Ein symbolisches Schild, welches das Thema Wasserknappheit illustrieren soll.
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Das warme und trockene Wetter bedeutet für viele hessische Städte vor allem eines: Probleme bei der Trinkwasserversorgung. Vielerorts wird das Wasser knapp. Teilweise ist bereits die Feuerwehr im Einsatz und warnt vor den Gefahren.

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Temperaturen um die 30 Grad und ein strahlend blauer Himmel: Für viele ist es das perfekte Wetter für die hessischen Sommerferien. Doch die Probleme des heißen und trockenen Wetters machen sich vor allem beim Wasserverbrauch bemerkbar. Der ist in vielen hessischen Regionen in den vergangenen Tagen ordentlich angestiegen.

Das liegt vor allem dadran, dass die Menschen häufiger duschen gehen und mehr Wasser für den Garten benutzen. Außerdem sind die Grundwasserbestände in Folge des Dürresommers 2018 gesunken und haben sich über den Winter kaum wieder aufgefüllt. Nach Angaben des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) lagen die Grundwasserstände Ende Mai bei knapp der Hälfte der Messstellen auf unterdurchschnittlichem Niveau.

Verbrauch ist enorm gestiegen

In vielen Gebieten Hessens sind die Wasserreserven jetzt so knapp, dass die Bürger gewarnt werden. An einigen Wasserspeichern sind die Tagesspitzenwerte vom vergangenen Jahr schon übertroffen worden. So auch in Kelkheim im Taunus (Rhein-Main), wo seit zwei Tagen die Feuerwehr durch die Straßen fährt. Sie ermahnt die Bürger auf ihren Wasserverbrauch zu achten. Am vergangenen Wochenende sei der Verbrauch besonders gestiegen. "Der Wasserverbrauch ist innerhalb einer Woche um 60 Prozent gestiegen für die gesamte Stadt", sagt Stadtrat Stefan Thalheimer.

Der normale Wasserverbrauch in Kelkheim liegt bei etwas mehr als 3.000 Kubikmetern pro Tag. Zum Vergleich: Am Sonntag waren es mehr als 5.000 Kubikmeter - 60 Prozent mehr als gewöhnlich. Schon am Montag konnte der Zulauf der Stadt den Tagesbedarf nicht mehr decken. Die Stadt lebte von den Reserven.

Eigenen Wasserverbrauch überdenken

"Das ist ein Zustand, der ist nicht haltbar", sagt Thalheimer. Deshalb rät der Stadtrat in Kelkheim im Taunus nun: Wasser sparen. "Die, die das meiste Wasser verbrauchen, sind Gartenbesitzer." Auf langes Bewässern von Rasenflächen oder Befüllen von Pools sei deshalb zu verzichten.

Ausgerufen ist der Notstand in Kelkheim noch nicht. Damit es dazu auch nicht kommt, warnt die Stadt die Bürger vor - mit Lautsprecherdurchsagen und Flugblättern. Die meisten Bürger sind offenbar bereit, ihren Wasserverbrauch zu senken. Das zeigt erste Wirkungen. Nach Angaben der Stadt konnte der Wasserverbrauch schon etwas reduziert werden.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert alle Bürger auf, Wasser zu sparen. Verbraucher sollten abwägen, ob der Wasserverbrauch im Einzelfall wirklich erforderlich sei, etwa bei der Gartenbewässerung.

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Ein Feuerwehrmann richtet eine Notleitung für Trinkwasser in Kelkheim ein.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Städte fordern Bürger zu weniger Wasserverbrauch auf

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Viele hessische Städte sind betroffen

Doch auch andere hessische Kommunen haben Probleme mit dem Wasser, zum Beispiel Geisenheim (Südhessen) und Dornburg (Mittelhessen). In Mühltal-Frankenhausen (Südhessen) wird seit Montag (1. Juli) bereits das Wasser im Tankwagen ausgeliefert.

Der Wasserversorgungsverband Hessenwasser berichtet derweil von einem neuen Rekord beim Wasserverbrauch in der Rhein-Main-Region. Mit einem Wert von 426.312 Kubikmetern wurde am vergangenen Mittwoch (26. Juni) ein neuer Höchstwert aufgestellt. "Sowohl für die Trinkwassergewinnung als auch für die Trinkwasserverteilung bedeuten solche Spitzenwerte eine enorme Herausforderung", sagt Nicole Staude, Bereichsleiterin Technik bei Hessenwasser. Hessenwasser versorgt Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt sowie rund 50 weitere Kommunen in Rhein-Main mit Trinkwasser.

Probleme nehmen nicht ab

Die Grundwasserverfügbarkeit bei Hessenwasser wird derzeit noch als unkritisch eingeschätzt. Dank der Wasserwerke im Hessischen Ried und im Frankfurter Stadtwald sei genügend Wasser vorhanden. Doch, wenn es weiter so heiß bleibt, könnte es zu Problemen im Rhein-Main-Gebiet kommen. "Wir werden weitere Projekte auch in Abstimmung mit den Kommunen rasch voranbringen müssen", sagt Staude.

Wasser aus Bächen zu entnehmen ist hingegen keine Alternative. Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt hat an die Bürger von Wiesbaden sowie den Landkreisen Main-Taunus, Rheingau-Taunus und Hochtaunus appelliert, wegen der anhaltenden Trockenheit vorerst kein Wasser aus Bächen zu entnehmen. "Lediglich im Einzugsgebiet der Wisper darf noch zulassungsfrei Wasser entnommen werden", teilte das RP mit. Wer eine Zulassung zur Entnahme besitze, solle sparsam mit dem Wasser umgehen.

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 03.07.2019, 19.30 Uhr