Mountainbike Singletrail

Ein Mountainbike-Großprojekt soll Touristen nach Waldeck-Frankenberg locken. Dafür sollen 200 Kilometer neue Trails durch den Wald gebaut werden. Bei Naturschützern und Jägern sorgen die Pläne für Kritik.

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Audioseite Kritik am geplanten "Grenztrail" in Waldeck Frankenberg

E-Mountainbikerin fährt durch den Wald.
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Auf dem E-Bike steile Berge auch ohne viel Anstrengung erklimmen oder Trails runterrasen, zwischendurch eine kleine Rast mit Blick ins hessische Sauerland: Waldeck Frankenberg will attraktiver werden für Mountainbiker und schafft dafür den "Grenztrail":

200 Kilometer neue Trails im Wald, dazu rund 200 Kilometer Verbindungsstrecken - zusammen mit bestehenden Wegen soll so Europas größtes zusammenhängendes Wegenetz auf insgesamt 650 Kilometer Strecke entstehen. Die geschätzten Baukosten liegen bei 20 Millionen Euro.

Beworben wird das vom Landkreis mit dem Versprechen, "Mountainbiken boomt". Der "Grenztrail" sei eine "Investition in die Zukunft" des nordhessischen Landkreises.

Touristen sollen nicht nur aus Hessen anreisen, sondern auch aus den weniger mountainbiketauglichen Ländern Niederlande, Dänemark und Belgien. Aber schon bevor es richtig losgeht mit der Planung, haben sich Naturschützer und Jäger gegen das Mammutprojekt ausgesprochen.

Naturschützer: Radfahrer wie ein jagender Wolf

Heinz-Günther Schneider ist im Vorstand beim Naturschutzbund (Nabu) Frankenberg und sieht den Wald bedroht durch das Projekt, wenn künftig geschätzt 80.000 Radler pro Jahr durch Gebiete fahren könnten, die bisher nur Waldarbeiter betreten:

"Wir sind ein Hotspot für den Schwarzstorch zum Beispiel. Die Wildkatze ist hier heimisch, viele Greifvögel brüten hier. Und die brüten natürlich nicht neben den Waldwegen, sondern in den bisher ruhigen Zonen".

Gerade Radfahrer würden Tieren im Wald Angst machen. Sie seien besonders leise und gleichzeitig sehr schnell. Bei Wanderern, die sich unterhalten, hätten die Tiere noch Zeit sich rechtzeitig zurückzuziehen. Fahrradfahrer hingegen wirkten auf die Wildtiere "ähnlich einem Wolf, der zugreifen will".

In Waldeck-Frankenberg haben 14 von 22 Gemeinden zugesagt, mitzumachen, derzeit läuft die Suche nach passenden Korridoren. Beim "Grenztrail" sollen 200 Kilometer Trails und Singletrails mit maximal zwei Meter Breite durch den Wald führen, dazu müssten voraussichtlich noch mal 200 Kilometer Verbindungswege gebaut werden.

Zu viel, sagen Nabu und der Kreisjagdverein, die sich bei ihrer Kritik an den Plänen zusammengetan haben. Sie fordern eine Halbierung der geplanten neuen Strecken und die vermehrte Nutzung von bereits vorhandenen Waldwegen. Heinrich Engelhard von der Jägervereinigung Frankenberg kritisiert, dass die Natur "nur noch eine Kulisse darstellen soll und ohne Rücksicht auf die Folgen vermarktet wird".

Landkreis: Chance für die Natur

Der Landkreis sucht aktuell noch nach Gebieten, die in Frage kommen, anschließend wolle man sich natürlich auch mit Gruppen wie dem Nabu und den Jägern austauschen, um zu sehen, wo die Trails langlaufen können.

Karl-Friedrich Frese, Erster Kreisbeigeordneter von der CDU, sieht die positiven Seiten: Die Trails könnten eine Chance für die Natur sein, weil Radfahrer und Wanderer im Wald auf Wegen kanalisiert werden können und das Wegenetz regelmäßig gepflegt wird.

"Wir wollen Radfahrer auf diese Strecken lenken und so die Natur in anderen Bereichen auch vor ungeliebten Gästen schützen." Illegale Mountainbike-Trails sind an vielen Orten ein Problem für den Forst.

Die Kosten für den "Grenztrail" von 20 Millionen Euro werden mit 13 Millionen vom Land Hessen gefördert, dazu kommen Gelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Das Land will damit auch die regionale Wirtschaft fördern und dem Tourismus in Nordhessen "spürbare Impulse verleihen", versprach Wirtschaftsminister Tarel Al-Wazir (Grüne). Die Erhaltung des Wegenetzes soll jährlich einen fünfstelligen Betrag kosten.

Mountainbiker: "Rundum eine gute Sache"

Einen Pilotversuch soll es in Korbach geben. Da lebt und radelt Otto Brocke vom Radverein Korbach jährlich rund 12.000 Kilometer - am liebsten durch den Wald. Aktuell treffe er auch coronabedingt immer mehr Radfahrer im Wald, dank dem E-Bike gebe es auch viele, die sonst nicht in der hügeligen Landschaft unterwegs wären.

Brocke freut sich, dass das Mountainbiken durch den "Grenztrail" künftig erleichtert werden könnte. Gerade für Leute, die sich nicht gut auskennen in der Gegend sei die Suche nach den Wegen oft eine "Trial-and-error-Geschichte".

Da helfe der "Grenztrail", also eine vorgegebene Route, die ausgeschildert ist, ähnlich wie bei Wanderwegen. "Die sind ja auch ausgeschildert, und das ist gut, damit die Leute nicht kreuz und quer durch den Wald rennen."

Eine schöne Strecke, mit Aussichtspunkten, geordneten Wegen, findet Brocke die richtige Lösung. Dann fänden die Mountainbiker zum Ziel - und störten Wanderer und Tiere nicht so sehr. "Rundum eine gute Sache", sagt Brocke. Gegenseitige Rücksichtnahme und ordentliches Benehmen gelte im Wald ohnehin für alle. "Ein ruhig daherradelnder Biker stört niemanden."

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