Silhouette eines Mannes mit Telefon sowie ein Telefon mit der 110 im Display
Wenn Kriminelle anrufen und sich als Polizisten ausgeben, erscheint oft sogar die Nummer 110 im Display - dann ist es aber auf keinen Fall die Polizei. Bild © Imago, picture-alliance/dpa

Kriminelle geben sich immer häufiger als Polizisten aus und bringen so vor allem alte Menschen um ihr Erspartes. Der Schaden für die Betroffenen lag allein im vergangenen Jahr bei 1,6 Millionen Euro - die Verbrecher kommen oft davon.

Betrügereien über das Telefon mit dem sogenannten Polizisten-Trick haben in Hessen deutlich zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden 462 Fälle angezeigt, bei denen angebliche Ordnungshüter vor allem zu älteren Menschen Kontakt aufnahmen, um sie um ihr Geld oder ihre Wertsachen zu bringen.

In 392 Fällen waren sie nach Angaben des Hessischen Landeskriminalamts (LKA) in Wiesbaden erfolgreich, das ist eine Quote von fast 85 Prozent. Sie ergaunerten dabei insgesamt mehr als 1,6 Millionen Euro. In den meisten Fällen konnten die Betrüger nicht dingfest gemacht werden - die Aufklärungsquote habe bei 26,2 Prozent gelegen.

Das Märchen von der Einbrecherbande

Bei der häufigsten Variante des Polizisten-Tricks rufen Kriminelle gezielt ältere Menschen an, geben sich als Polizeibeamte aus und erzählen, man habe vor kurzem Mitglieder einer Einbrecher-Bande festgenommen. Bei denen sei eine Liste mit Adressen aufgetaucht, mögliche Einbruchsziele - darunter auch die Anschrift der Angerufenen. Die falschen Polizisten sagten weiter, sie seien aber dem Rest der Bande auf der Spur und hofften, sie bald festnehmen zu können.

In der Zwischenzeit wolle man die Wertgegenstände und Bargeld-Vorräte vorübergehend in Gewahrsam nehmen, damit die Kriminellen keine Chance haben. Häufig steht dabei dann sogar die Notrufnummer 110 im Display. Wenn die Betroffenen einwilligen, kommt kurz darauf ein angeblicher Polizist vorbei, um die Wertsachen in Empfang zu nehmen - und damit zu verschwinden.

Millionenschaden durch Telefonbetrug

Ein Jahr zuvor, im Jahr 2016, konnte laut LKA immerhin mehr als jeder dritte Fall gelöst werden. Damals versuchten in 219 Fällen Betrüger als Polizisten ihr Glück bei ihren Opfern, in 161 Fällen mit Erfolg. Die Beute war 2016 mit insgesamt 1,5 Millionen Euro ähnlich hoch.

Insgesamt gab es nach Angaben der Ermittler im vergangenen Jahr in Hessen 1.854 Fälle, in denen Betrüger per Telefon Kontakt zu ihren Opfern aufnahmen - sei es als angeblich in Not geratenes Familienmitglied, als angeblicher Handwerker, Lieferservice, Glücksbote einer gewonnenen Ferienreise oder als Polizist.

Mit einem Gesamtschaden von mehr als 6,8 Millionen Euro wurde auch hier ein Anstieg verzeichnet: Ein Jahr zuvor hatte es laut Landeskriminalamt 1.513 Fälle von Telefonbetrug und einen Schaden in Höhe von mehr als 3,8 Millionen Euro gegeben.

Weitere Informationen

Die Tricks der Betrüger

Die bekanntesten Telefon-Betrugsmaschen und wie man sich davor schützen kann, können Sie hier nachlesen: Mit diesen Tricks erbeuten Kriminelle Millionen.
Allgemein empfiehlt die Polizei:

  • Wenn angeblich die Polizei am Apparat ist, unbedingt auflegen und die Polizei unter der bekannten Rufnummer anrufen.
  • Niemals am Telefon Details über die eigenen finanziellen Verhältnisse preisgeben.
  • Niemals Geld an unbekannte Personen übergeben.
  • In der Familie offen über die Anrufe reden - in beide Richtungen: Auch junge Leute sollten ihre Eltern und Großeltern sensibilisieren.
  • Wenn man Opfer von Kriminellen geworden ist, unbedingt Anzeige erstatten.
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Sendung: hr-iNFO, 13.03.2018, 12.00 Uhr