Miss Hessen Silke Kopp

Seit dem Wochenende steht fest, wer die neue Miss Hessen ist: Silke Kopp aus Frankfurt, Gesundheitsökonomin und Unternehmerin. Wie sie auf die Idee kam, an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen, erzählt sie im Interview.

Silke Kopp ist seit dem 8. Dezember neue Miss Hessen. Am 15. Februar steht sie im Miss-Germany-Finale.

Die 28 Jahre alte Frankfurterin beendete im Februar ihr Studium der Gesundheitsökonomie. Schon während ihres Master-Studiums an der Hochschule RheinMain gründete sie im Jahr 2015 ihr erstes Unternehmen, eine ambulante Seniorenbetreuung. Die führt sie bis heute.

Jetzt steht die zweite Unternehmensgründung an: Zusammen mit einem Kommilitonen hat sie eine Software für Pflegeazubis entwickelt, die unter anderem die Kommunikation zwischen Schülern, Ausbildungsstätten und Schulen verbessern soll. Das Startup wird mit 100.000 Euro vom Land Rheinland-Pfalz gefördert.

Im Interview erzählt sie unter anderem, warum es bei der Miss-Hessen-Wahl keine Auftritte im Bikini gab.

hessenschau.de: Sie sind Gesundheitsökonomin, haben unter anderem ein Startup gegründet. Wie oft sind Sie inzwischen gefragt worden, warum Sie bei einer Misswahl mitmachen?

Silke Kopp: Ganz ganz oft, weil viele das nicht verstehen konnten. Ich habe tatsächlich Nachrichten bekommen von Frauen, die mir geschrieben haben: Du, Silke, ich folge dir jetzt schon so lange, du bist eine starke Frau, ziehst dein Ding durch, stehst für Female Empowerment (dt. Stärkung von Frauen, d.Red.), da passt das doch überhaupt nicht ins Konzept.

hessenschau.de: Weil Miss-Wahlen bislang eigentlich genau für das Gegenteil stehen.

Kopp: Ja, aber Gott sei Dank haben die Miss Germany Corporation ihr Konzept auf den Kopf gestellt. Motto ist jetzt "Empowering Authentic Women" (z.Dt: authentische Frauen stärken). Darin habe ich mich wiedergefunden. Die Politik ruft doch immer nach Gründerinnen und will sie speziell fördern, viele Frauen nehmen das aber nicht in Anspruch. Und ich dachte mir jetzt: Da kann ich doch über diesen Weg als Vorbild dienen, sich einfach mal etwas zu trauen.

Ich habe mir auch gedacht, ich lasse das einfach auf mich zukommen und schaue, wie die Persönlichkeit tatsächlich gewichtet wird. Wenn ich gemerkt hätte, es ist nicht das, was ich mir vorgestellt hatte, dann hätte ich meine Bewerbung zurückgezogen. Aber bis heute kann ich sagen, dass die Miss-Germany-Organisatoren das gut hinbekommen haben. Ich konnte mich als Persönlichkeit mit allen Stärken und Interessen zeigen. Ich wollte die Wahl als Plattform nutzen und bislang klappt es ganz gut (lacht).

hessenschau.de: Gab es also diesmal keine Auftritte im Bikini auf dem Laufsteg?

Kopp: Nein. Bikini-Shootings sind nicht mehr zeitgemäß und daher auch nicht mehr Bestandteil von Miss Germany. Bei den Fotoshootings und Videodrehs wird stets darauf geachtet, dass man die Kleidung trägt, in der man sich wohl fühlt, vielleicht sogar sein Lieblingskleidungsstück.

hessenschau.de: Wie passt das denn zeitlich mit der Unternehmensgründung zusammen? Vor dem Finale am 15. Februar gibt es noch ein Personality-Camp mit Workshops, Auftritten und mehr.

Kopp: Den genauen Zeitplan und auch die Inhalte haben wir noch nicht, aber ja, das wird ein straffes Programm. Aber ich habe ja noch einen Mitgründer, mit dem ich mir die Arbeit teile. Mal macht dann der eine mehr, mal der andere.

hessenschau.de: Und was ist, wenn es mit der Miss Germany klappt? Steht dann vielleicht doch eine Modelkarriere auf dem Programm?

Kopp: Neee (lacht), das wurde ich auch schon gefragt. Nein, ich bin kein klassisches Model und werde auch keine Modekarriere verfolgen. Meine Bestimmung ist eine andere. Aber ich nutze die Aufmerksamkeit, um meine Gründer-Themen anzusprechen. Warum es meiner Ansicht nach zu wenige Gründerinnen gibt, was da besser werden muss.

Seit Jens Spahn (CDU) Gesundheitsminister ist, ist immerhin viel in Bewegung. Ich bin ja Gesundheitsökonomin und möchte auch da die Wahl als Plattform nutzen, um mit falschen Vorstellungen aufzuräumen. Es gibt viele E-Health-Start-Ups, denen es aber an den passenden Rahmenbedingungen fehlt.

hessenschau.de: Wie wären die denn idealerweise?

Kopp: Da ist zum einen das Geld. Oftmals scheitert es am Geld, um Ideen umzusetzen. Schulterklopfen und Preise verteilen reicht nicht aus. Zum anderen ist es eine Mentalitätsfrage. Wir könnten uns etwas von der Mentalität abschauen, die wir in den Vereinigten Staaten erleben. Dort wird man nicht verurteilt, wenn man mit einer Idee scheitert.

Hier in Deutschland wälzt man den Business-Plan hoch und runter. Man muss profitabel sein und schon eine gewissen Anzahl an App-Downloads oder eine gewisse Höhe an Umsätzen erzielt haben, um eine ganz kleine Förderung zu bekommen. Da muss also schon der Prototyp entwickelt sein, für den man genau dieses Geld schon hätte gebrauchen können. Also, wir bräuchten vor allem etwas mehr Risikobereitschaft in Deutschland.

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Wahl zur Miss Germany

Mehr als 7.500 Frauen zwischen 18 und 39 Jahren hatten sich für die Wahl zur Miss Germany beworben, die 16 Finalistinnen treten am 15. Februar in der Europa-Park-Arena in Rust (Baden-Württemberg) gegeneinander an. Im Januar holte sich die Bürokauffrau Saida Rovcanin aus Darmstadt den Titel der Miss Hessen.

Ende der weiteren Informationen

Das Gespräch führte Sonja Fouraté.