Mann in Handschellen

Er hatte den entscheidenden Hinweis gegeben, jetzt wird er selbst angeklagt: In einem bizarren Mordfall ohne Leiche hat die Polizei einen zweiten Verdächtigen festgenommen und Anklage erhoben. Seit mehr als vier Jahren wird das mutmaßliche Opfer vermisst.

Ein Mordfall ohne Leiche wird immer bizarrer: Ein 44-jähriger Mann aus dem Main-Kinzig-Kreis ist nun als zweiter Tatverdächtiger verhaftet worden. Er soll zusammen mit einem 40-Jährigen aus dem Main-Taunus-Kreis einen gemeinsamen Bekannten in Hungen (Gießen) erschossen haben.

Der aus Hanau stammende 39-Jährige, Daniel Mattysek, wird bereits seit dem 17. November 2016 vermisst. Die Ermittler gehen davon aus, dass er an diesem Tag von den beiden Angeklagten entführt und ermordet wurde. Die Staatsanwaltschaft Gießen wirft ihnen Mord und erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge vor.

Angeklagter gab selbst entscheidenden Hinweis

Neben der Tatsache, dass von der Leiche weiterhin jede Spur fehlt, ist das Besondere an dem Fall: Der nun verhaftete 44-Jährige war ursprünglich der wichtigste Hinweisgeber für die Ermittler. Er hatte Mitte Mai 2020 der Polizei gesagt, dass das mutmaßliche Opfer von einem gemeinsamen Bekannten auf einem Anwesen in Hungen getötet worden sei.

Daniel Matysik

Daraufhin durchsuchte die Polizei den angegebenen Tatort und mehrere Wohnungen - auch die des Hinweisgebers. Die Ermittler stellten Kleidungsstücke und diverse Speichermedien sicher. Im September wurde daraufhin zunächst nur der 40-Jährige verhaftet. Nach einer umfangreichen Untersuchung und Zeugenbefragung geht die Staatsanwaltschaft nun aber davon aus, dass der Hinweisgeber selbst Mittäter war.

Umfangreicher Prozess

Laut Staatsanwaltschaft Gießen soll es den beiden Männern um Lösegeld gegangen sein. Eine entsprechende Forderung habe es aber nie gegeben. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Leiche an einen unbekannten Ort gebracht wurde. Weil sie trotz intensiver Suchmaßnahmen bis heute nicht gefunden wurde, nimmt die Kriminalpolizei in Gießen weiterhin Hinweise entgegen.

Wann der Mordprozess beginnen wird, steht noch nicht fest. Es wird wohl ein sehr umfangreiches Verfahren werden: Die Anklageschrift umfasst 90 Seiten, es sollen 75 Zeugen und sieben Sachverständige gehört werden.

Sendung: hr4 - die hessenschau für Mittelhessen, 12.01.2020, 12.30 Uhr