Schüsse an der Konstablerwaxche - und Katwarn blieb stumm
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In der Frankfurter Innenstadt wird geschossen – und das Warnsystem Katwarn schweigt. Dabei soll die App doch die Bevölkerung vor unmittelbaren Bedrohungen warnen. Die Polizei erklärt, wie es dazu kam.

Ob Brände, Unwetter oder Terroranschläge – über die App Katwarn können sich alle Hessen mehr oder weniger in Echtzeit über drohende Gefahren an ihrem Standort informieren. Nach Angaben des Innenministeriums nutzen hierzulande derzeit etwa 600.000 Menschen den Dienst.

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Doch am Dienstagabend, als in der Frankfurter Innenstadt mehrere Schüsse fielen, blieb Katwarn stumm. Da fragen sich viele Nutzer in sozialen Netzwerken: Warum? Auf Twitter sprach ein Nutzer die Polizei Frankfurt kurz nach dem Vorfall am Dienstag direkt darauf an.

@Polizei_Ffm Wieso wird über sowas nicht via Katwarn gewarnt? Dafür is das doch da, oder? 🤔

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Am Mittwoch erklärte die Polizei dem hr, wie es dazu kam: "Wir haben durchaus überlegt, Katwarn einzusetzen. Aber am Ende ging es einfach zu schnell", sagte ein Sprecher.

"Bewusste Entscheidung"

Die Festnahmen seien bereits nach 15 Minuten erfolgt. Wären die Täter länger auf freiem Fuß gewesen, hätte die Polizei auch eine Katwarn-Meldung herausgegeben. Aufgrund der Dynamik der Situation und der schnellen Entwarnung hätte sich die Abteilung Einsatz, die für die Katwarn-Meldungen zuständig ist, aber dagegen entscheiden. "Das war eine bewusste Entscheidung."

Die Kritik an dieser Entscheidung könne er aber nachvollziehen, sagte der Sprecher. Katwarn-Nutzer würden schließlich erwarten, über Gefahren in ihrer unmittelbaren Umgebung informiert zu werden. Über Twitter habe man die Öffentlichkeit jedoch auf dem Laufenden gehalten.

Katwarn bei Polizei nicht unumstritten

Das Innenministerium sieht den Vorteil von Katwarn nach eigenen Angaben darin, "dass gezielt Teile der Bevölkerung durch eine Push-Nachricht angesprochen werden können". So hätte die Polizei durch den "unterstützenden Einsatz von Katwarn" seit April 2018 neun vermisste Personen auffinden können.

Bei der Polizei, die Katwarn seit 2017 nutzt, ist der Dienst aber nicht unumstritten. Es gibt Stimmen bei der Polizei, die darauf hinweisen, dass die zahlreichen niedrigschwelligen Warnungen – wie etwa Unwetterwarnungen oder Vermisstenmeldungen – in der Bevölkerung nicht zu mehr, sondern zu weniger Achtsamkeit führen könnten.

Katwarn wird neben der Polizei unter anderem auch von der Feuerwehr und dem Deutschen Wetterdienst genutzt.