Gescheiterte Lok-Suche
Total schockiert: Eisenbahn-Fan Volker Jenderny. Daneben ein Modell der Lok, die weiterhin verschollen ist. Bild © privat, picture-alliance/dpa, Montage: hr

Jahrzehntelang wurde geforscht - und doch scheiterte nun die Suche nach der vor 166 Jahren im Rhein versunkenen Lokomotive. Beteiligt war auch Volker Jenderny von der Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein. Im Interview berichtet er, wie es jetzt weiter geht.

Videobeitrag

Video

zum hr-fernsehen.de Video Desaster am Rhein bei Germersheim

Ende des Videobeitrags

Vor 166 Jahren versank die Dampflok "Der Rhein" bei einem Transportunfall bei Germersheim genau in dem Fluss, der ihr Namensgeber war. In der Folge gab es mehrere Ortungs- und Bergungsversuche, die allesamt misslangen. Neuere Archivfunde legten einen neuen Unfallort nahe und mehrere Messungen schienen ihn zu bestätigen - doch vor zwei Tagen stellten sich diese Messungen als falsch heraus.

Einmal geborgen, sollte die Lok als älteste Dampflok Deutschlands der Höhepunkt der Eisenbahnausstellung in der Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein sein. Volker Jenderny von der Bahnwelt war denn auch seit Januar 1993 an der Suche beteiligt. Umso größer war sein Entsetzen, dass die Schatzsuche scheiterte, wie er im Interview erzählt.

hessenschau.de: Herr Jenderny, wie geht es Ihnen einen Tag, nachdem Sie die Suche nach der verschollenen Lok eingestellt haben?

Volker Jenderny: Nach dem ersten Schock kommt man langsam ans Nachdenken, ans Überlegen. Jetzt sind wir in der Phase, in der wir nach den Ursachen suchen, warum wir an der Stelle die Lok doch nicht gefunden haben.

hessenschau.de: Gibt es schon erste Hinweise, wo der Fehler gelegen haben könnte?

Jenderny: Das können wir noch nicht sagen. Wir sortieren uns gerade, um auf Fehlersuche zu gehen, denn wir sind es nicht nur uns selbst schuldig, sondern auch all den Menschen, die unsere Geschichte mitverfolgt haben, die wir mit auf unsere Schatzsuche genommen haben.

hessenschau.de: Wie gehen Sie die Fehlersuche konkret an?

Jenderny: Das planen wir jetzt in Ruhe, Hektik wäre fehl am Platz. Außerdem müssen wir sehen, dass wir die Fehlersuche nicht unbedingt selbst betreiben, denn wir sind ja gewissermaßen befangen. Da müssen wir also unabhängige Dritte einschalten, die uns behilflich sein werden.

hessenschau.de: Aber wie kann es sein, dass Sie mehrfach eine Anomalie im Flussbett messen und diese der Lok zuschreiben können - und dann ist da nichts?

Jenderny: Das können wir uns auch nicht erklären, deswegen waren wir ja so geschockt. Deswegen haben wir derzeit noch keine vernünftige Erklärung dazu, noch nicht einmal handfeste Vermutungen. Das sind alles Dinge, die wir jetzt in den kommenden Tagen in Ruhe angehen möchten.

hessenschau.de: Sind Sie mit der Bergung zu früh an die Öffentlichkeit gegangen?

Jenderny: Nein, wir haben ja, nachdem wir zum ersten Mal den so genannten magnetischen Fußabdruck im Boden gefunden haben, uns selbst hinterfragt. Dann sind wir noch drei Mal zu verschiedenen Jahreszeiten, zu verschiedenen Wasserständen zum gleichen Ergebnis gekommen. Und das mit verschiedenen Messgeräten.

Diese vier verschiedenen Messkampagnen haben übereingestimmt - auch mit den Ergebnissen unserer Suche in Originalunterlagen unter anderem im Landesarchiv in Speyer. Das passte alles! Deswegen ist das alles noch nicht fassbar für uns, warum die Lok nicht gefunden wurde und jetzt auch nichts mehr messbar ist.

Bergungsversuch Lok im Rhein
Blick auf die Bergungsarbeiten. Bild © Volker Jenderny

hessenschau.de: Wie geht es nun weiter? Geben Sie das Projekt auf?

Jenderny: Naja, wir sind eine Gruppe älterer Herren, die 25 bis 30 Jahre an dieser Geschichte arbeiten. Wir fühlen uns natürlich verpflichtet, jetzt nach dem Fehler zu suchen. Aber das weitere Vorgehen müsste dann eine jüngere Generation übernehmen, denke ich.

hessenschau.de: Können Sie schon beziffern, was die Suche gekostet hat?

Jenderny: Die Kosten hatten wir ursprünglich - für die gesamte Suche, die Bergung, den Transport und erste Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen - mit 500.000 Euro kalkuliert, grob geschätzt. Dieser Betrag war natürlich noch nicht zusammen, wir haben einen solchen Betrag auch jetzt noch nicht "verarbeitet".

Das müssen wir bei der Endabrechnung sehen, die noch kommen wird. Wir müssen vor Ort erst einmal den Urzurstand im Rhein wiederherstellen, das heißt, die Steinbuhne wieder zurück bauen. Das wird alles noch 14 Tage, drei Wochen dauern. Dann muss es von den Behörden abgenommen werden und dann erst werden wir eine Endabrechnung haben.

hessenschau.de: Sie haben ja auch Spenden für die Bergung gesammelt.

Jenderny: Das Spendensammeln haben wir natürlich eingestellt. Wir können ja nicht mehr um Spenden für eine Aktion bitten, die wir gestoppt haben. Wenn es mal weiter gehen sollte, wird man wieder an die Öffentlichkeit gehen.

hessenschau.de: Reißt die Aktion ein Loch in die Kasse des Museums?

Jenderny: Ja, das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein ist ehrenamtlich geführt. So etwas hat man nicht in der Portokasse. Das ist klar. Da wird mit Sicherheit noch einiges hängen bleiben, was wir zahlen müssen. Aber damit haben wir auch durchaus gerechnet und wir waren bereit dazu, dieses große Abenteuer Lokbergung anzugehen. Wir fühlen uns als Eisenbahnmuseum eigentlich verpflichtet, einen solchen historischen Schatz zu bergen und der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

hessenschau.de: Sind auch öffentliche Gelder geflossen?

Jenderny: Nein, Steuergelder sind keine geflossen. Die Lok steht ja im Eigentum des Landes Rheinland-Pfalz - wenn sie denn geborgen ist. Wir hatten einen Leihvertrag abgeschlossen, dass die Lokomotive für 25 Jahre nach Bergung in das Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein kommen kann. Das ist ja nun leider nicht akut, aber das ist die Unterstützung, die wir von öffentlicher Hand erfahren haben.

Das Gespräch führte Sonja Fouraté.