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Audioseite Doppelt so viele Covid-Patienten auf Intensiv wie vor vier Wochen

Ein Pfleger untersucht einen Patienten auf einer Covid 19-Intensivstation.

Seit Anfang Oktober wächst die Zahl der Covid-Patienten auf Hessens Intensivstationen. Zuletzt hat sie sich verdoppelt, regional kommt es zu Engpässen. In den meisten Betten liegen Menschen ohne vollen Impfschutz.

Hessen weise derzeit ein Nord-Süd-Gefälle auf, sagt Steffen Gramminger, Direktor der Hessischen Krankenhaus-Gesellschaft: Im Süden seien kaum noch Intensivbetten frei, im Norden gebe es noch etwas mehr Kapazitäten. "Es kommt regional zu Engpässen", sagt Gramminger. Im Landesdurchschnitt sei es allerdings noch nicht so dramatisch wie etwa in Bayern oder Sachsen.

Doch: Die Zahl der Covid-19-Patienten in hessischen Kliniken hat sich in den vergangenen vier Wochen mehr als verdoppelt. Das gelte sowohl für das Versorgungsgebiet Frankfurt/Offenbach als auch für das ganze Land, sagt Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor der Frankfurter Uniklinik und Leiter des Planungsstabs zur landesweiten Verteilung von Covid-Patienten. Die Auslastung sowohl auf den Normalstationen als auch auf den Intensivstationen sei "sehr hoch".

Überwiegender Teil nicht vollständig geimpft

"Wenn die Covid-19-Fallzahlen weiter steigen, führt das zu einer sehr starken Belastung der Kliniken, und die Kapazitäten für andere medizinische Leistungen müssen reduziert werden", sagt Graf. Er betont: "Der weit überwiegende Teil der Covid-19-Patienten, die aktuell in Behandlung sind, ist nicht vollständig geimpft."

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Wenn die Intensiv-Kapazitäten für Covid-Patienten erweitert werden müssten, müsse man dafür - wie im vergangenen Winter - wieder Stationen umorganisieren. "Eine Aufteilung nach Gebäuden ist dabei nicht wieder vorgesehen", sagt Graf. 2020 betrieb das Frankfurter Universitätsklinikum in Haus 23 eine organisatorisch eigenständige Klinik, in der mit dem Coronavirus infizierte Menschen getrennt von den übrigen Patienten behandelt wurden. Im Verlauf der Pandemie habe man gelernt, "dass wir eine sichere Versorgung gewährleisten können, ohne die Gebäude nach Covid- und Non-Covid-Patienten zu trennen".

1.661 von 1.817 Intensivbetten in Hessen belegt

Laut Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) waren am Donnerstagmittag 1.661 von 1.817 zur Verfügung stehenden Intensivbetten in Hessen belegt. Knapp 14 Prozent dieser Intensivpatienten waren Covid-19-Fälle. Von den 251 Covid-19-Fällen wurden demnach 117 invasiv beatmet. Die Zahl der Covid-Patienten auf Hessens Intensivstationen wächst seit Anfang Oktober wieder, wie die DIVI-Zeitreihe zeigt.

Der Tiefpunkt dieses Jahres war am 30. Juni erreicht, als 37 Covid-19-Patienten auf Hessens Intensivstationen lagen. Das Maximum war am 5. Januar gezählt worden, als 523 Covid-19-Patienten im Bundesland intensivmedizinisch versorgt wurden. Corona belaste nicht nur die großen Spezialkliniken, sagt Steffen Gramminger: "Die Beherrschung einer Pandemie ist eine Teamleistung."

Je mehr Covid-19-Patienten in den großen Zentren behandelt würden, desto mehr brauche man die kleinen Häuser als Überlaufbecken, so Gramminger. Sie nähmen nicht nur Patienten von Normalstationen auf, sondern auch Intensivpatienten, sogar mit Beatmung. 80 "kooperierende" Krankenhäuser stehen laut Krankenhausgesellschaft in Hessen bereit, um die acht "koordinierenden" Schwerpunktkliniken zu entlasten.

Klinikum Darmstadt verlegt "alle, bei denen es vertretbar ist"

Das Klinikum Darmstadt mit mehreren Intensivstationen arbeitet den Angaben einer Sprecherin zufolge bereits an der Kapazitätsgrenze. Dies gelte nicht nur für die Auslastung der Intensivbetten, sondern auch für das Personal. "Wir verlegen alle, bei denen es vertretbar ist", sagte die Sprecherin zu den Corona-Intensivpatienten. Es gebe einen engen Austausch zwischen Kliniken.

Auf den Intensivstationen des Klinikkonzerns Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) im Klinikum Kassel und im Krankenhaus Bad Arolsen sind die Kapazitätsgrenzen laut einer Sprecherin noch nicht erreicht. "Auch Verlegungen gibt es noch keine", sagte sie. Im Klinikum Kassel waren am Donnerstag 55 der insgesamt 61 Intensivbetten belegt, 11 davon mit Covid-19-Patienten. In Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) waren 6 der insgesamt 8 Intensivplätze belegt, darunter ein Covid-19-Patient. Soweit erfasst, seien alle Corona-inizierten Patienten ungeimpft.

HSK Wiesbaden will planbare OPs nicht verschieben müssen

Die Auslastung der Intensivstation der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK) in Wiesbaden ist nach Angaben eines Sprechers hoch. Aktuell seien 10 Intensiv- und 21 Normalbetten mit Corona-Patienten und Patientinnen belegt. Dazu kämen knapp 30 weitere belegte Intensivbetten mit Nicht-Infizierten. Die Zahl der Corona-Intensivpatienten liege seit einigen Wochen stabil zwischen 8 und 12 Betten.

"Eine weitere Belastung, etwa durch einen weiteren Anstieg an Corona-Intensivpatienten würde bedeuten, dass wir qualifiziertes Fachpersonal aus den OP-Bereichen abziehen und auf Intensivstation einsetzen müssen", teilte der Sprecher mit. Dann müssten planbare Operationen verschoben werden, was die Klinik jedoch vermeiden wolle.

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