Vollständig überflutete Felder im Morgenlicht.

An vielen Orten in Hessen drohen Flüsse und Bäche über die Ufer zu treten. Feuerwehren sind im Dauereinsatz - nach einer Regenpause kommt schon bald neues Wasser von oben dazu.

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Vilbel Hochwasser
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Die Hessen müssen sich nach dem anhaltenden Regen am Mittwoch auch weiterhin auf Hochwasser und überlaufende Flüsse einstellen - vor allem in Süd- und Osthessen. Besonders hoch waren die Pegelstände am Donnerstagmorgen rund um Fulda, wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) auf seiner Homepage schrieb.

An mehreren Messstationen wurde die Meldestufe II überschritten, die für ein mittelschweres Hochwasser steht. An der Station in Fulda-Bronnzell stieg der Pegelstand sogar über die dritte Meldestufe, dort herrscht laut der Behörde also "außergewöhnliches Hochwasser".

Der überflutete Sportplatz in Fulda-Bronzell

Das sorgte am Morgen für eine gefährliche Situation: In der Nähe des völlig überfluteten Sportplatzes in Bronnzell blieb ein achtjähriger Junge im Schlamm stecken und konnte sich offenbar selbst nicht mehr befreien. Anwohner hätten seine Hilfeschreie gehört und den Notruf gewählt, berichtete die Feuerwehr. Noch bevor die Einsatzkräfte angerückt waren, habe ein Mitarbeiter des Abwasserverbandes dem Jungen helfen können. Bis auf eine leichte Unterkühlung sei er unverletzt geblieben.

Abriegeln, Pumpen und Dämme flicken

In Langenselbold (Main-Kinzig) hat sich die Feuerwehr auf die nächste Hochwasser-Welle vorbereitet: Am Mittwochabend haben Einsatzkräfte den Markplatz mit einem speziellem Hochwasserschutzsystem, einem Quickdamm, abgeriegelt. Einzelne Straßen wurden gesperrt. Die Feuerwehr rechnete zwar damit, dass die Pegelstände bis zum Donnerstagvormittag weiter steigen - so schlimm wie am Wochenende wird es wohl aber nicht werden.

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Am Hafen in Wiesbaden-Schierstein trat am Mittwochabend der Lindenbach über das Ufer. Mit mobilen Pumpen konnte die Feuerwehr das Wasser in Schach halten. Die Arbeiten dauerten die ganze Nacht an.

Hochwasser Wiesbaden

Glimpflich ist es in Stockstadt (Groß-Gerau) ausgegangen: Dort haben Fußgänger ein Leck in einem Damm entdeckt. Feuerwehr und DLRG dichteten es daraufhin mit Sandsäcken ab. Dadurch habe zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden.

Warnstufe II an der Nidder

Angespannt ist die Lage auch am Nidda-Nebenfluss Nidder. Dort erreichte der Pegelstand am Donnerstagmorgen stellenweise die Meldestufe II. Das über die Ufer tretende Wasser überflutete ein angrenzendes Feld zwischen Bad Vilbel und Karben (beide Wetterau), das als Überschwemmungsgebiet dient, vollständig.

Trotz der schwierigen Lage sehe es im Moment gut aus, sagte Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) dem hr am Donnerstag. Man habe frühzeitig den Krisenstab eingesetzt und Hochwasser-Schutzmaßnahmen in der Stadt verstärkt. Zusätzlich habe man noch rund 2.000 Sandsäcke parat.

Am hessischen Rheinabschnitt stand das Wasser ebenfalls über der Meldestufe II. Hier rechneten die Experten mit anhaltend hohen Wasserständen auch in den kommenden Tagen durch weitere Regenfälle und Schmelzwasser.

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hessenschau 05.02.2021 19:30 Uhr Thumbnails
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Stromabschaltungen in Büdingen bis nächste Woche

In Büdingen (Wetterau) muss wegen der Unwetter sogar der Strom abgestellt werden. Dort gab es in der vergangenen Woche große Überschwemmungen, in der Folge liefen viele Keller voll. "Da die elektrischen Versorgungsanlagen ebenfalls massiv überflutet wurden, ist es erforderlich, die Betriebsmittel in Stand zu setzen", schrieb der Netzbetreiber ovag.

Betroffen seien etwa 180 Haushalte in der Altstadt und in Teilen der Innenstadt. Bis Anfang nächster Woche könne es noch zu Stromabschaltungen in Büdingen kommen, teilte der Versorger mit. Wie lange die Haushalte in Büdingen keinen Strom haben, hängt vom Schaden im jeweiligen Kasten ab. Die Haushalte werden im Vorhinein nicht informiert, wann sie betroffen sind. Der Strom soll aber nur zwischen 7 und 16 Uhr abgestellt werden.

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hs
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Neuer Regen ab Freitag

Weil die Böden durch die Niederschläge der vergangenen Wochen schon gesättigt seien, steigen die Pegelstände bei weiterem Niederschlag schnell an, erklärte hr-Meteorologe Mark Eisenmann. Zwar blieb Hessen am Donnerstag vorerst von neuem Regen verschont. Schon am Freitag setzt der Regen laut Vorhersage aber wieder ein. Die verbreiteten Niederschläge setzen sich am Samstag fort.

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Eine Bank steht an einer überfluteten Stelle.
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Das HLNUG rechnet deshalb damit, dass es in den kommenden Tagen zu einer weiteren Hochwasserwelle kommen könnte. Den Experten zufolge wären davon wieder besonders die Flussgebiete der Fulda, der Werra, der Kinzig und der Nidda betroffen. Problematisch wird es vor allem, wenn wegen der milden Temperaturen zum Regen auch noch das Schmelzwasser aus den Bergen hinzukommt. So erwartet das HLNUG wegen der in Thüringen einsetzenden Schneeschmelze vor allem an der Werra mit der Ulster deutlich steigende Pegelstände.

Autofahrer sollen vorsichtig sein

Der ADAC mahnt Autofahrer zur Vorsicht. Selbst ein kleiner Bach am Straßenrand könne gefährlich werden. "Autofahrer sollten jetzt keinesfalls mit Schwung durch das Wasser fahren, sondern vorsichtig im Schritttempo", warnt der ADAC. Zu viel Spritzwasser könne den Motor beschädigen. Wenn man die Tiefe des Wassers nicht einschätzen könne, solle man lieber einen Umweg fahren.