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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Große Baumpflanzaktion im Frankfurter Stadtwald

Stadtwald Frankfurt krank wie nie

Drei Jahre hintereinander mit Dürre-Rekorden haben den größten Stadtwald in Hessen ausgelaugt und gelichtet. Das Forstamt Frankfurt lässt nun mehr als 105.000 Bäumchen pflanzen - in Akkordarbeit.

Die vergangenen drei Jahre gehören zu den trockensten, seit man gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann, Wetterdaten aufzuzeichnen. Die überdurchschnittliche Trockenheit setzt vor allem den Wäldern zu. Was mancher Städter achselzuckend abtun mag, zwingt das Frankfurter Forstamt zu Aufforstungen in beispiellosem Umfang.

Dort weiß man, dass der rund 5.000 Hektar große Wald im Süden der Stadt nicht nur ein beliebtes Naherholungsgebiet ist, sondern vor allem ein wichtiger Frischluftlieferant für ganz Frankfurt. Je weniger Bäume gesund sind, desto mehr staut sich die Hitze zwischen Beton und Asphalt in den engen Straßen. Jedoch zeigt sich nach den Worten der Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) der Klimawandel in Frankfurt nirgends so stark wie im Stadtwald.

105.000 Sämlinge auf 14 Hektar

Zehntausende Bäume sind laut Heilig in den vergangenen paar Jahren abgestorben, weil sie zu wenig Wasser bekamen und dann Pilzen und Borkenkäfer hilflos gegenüberstanden. In besonderem Ausmaß traf es den Wald in den Stadtteilen Schwanheim und Goldstein, wo den ohnehin trockenen Sandböden noch das letzte bisschen Feuchtigkeit entzogen wurde.

Wie Peter Rodenfels, stellvertretender Abteilungsleiter im Stadtforstamt, dem hr sagte, fielen dort sehr viele Kiefern um. Seit dieser Woche lässt die Stadt auf 14 Hektar allein in den beiden genannten Revieren mehr als 105.000 Sämlinge pflanzen: von einheimischen Arten wie Winterlinde, Esskastanie, Elsbeere, Vogelkirsche, Flaum- und Zerreiche sowie Schwarzkiefern und Flatterulmen. Diese Baumarten gelten als besonders robust gegen Trockenheit.

Nur die wenigsten wachsen zum stolzen Baum heran

Die Pflanzaktion ist für die Mitarbeiter der damit beauftragten Firma ein wahrer Kraftakt, wie Rodenfels sagte: Fünf Männer sollen in nur vier Wochen alle 105.000 kniehohen Bäumchen pflanzen, wobei sie für jedes vorher ein Loch mit dem Spaten ausheben müssen. Rund 1.000 Setzlinge muss jeder Mitarbeiter am Tag schaffen.

Dabei werden die meisten davon nicht zu einem stolzen Baum heranreifen. Während derzeit pro 1,3 Quadratmeter ein kleiner Baum gesetzt wird - und das eben 105.000-mal, bis die zu bepflanzenden 140.000 Quadratmeter voll sind -, werden später auf jedem Hektar (10.000 Quadratmeter) nur 150 bis 500 Bäume stehen - je nach Art, wie Rodenstein erläuterte. Gemäß der Darwin'schen Doktrin setzen sich nur die stärksten Exemplare gegen ihre Konkurrenten und knabbernde Wildtiere durch: hoffentlich dann auch gegen den Endgegner, den Klimawandel.

Weitere Informationen

Frankfurter Stadtwald

Der Forst im Süden Frankfurts ist mit 5.000 Hektar der größte Wald in Deutschland, der sich auf der Gemarkung einer Stadt befindet. Wie viele Bäume dort stehen, ist nach Auskunft des Forstamts nicht bekannt. Auf einem Hektar haben rund 7.700 Setzlinge Platz oder 500 ausgewachsene Kiefern oder gar nur 150 ausgewachsene Eichen.
Vor der großen Pflanzaktion jetzt setzte das Forstamt bereits rund 20.000 junge Bäumchen, um die immensen Trockenschäden der vergangenen Jahre auszugleichen. Rund 97 Prozent der Bäume im Frankfurter Stadtwald gelten als nicht gesund.

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Sendung: hr4, hessenschaureport, 10.03.2021, 9.30 Uhr