Studieren im Home Office.

Die Corona-Pandemie hat auch das Leben von Studierenden deutlich verändert. Die Hochschule Fulda hat die Auswirkungen genauer untersucht. Daraus lassen sich zehn Erkenntnisse ableiten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Studieren während der Corona-Pandemie

Unicampus mit Aufstellschild, auf dem die Sperrung des Geländes wegen Corona erklärt wird
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Die Corona-Pandemie hat das Lernen, Lehren und Leben an Hochschulen und Universitäten grundlegend verändert. Seit einem Jahr befinden sich Hessens Studierende nun schon im Online-Modus. Statt mit Präsenz-Veranstaltungen in Hörsälen und Seminarräumen wird das Wissen via Internet und E-Learning ins Homeoffice vermittelt.

Die Hochschule Fulda mit ihren knapp 10.000 Studenten und Studentinnen hat zum nun erfolgten Start des Sommer-Semesters, dem dritten in der Pandemie, eine (Zwischen-)Bilanz gezogen. Daraus lassen sich einige exemplarische Erkenntnisse ableiten - positive wie negative:

1. Studieren und Lehren ist auch unter Corona-Bedingungen möglich. Die Hochschule machte dazu eine Umfrage. Mehr als 1.800 Studierende und rund 290 Lehrende beteiligten zum Ende des Wintersemesters. Ergebnis: Eine deutliche Mehrheit der Studierenden (70 Prozent) und Lehrenden (85 Prozent) zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Semesters.

Knapp 90 Prozent der Studierenden gab an, dass sie über die technischen Voraussetzungen verfügten. Bei 1,6 Prozent war das (eher) nicht der Fall. Ein Hemmnis: Bei mehr als der Hälfte nahm die Motivation zum Lernen im Wintersemester ab.

2. Corona-Semester sind nicht verschwendete (Lebens-)Zeit. Hochschul-Präsident Karim Khakzar sagt: "Es war immer unser Bestreben, dass den Studierenden keine Semester verlorengehen. Das ist uns gelungen." Kathrin Becker-Schwarze, Vizepräsidentin für Lehre und Studium, betont: "Die Befürchtung, dass Studierende pandemiebedingt ihr Studium nicht ordnungsgemäß durchführen können, hat sich nicht bewahrheitet."

3. Prüfungen sind auch während der Pandemie machbar. Im vergangenen Jahr hat die Hochschule die gesamte Palette an Prüfungen anbieten können. Zum Ende des Wintersemesters 2020/21 waren es insgesamt 31.000. Etwa ein Fünftel davon fand vor Ort statt. Zuvor wurde mit dem Gesundheitsamt und dem hessischen Wissenschaftsministerium ein Konzept abgestimmt. "Die Präsenzprüfungen haben zu keinen Corona-Ausbrüchen innerhalb der Hochschule geführt", resümiert die Hochschule.

4. Das Online-Studium hat neue Perspektiven eröffnet. Danach gefragt, ob es auch nach der Corona-Zeit Online-Angebote ergänzend zur Präsenzlehre geben soll, gaben die meisten Studierenden (fast 61 Prozent) und Lehrenden (fast 75 Prozent) an: Das ist sinnvoll. Jörg Kreiker, Professor im Fachbereich für Angewandte Informatik, sagt: "Sicherlich wird auch in Zukunft insbesondere die reine Wissensvermittlung digital unterstützt werden, sodass wertvolle Präsenzzeiten vermehrt für Übungen und Diskurs mit den Studierenden genutzt werden können." Zudem könnten Prüfungsformate innovativer werden. "Es muss nicht immer die klassische Klausur sein", so Kreiker.

5. Online-Lehre bietet mehr zeitliche und räumliche Flexibilität. Und das hat sogar weitere Effekte: Künftig können dadurch Lehrräume effizienter genutzt werden, erklärt die Hochschule. Früher schwer zu koordinierende Termine könnten ausschließlich online stattfinden.

6. Durch Corona haben auch die Lehrkräfte etwas gelernt. Informatik-Professor Kreiker sagt: "Die Pandemie hat vorhandene Berührungsängste mancher Lehrenden gegenüber digitalen Lehrangeboten nachhaltig abgebaut, was mitunter zu einigen Aha-Erlebnissen führte."

7. Corona hat die Wohnsituation verändert. Wohnheime sind leerer geworden, auch Mietwohnungen lassen sich leichter finden. Weil die Anwesenheit am Studienort nur bedingt nötig ist, sind viele Studierende wieder zu Hause bei ihren Eltern eingezogen und ins heimische Kinderzimmer zurückgekehrt. Das hat zwar finanzielle Vorteile, das fehlende Campus-Leben sorgt aber gerade bei Studienneulingen für große Belastungen und zerplatzte Träume.

8. Praktika lassen sich meist nur aus der Ferne absolvieren. Nach Hochschul-Angaben hatten die meisten Studierenden keine Probleme, an Praktikumsplätze zu kommen. Doch richtig Firmen-Luft schnuppern konnten sie auch nicht. Meist erfolgte die Mitarbeit aus dem Homeoffice heraus.

9. Corona steigert Zukunftsängste. "Bei einigen Studierenden ist eine gewisse Unsicherheit zu beobachten. Sie fragen sich: Wo komme ich später mal unter?", bemerkt der Fuldaer Hochschul-Präsident Khakzar. Doch er ist überzeugt, dass sich Perspektiven entspannen, wenn die Wirtschaft wieder anzieht.

10. Der Wunsch nach persönlichem Kontakt ist riesengroß. So positiv die Bewertung der Hochschule zum Studium im Online-Modus auch ausfällt - viele Studierende, Lehrende und Beschäftigte vermissen den persönlichen Kontakt. Die Vorsitzende des Fuldaer AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss), Viktoria Stubbe, etwa sagt wehmütig: "Das soziale Leben auf dem Campus, das die AStA-Arbeit ausmacht, fehlt."

Der Besucherverkehr im AStA-Büro ist eingestellt. Beratung und Anfragen können nur digital erfolgen und bearbeitet werden. Problematisch sei, dass die Gremienarbeit und Mitgestaltung der Studierenden ganz deutlich an Zuwachs verliere, beobachtet Stubbe.

Und wie geht's weiter? Die Hochschule geht davon aus, dass das nächste Wintersemester 2021/2022 wieder stärker mit Präsenzveranstaltungen gestaltet werden kann.

Sendung: hr4, 21.04.2021, 17.30 Uhr