Fliesenleger bei der Arbeit rechts Instagram Account

Mit einem Instagram-Video zum fachgerechten Verlegen einer Bodenfliese ist ein Handwerker aus Hünfeld in der ganzen Welt bekannt geworden. 18 Millionen Mal wurde der Clips angeschaut. Der 30-Jährige hat eine recht simple Erklärung für den Hype, der auch seinem Betrieb zugutekommt.

Videobeitrag

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zum Video Handwerker wird Instagram-Star

hessenschau vom 15.03.2021
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Ein junger Handwerker aus Osthessen hat mit einem kurzen Video-Clip die Aufmerksamkeit eines Millionen-Publikums erregt. Dabei hat Johannes Münkel einfach nur seinen Job gemacht - unaufgeregt und akkurat. Der 30 Jahre alte Fliesenleger-Meister aus Hünfeld (Fulda) führte seiner Community bei Instagram vor, wie er eine große Bodenfliese fachmännisch verlegt. Die Handgriffe hat er mit etwas Musik unterlegt. So weit, so unspektakulär.

Was dann aber in dem Social-Media-Kanal ablief, ist für Münkel selbst ein Wunder. Der nicht mal 30 Sekunden lange Bewegtbild-Beitrag aus dem Januar wurde weltweit rund 18 Millionen Mal aufgerufen. "Ich hätte nie gedacht, dass das Video dermaßen einschlägt. Aber es freut mich natürlich riesig", berichtet der Handwerker stolz.

Mehr als 41.000 Abonnenten

Der Algorithmus, der darüber entscheidet, welche Inhalte Usern angezeigt werden, spülte das Instagram-Video offenbar immer wieder nach oben. So sammelte der Clip massig Clicks. Da es auf viel Interesse stieß, wurde der Beitrag immer mehr Nutzern vorgeschlagen. Und so ging es dann tagelang weiter.

"Im Detail durchschauen, lässt sich das nicht. Es kennt ja keiner die Kriterien des Algorithmus", sagt Münkel, der seine Bekanntheit bei Instagram seit Monaten enorm vergrößert. Mittlerweile hat er mehr als 41.000 Abonnenten, die seine Beiträge regelmäßig sehen wollen.

Angefangen hat alles ganz harmlos: Im August 2020 habe er gerade einmal 600 Abonnenten gehabt. Er veröffentlichte Bilder und Videos von sich als Fliesenleger. Einen größeren Plan habe er nicht verfolgt. Doch dann nahm die Geschichte Fahrt auf. Es schauten ihm immer mehr Menschen zu, wie er in Bädern und auf Balkonen werkelt, wie er Abdichtungen einbaut, Werkzeuge präsentiert und dabei Vor- und Nachteile erläutert.

"Menschen in Indien feiern mich"

"Ich berichte halt über viele spannende Themen", findet Münkel. Und er erhält viel Feedback. "Ich bekomme auch Rückmeldungen aus dem Ausland, aus Amerika und Russland. Es gibt Menschen in Indien, die mich feiern und mir im Gegenzug zeigen, wie sie es machen." Seine Erklärung für den Hype um ihn als Handwerker: "Die Leute lieben es, wenn man sauber und exakt arbeitet, Details beachtet und erklärt und alles gut darstellt." Und deutsches Handwerk stehe im Ausland für besondere Qualität.

Der positive Nebeneffekt für Münkel: Seit dem Durchbruch bei Instagram bekommt der Hünfelder Familienbetrieb dreimal so viele Kundenanfragen. "Für die Kunden-Akquise ist es wirklich ein tolles Tool", so der 30-Jährige.

Social Media hat Potenzial fürs Handwerk

Auch nach Ansicht der Handwerkskammer Kassel hat Social Media Potenzial für die Branche. Matthias Joseph, unter anderem zuständig für Betriebsberatungen und Neue Medien, sagt: "Der Handwerksbetrieb kann sich als moderner Dienstleister präsentieren, den Kontakt zu Kunden halten und potenzielle Neukunden auf sich aufmerksam machen." Auch für neue Shop-Optionen und die Mitarbeiter-Gewinnung sei es nützlich. Es gebe Betriebe, bei denen Instagram der einzige Vertriebskanal sei, so Joseph.

Fliesenleger Münkel spielt in diesem Bereich zudem die Pandemie in die Karten: Erlärvideos zu Handwerk seien schon immer beliebt gewesen im Netz. Doch während der Corona-Krise habe das noch einmal stark zugenommen. "Die Menschen haben viel Zeit zu Hause und begeben sich dann an das eine oder andere Projekt."

Um seinen eigenen Job fürchten, muss der Experte trotz aller guter Tipps aber dennoch nicht. "Den Keller selbst fließen - okay, kein Problem." Aber wenn es im Badezimmer absolut exakt sein müsse - da habe er bei Do-it-yourself-Versuchen schon viele scheitern gesehen.

Viel Heimarbeit nötig

Münkel erklärt gern online, wie es richtig geht. Doch im Handumdrehen ist das auch nicht gemacht. Er sitzt abends viele Stunden am Computer, bearbeitet Bilder und schneidet Videos, damit alles in der schönen Insta-Welt auch schick aussieht.

Münkel sieht sich selbst auch als Branchen-Botschafter. "Handwerker ist ein toller Beruf. Aber leider haben wir riesigen Fachkräfte-Mangel", sagt der Fliesenleger, der den Familienbetrieb mit zwölf Angestellten in vierter Generation führt. Jungen Menschen rät er: Nicht nur ans Studium denken, sondern auch eine Laufbahn als Handwerker erwägen.

Handwerker mit Fangemeinden

Münkel ist aber bei weitem nicht der einzige Handwerker, der sich und seine Arbeit bei Instagram präsentiert. Die im Sanitärwesen tätige Sandra Hunke etwa verbindet ihre Tatkraft am Bau mit Impressionen als Model, und darf sich über mehr als 50.000 Abonnenten freuen. Über 30.000 Fans hat auch Dachdeckerin Chiara. Der mit Holz und Lichttechnik arbeitende Tobi versorgt seine knapp 17.000 Follower mit optischen Eindrücken. Und "Woodworker" Andre Schwabe versucht, seine knapp 30.000 Fans mit kreativen Ideen zu inspirieren.

Sendung: hessenschau, 15.03.2021, 19.30 Uhr