Niesende Frau vor einem Rapsfeld.

Allergiker leiden derzeit gleich dreifach: Wegen des milden Winters fliegen die Pollen früher, die Pollenmenge ist in dieser Saison besonders groß - hinzu kommen misstrauische Blicke aus Angst vor dem Coronavirus. Und jetzt wird alles noch viel schlimmer.

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Corona-Infektion oder doch nur eine Allergie?
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Seit Tagen herrscht in Hessen schönstes Frühlingswetter: Über 20 Grad und Sonnenschein locken gerade in Corona-Zeiten viele Menschen nach draußen. Doch die warmen, trockenen Temperaturen haben auch den Pollenflug verstärkt - zum Nachteil vieler Allergiker.

"Es ist relativ schnell warm geworden und dann explodiert auch die Natur", sagte Ursula Funke von der hessischen Apothekerkammer der Nachrichtenagentur dpa. "Das macht dann den Leuten, die allergisch sind, auch zu schaffen."

Besonders viel Blütenstaub im "Mastjahr"

Die ersten Pollen habe es in Hessen schon Ende Januar gegeben, derzeit blühten die Hauptallergiearten Birke und Esche. Und die haben es in diesem Jahr besonders in sich: Weil es sich um ein sogenanntes Mastjahr handelt, produzieren die Bäume besonders viel Blütenstaub. So sichern sie ihren Bestand. Das kann selbst für Nicht-Allergiker zur Belastung werden.

Ende April fangen dann auch noch die Gräser an zu blühen. "Birke und Gräser sind die Pflanzen, auf die die Leute am meisten reagieren", sagte eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Wind, Trockenheit und Sonne begünstigten den Pollenflug. Linderung verschafft den tropfenden Allergikernasen dagegen nur eines: Regenwetter.

Wind könnte den Pollenflug verstärken

Doch das ist laut der Wettervorhersage für Hessen momentan nicht in Sicht - im Gegenteil. Nach Prognosen der hr-Wetterredaktion hält sich das sonnige Wetter bis zum Donnerstag, bei Temperaturen um die 20 Grad. Auch nachts bleibt es meist sternenklar.

In den kommenden Tagen dürfte sich der Pollenflug sogar noch verstärken, denn es wird windiger. Für Montag sagen die Metorologen stürmische Böen mit bis zu 65 Stundenkilometern voraus, auch im weiteren Verlauf der Woche bleibt es windig. Bestes Pollenflug-Wetter also.

Niesen und tränende Augen sind keine Corona-Symptome

Trösten könnte Allergiker womöglich, dass sich ihre Symptome meist deutlich von der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 unterscheiden. Wer unter Heuschnupfen leidet, hat "eine triefende, juckende Nase" und "juckende, tränende Augen", sagt Ursula Funke. Das seien derzeit keine charakteristischen Symptome für Covid-19.

Bei einer Allergie habe man zudem kein Fieber, sagte Professor Ludger Klimek vom Allergiezentrum Wiesbaden im Gespräch mit hr1. Zu Vermutungen, dass Allergiker - ähnlich wie Raucher - in Bezug auf das Coronavirus besonders gefährdet sein könnten, gibt es laut Robert-Koch-Institut bislang keine Beweise. Strenge oder ängstliche Blicke ihrer Mitmenschen sind den Allergikern in diesen Tagen dennoch gewiss, wenn sie sich schniefend und hustend im Freien aufhalten.

Sendung: hr-fernsehen, alle wetter!, 20.04.2020, 19.15 Uhr