sogar 71 Prozent von 102 Bränden.

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Die Zahlen für dieses Jahr seien zwar noch nicht vollständig ausgewertet, sagte eine Sprecherin des Ministeriums: "Allerdings lässt sich bereits jetzt feststellen, dass ein deutlicher Waldbrandschwerpunkt in diesem Jahr wieder im Bereich des Regierungsbezirks Darmstadt liegt." Zwischen 70 und 80 Prozent seien es gewesen.

Sandig, heiß und trocken

Dass es gerade in Südhessen und dem Rhein-Main-Gebiet so häufig brennt, hat natürlich Gründe. Die Rhein-Main-Ebene ist laut Umweltministerium "eine von Wärme und Niederschlagsarmut geprägte Region". Will heißen: Hier war es - besonders auch in diesem Sommer - heißer und trockener als anderswo in Hessen.

Die Untermainebene und die Oberrheinebene, die große Teile des Regierungsbezirks ausmachen, sind nach Angaben des Naturschutzbundes Hessen (NABU) schon vor den Dürrejahren stärker gefährdet gewesen als andere Regionen. Durch den großen Anteil an Sandböden, die das Wasser schlechter halten, neigten die genannten Ebenen grundsätzlich zu Trockenheit.

"Kiefern brennen leichter als Laubwälder"

"Das Absterben einzelner Bäume führte hier oft zur Vergrasung, und das trockene Gras fördert die Ausbreitung von Bränden", sagte NABU-Geschäftsführer Mark Harthun dem hr. Hinzu komme die Grundwasserproblematik, die zusätzlich Trockenschäden verursacht habe. Ein weiterer Risikofaktor sei der hohe Anteil an Kiefern in den Wäldern. "Kiefern brennen sehr viel leichter als Laubwälder", erklärte Harthun.

Am stabilsten gegen Waldbrände seien Laubwälder. Diese sollten möglichst geschlossen bleiben, damit sie ihr feuchtes Innenklima halten können und nicht so schnell austrocknen. Die derzeitige Praxis in der Forstwirtschaft, kranke Bäume zu entnehmen, ist nach Ansicht Harthuns kontraproduktiv: "So werden die Lücken für weitere Austrocknung geschaffen und die Waldbrandgefahr erhöht."

Der Mensch ist die größte Gefahr

Der größte Risikofaktor ist und bleibt aber der Mensch. Über 90 Prozent aller Waldbrände in Deutschland werden durch den Menschen verursacht, etwa durch eine weggeworfene Zigarette. Und an Menschen mangelt es gerade im Rhein-Main-Gebiet und Südhessen nicht, hier ist die Bevölkerungsdichte am höchsten im ganzen Bundesland.

Feuerwehr stellt sich auf Waldbrände ein

Südhessen und das Rhein-Main-Gebiet werden deswegen und angesichts des Klimawandels auch in Zukunft mit Waldbränden zu kämpfen haben. Die Feuerwehr in Dieburg stellt sich bereits darauf ein. Nach den Erfahrungen beim großen Waldbrand im nahegelegenen Münster hat die Stadt beschlossen, 100.000 Euro für die Freiwillige Feuerwehr bereitzustellen.

Davon wird vor allem leichte Einsatzkleidung gekauft, die die Einsatzkräfte bei sommerlichen Temperaturen jenseits der 35 Grad weniger belasten soll. Beim Brand in Münster gab es im August mehrere verletzte Feuerwehrleute, viele von ihnen hatten Kreislaufprobleme aufgrund der großen Hitze.

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