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zum Video Ikke Hüftgold bricht Dreh ab

Screenshot aus dem Video vom Matthias Distel, alias Ikke Hüftgold. Es zeigt seinen Kopf und Oberkörper - im Hintergrund ein Wohnraum.

Nach Dreharbeiten zu einer Dokusoap wirft der Schlagersänger aus Limburg dem TV-Sender vor, mit der Not von Kindern Quote machen zu wollen. Sat.1 verspricht eine Aufarbeitung des Vorfalls.

Nach schweren Vorwürfen des Limburger Schlagersängers Ikke Hüftgold gegen die Sat.1-Reihe "Plötzlich arm, plötzlich reich" hat der Sender eine Aufarbeitung der Anschuldigungen angekündigt.

Der Sänger mit dem bürgerlichen Namen Matthias Distel hatte als Teilnehmer der Dokusoap, bei der zwei Familien Wohnung und Alltag tauschen, die Dreharbeiten abgebrochen und den Machern der Sendung "gewissenlose Quotenjagd" und "menschenunwürdige Geschehnisse" vorgeworfen, vor allem im Umgang mit den Kindern der Tauschfamilie, bei denen schwere Traumata wissentlich ignoriert worden sein sollen. Teile des emotionalen Statements, in dem der Sänger in Tränen ausbricht, sehen Sie im Videobeitrag von maintower.

Distel: "Kindeswohl mit Füßen getreten"

"Das Kindeswohl von zwei schwer traumatisierten Kindern wurde von den verantwortlichen Medienanstalten mit Füßen getreten", erklärte Distel. In einem Statement auf seiner Webseite berichtet er, wie er mit seiner Begleitung die leere Wohnung der Tausch-Familie betrat. "Hoch emotionalisiert und nicht fassend, dass in diesem Haushalt vier Kinder leben sollten, erkundeten wir nach und nach die Räumlichkeiten."

Er sei schließlich auf einen Wandkalender gestoßen. "Die zwei jüngsten Kinder sowie die Mutter befinden sich laut Eintragungen auf diesem Kalender in psychologischer Behandlung." Distel weiter: "Sofort kam die Frage bei uns auf, ob man Kinder im Alter von 8 und 10 Jahren, die offensichtlich psychische Probleme haben, rechtlich und moralisch gesehen in ein Fernsehformat ziehen kann, bei dem 8 Tage am Stück bis zu 10 Stunden gearbeitet werden sollte." Während der Dreharbeiten habe sich eines der Kinder dann selbst verletzt, schildert Distel sichtlich bewegt in seinem Statement. Das andere habe sich auf dem Weg zu einem Außendreh in die Hose gemacht.

Sat.1 will Vorfall aufarbeiten

Der betroffene TV-Sender Sat.1 hat sich gegenüber der Nachrichtenagentur dpa zu den Vorwürfen geäußert: "Unmittelbar nachdem Matthias Distel uns via Mail seine Sicht auf den Dreh zu 'Plötzlich arm, plötzlich reich' mitgeteilt hat, haben wir begonnen, mit der Produktionsfirma und der Familienhilfe zu reden, um der Familie zu helfen und um die Zusammenhänge aufzuarbeiten", sagte ein Sprecher. Diese Arbeit sei noch nicht abgeschlossen.

"Wir haben intensiven Kontakt zu der Familie, die davon geschockt ist, dass Matthias Distel höchst Privates und Vertrauliches in die Öffentlichkeit trägt." Der Sender betonte, man werde "keine Sekunde dieser Folge" zeigen. "Das haben wir Matthias Distel bereits am vergangenen Donnerstag mitgeteilt."

Produktionsfirma spricht von Recherchefehler

Die Geschäftsführerin der zuständigen Produktionsfirma Imago TV, Andrea Schönhuber, sagte dem Branchenportal Meedia: "Bei Imago TV wurden Fehler bei der Recherche gemacht, wir waren zu leichtgläubig. Wir haben uns auf die Aussagen der Familie und der Nachricht der Familienhilfe, die der Familie noch viel Spaß wünschte, verlassen. Das bedauern wir zutiefst." Ihrer Firma gehe es aber "in keiner Weise" darum, Familien in Notsituationen auf der Jagd nach Quoten auszunutzen.

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 25.05.2021, 18 Uhr