Frau mit Maske steigt in eine Bahn, an deren Tür ein großes gelbes Schild mit "3G-geimpft, getestet, genesen" klebt.

Wenn sie nicht geimpft oder genesen sind, müssen Fahrgäste in Bus und Bahn einen negativen Corona-Test vorlegen. Bei Kontrollen in Darmstadt und Frankfurt verstießen rund zehn Prozent gegen diese Regel. Gewerkschafter fordern mehr Unterstützung von der Polizei.

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hs
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Seit Mittwoch vergangener Woche dürfen Fahrgäste Busse, Züge und Straßenbahnen nur noch betreten, wenn sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Die entsprechenden Nachweise sollen "stichprobenartig" kontrolliert werden - und zwar von den Verkehrsgesellschaften selbst. So sieht es das Infektionsschutzgesetz vor. Bloß: Ob deren Kapazitäten für die 3G-Kontrollen reichen, ist umstritten.

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sind die zusätzlichen Kontrollen für die Fahrkartenkontrolleure kaum zu leisten. Die Gewerkschaften forderten am Mittwoch in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass ausgebildetes Sicherheitspersonal die Kontrolleure unterstützt.

"Verängstigtes Personal"

Dabei gehe es auch um die Sicherheit der Mitarbeiter: Bereits die Einführung der Maskenpflicht habe zu verbalen und körperlichen Angriffen gegen das Personal geführt, sagte Andreas Güth, Leiter der EVG-Geschäftsstelle Kassel. Seitdem sei es "eher schlimmer" geworden. "Kolleginnen und Kollegen sind regelrecht verängstigt, was sich negativ auf ihre körperliche und psychische Gesundheit auswirkt", sagte Güth.

Die Gewerkschaften befürchten: Die 3G-Kontrollen könnten dazu beitragen, dass die Mitarbeiter weiterer Gewalt ausgesetzt würden, ohne für solche Situationen ausgebildet zu sein. Die Fahrkartenkontrolleure könnten nicht auch noch die Strafverfolgung von Testverweigerern übernehmen. Dazu seien sie nicht qualifiziert.

37 Verstöße in Darmstadt

In der Darmstädter Innenstadt hatte die Polizei alleine am Dienstagnachmittag rund 350 Fahrgäste kontrolliert. 37 von ihnen hatten keinen gültigen 3G-Nachweis und müssen nun Bußgelder zahlen, wie die Polizei mitteilte.

Von der Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) hieß es auf Anfrage, die Menge der Verstöße liege "unter zehn Prozent". Unterstützung gebe es von Landes- und Stadtpolizei, aber die Zahl der für die Kontrollen eingesetzten Mitarbeiter schwanke. Meldungen über angefeindetes Personal lägen nicht vor.

Kontrollen nur im Team

Eine Sprecherin der Hessischen Landesbahn nannte eine "niedrige Häufigkeit" von Verstößen, Zahlen dazu gebe es noch nicht. Sie hoffe, dass sich die Mehrheit zum Schutz aller Fahrgäste an die Verordnung halte. Die Kontrollen in den Bussen und Bahnen seien allerdings "nur durch geschultes Sicherheitspersonal machbar".

Man habe dazu "Sicherheitspatenschaften" mit Polizei, Ordnungskräften und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gebildet, teilte die Landesbahn-Sprecherin weiter mit. Die Ordnungskräfte sind demnach nur im Team unterwegs, wenn sie in den Bahnen kontrollieren.

Keine großen Diskussionen

Auch der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) berichtete, mit den 3G-Kontrollen sei externes Sicherheitspersonal beauftragt worden. Ein Zweierteam habe in der vergangenen Woche begonnen, neun weitere Teams sollen bis Mitte nächster Woche folgen. Zeitweise gebe es auch gemeinsame Aktionen mit der Landespolizei.

Bisher würden die Kontrollen "sehr positiv" aufgenommen. Der Anteil der Fahrgäste, die keinen Test oder Impfausweis vorlegen konnten, liege aktuell nur bei ein bis fünf Prozent. Sie hätten die Fahrzeuge "ohne große Diskussion" verlassen.

Polizei in Gießen und Wiesbaden zufrieden

Die Polizei in Gießen zog eine positive Bilanz nach einer 3G-Kontrollaktion im Nahverkehr. Von 300 kontrollierten Fahrgästen hätten nur zehn keinen gültigen Nachweis gehabt. Gegen sie würden Bußgeldverfahren eingeleitet. Verstöße gegen die Maskenpflicht habe es keine gegeben.

Eine ähnliche Größenordnung an Verstößen stellte die Wiesbadener Polizei bei Kontrollen am Dienstag fest. Zwischen 8.30 Uhr und 12 Uhr seien im Stadtgebiet an Bushaltestellen und in Bussen rund 360 Personen kontrolliert. Es habe keine Verstöße gegen die Maskenpflicht gegeben, 16 Personen hatten keinen gültigen Negativnachweis bei sich.

Bahn: "Fahrgäste sind informiert"

Ähnlich positive Erfahrungen machten nach eigenen Angaben die Darmstädter HEAG mobilo bei ihren Kontrollen. Und auch eine Sprecherin der Deutschen Bahn teilte mit, bisher habe es bei den Kontrollen keine Probleme gegeben.

"Unser Eindruck ist: Die Fahrgäste sind informiert und führen die Nachweise mit sich." Insgesamt seien 9.000 Sicherheitsleute und Kontrolleure auf 400 Verbindungen in allen Bundesländern im Einsatz.

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