Das Oberlandesgericht in Frankfurt von außen.

Vor Journalisten packte sie bereits aus. Nun hat eine ehemalige IS-Kämpferin vor dem Oberlandesgericht Frankfurt über ihre Zeit in Syrien ausgesagt. Zu den selbsternannten Glaubenskriegern fand sie deutliche Worte.

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hessenschau vom 14.06.2021
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Eine mutmaßliche IS-Rückkehrerin muss sich vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt verantworten. Der 32-Jährigen wird vorgeworfen, in Syrien Mitglied einer ausländischen terroristischen Vereinigung gewesen zu sein sowie Kriegsverbrechen und Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz begangen zu haben.

Die Hauptverhandlung vor dem Staatsschutzsenat des OLG begann am Montag. Laut Anklage hielt sich Kim Teresa A. mit ihrem Ehemann von Ende Juni 2014 bis Sommer 2016 in Syrien auf und schloss sich in diesem Zeitraum dort dem sogenannten Islamischen Staat (IS) an. Zudem soll die Angeklagte ein Sturmgewehr besessen haben.

Angeklagte zum IS: "Ich habe die Nase voll"

Kim Teresa A. wurde nach ihrer Rückkehr nach Deutschland im Oktober vergangenen Jahres festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Zunächst sind elf Verhandlungstage bis Mitte Juli angesetzt. Verteidigt wird die Angeklagte außer durch eine Verteidigerin von dem Anwalt und Linken-Politiker Gregor Gysi.

Am Montag machte die 32-Jährige zunächst Angaben zu ihrer Person. Nach erheblichen Schwierigkeiten im Elternhaus, dem vorzeitigen Ende der Schulausbildung und der gescheiterten ersten Ehe habe sie sich mit dem IS-Mitglied zusammengetan, "um Heimat und Familie zu haben". Mittlerweile aber wisse sie, dass sie sich in den Dienst einer "selbsternannten Elite der Gläubigen" begeben habe, die in Wirklichkeit "die größten Unmenschen gewesen sind. Ich habe die Nase voll von der Menschheit."

Der ihr nach islamischem Ritus angetraute Ehemann soll Kämpfer beim IS gewesen sein. Die Angeklagte soll mit ihm an verschiedenen Orten in Syrien zusammengelebt haben. Dabei soll sie seine Tätigkeit unterstützt haben, indem sie ihm den Haushalt führte, ihn versorgte und im Krankheitsfall pflegte. An den Einsatzorten soll das Paar in vom IS besetzten Unterkünften gewohnt haben, deren rechtmäßige Bewohner vertrieben, inhaftiert oder getötet worden seien.

Aussage wird am Donnerstag fortgesetzt

Die Angeklagte hat auch in dem Buch "Maryam A.: Mein Leben im Kalifat: Eine deutsche IS-Aussteigerin erzählt" des Autors Christoph Reuter ihre Erlebnisse geschildert. Bei dem Namen Maryam A. handelt es sich um ein Pseudonym.

Aufgrund der äußerst umfang- und wortreichen Ausführungen der Angeklagten zu ihrem Werdegang war am ersten Verhandlungstag keine Zeit mehr für Angaben zu der Ausreise und dem Aufenthalt in Syrien. Dazu will die Angeklagte am Donnerstag aussagen.

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