Ali B. wird von Beamten einer Spezialeinheit zu einem Polizeihubschrauber gebracht.
Ali B. wird von Beamten einer Spezialeinheit zu einem Polizeihubschrauber gebracht. Derzeit sitzt der 21-Jährige in Untersuchungshafaft. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Rückführung des Verdächtigen im Mordfall Susanna nach Deutschland führt zu diplomatischem Ärger. Iraks Regierung fühlt sich übergangen. Die Aktion könnte auch ein juristisches Nachspiel haben.

Die irakische Regierung hat die Übergabe des Tatverdächtigen im Fall Susanna an Deutschland als Rechtsverstoß kritisiert. Es gebe zwischen beiden Ländern kein Abkommen über eine Auslieferung von gesuchten Personen, teilte das Außenministerium in Bagdad am Mittwochmorgen mit.

Den Verstoß hätten sowohl die kurdische Regionalregierung als auch Deutschland begangen. Einzig das Justizministerium der irakischen Zentralregierung in Bagdad habe die Befugnis für einen Austausch von Gesuchten.

Per Lufthansa-Flug nach Frankfurt

Ali B. soll die 14 Jahre alte Susanna aus Mainz in Wiesbaden vergewaltigt und dann getötet haben. Der Verdächtige war nach der Tat in die kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak geflohen und dort festgenommen worden.  Kurdische Sicherheitskräfte übergaben ihn am Samstag in der Regionalhauptstadt Erbil deutschen Polizeibeamten, die ihn in einer Lufthansa-Maschine nach Frankfurt brachten.

Dieter Romann, Chef der Bundespolizei, war persönlich in den Nordirak geflogen, um den Verdächtigen abzuholen. Gegen ihn und alle anderen beteiligten Bundespolizisten hat ein Karlsruher Anwalt Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung erstattet.

Unerträglich oder heldenhaft?

Der Jurist sagte Spiegel Online zur Begründung, das Vorgehen der Behörden sei "unerträglich", da weder ein internationaler Haftbefehl noch ein Auslieferungsersuchen aus Deutschland vorgelegen habe. Von der "Bild"-Zeitung war Romann dagegen auf der Titelseite als "Held" gefeiert worden.

Ali. B. sitzt seit Sonntag in Frankfurt in Untersuchungshaft. Er war nach der Tat mit seiner Familie über die Flughäfen Düsseldorf und Istanbul in den von Kurden kontrollierten Nordirak ausgereist.

Erhitzte Asyldebatte

Die Leiche des zuvor vermisst gemeldeten Mädchens war am Rande eines Gewerbegebiets in Wiesbaden-Erbenheim gefunden worden - in einem mit Ästen bedeckten Erdloch. Der Fall hat bundesweit für Empörung gesorgt und eine Debatte über die Flüchtlingspolitik ausgelöst.

Der Tatverdächtige war als Asylbewerber ins Land gekommen. Sein Antrag wurde bereits 2016 abgelehnt. Ali B. konnte anschließend in einer Wiesbadener Flüchtlingsunterkunft bleiben, weil er gegen die Ablehnung Klage einreichte, über die noch nicht entschieden wurde. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte deshalb nach dem Mord angekündigt, abgelehnte Flüchtlinge schneller abschieben zu lassen.

Über das Alter des mutmaßlichen Mörders herrschte Unklarheit. Die Behörden gehen inzwischen aufgrund einer Bestätigung durch das irakische Konsulat davon aus, dass er 21 Jahre alt ist. Bei einer Verurteilung kann er dann nicht mehr nach dem milderen Jugendstrafrecht verurteilt werden, das je nach Einzelfall auch noch für Angeklagte im Alter von 18 bis 20 Jahren angewendet werden kann.

Ali B. hatte die Tötung gestanden. Er bestreitet aber eine Vergewaltigung.

Sendung: hr-iNFO, 13.06.2018, 10.00 Uhr