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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Vornamen werden immer ausgefallener

Babys im Krankenhaus

Die beliebtesten Vornamen sind seit Jahren Sophie und Emma oder Noah und Paul. Zunehmend wählen Eltern aber exotische Namen für ihre Kinder oder erfinden gleich selbst welche. Ob die Namen zulässig sind, hängt von klaren Faktoren ab.

Für die meisten Eltern soll der Vorname des Kindes etwas ganz Besonderes sein. Da werden Bücher gewälzt oder Internetportale durchforstet - und auch mal die eigene Fantasie bemüht. "Man stellt schon fest, dass die Eltern mehr Energie als früher in die Wahl des Vornamens stecken", sagt Namensexpertin Frauke Rüdebusch von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden. Die Folge: Es gibt immer mehr Vornamen. "Wir haben knapp zehn Millionen einzelne Namen in unserer Datenbank, und jedes Jahr kommt gut eine Million neue Namen hinzu", sagt sie.

Ganz vorne liegen gewöhnliche Namen

Das schlägt sich bislang zwar nicht in den Hitlisten der beliebtesten Vornamen durch: So dürften laut einer Prognose der GfdS im vergangenen Jahr die Spitzenreiter Emma, Mia und Lina bei Mädchen sowie Paul, Leon und Felix bei Jungen gewesen sein - Namen, die es neben Sophia/Sophie und Hanna beziehungsweise Noah und Henri/Henry auch schon in den vergangenen Jahren zu großer Beliebtheit brachten.

Doch die Standesämter und die Namensexperten der Gesellschaft für deutsche Sprache beschäftigen die Exoten zunehmend: neu geschöpfte Vornamen wie Bennimilia, Jisildis, Julix, Laurelie oder Sonek beispielsweise.

Wichtig: Es soll klingen wie ein Name

"Die klingen wie Namen, und man erkennt auch in der Regel, ob es ein Name für ein Mädchen oder einen Jungen ist", sagt Linguistin Rüdebusch. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für die Anerkennung eines Fantasienamens. Nicht immer schaffen es Vornamen in die Liste der Standesämter: In Zweifelsfällen werden dann oft die Namensforscher der GfdS um Rat gefragt.

Sie prüfen - und empfehlen manchmal eine Ablehnung, wie Rüdebusch berichtet. Zum Beispiel bei Kiddo, Maybee, Berate und Churasko. Auch Städtenamen wie London oder Berlin sieht die Expertin kritisch. Diese Namen seien aber von manchen Standesämtern schon eingetragen worden.

Täglich bis zu zehn Anfragen

Pro Tag gehen bei der Namensberatungsstelle der GfdS fünf bis zehn Anfragen ein, darunter oft zu ausländischen Namen, die in Deutschland bislang nicht bekannt sind. Das "Internationale Handbuch der Vornamen" sei sehr westlich geprägt. Mit den Zuwanderern etwa aus arabischen Ländern komme nun eben "ein neuer Namensschatz" hinzu, sagt Rüdebusch. Diese Namen würden genehmigt. So rangierte Mohammed zum Beispiel 2019 bereits unter den Top 3. Für 2020 ist die Auswertung der Standesamtlisten noch nicht abgeschlossen.

Die Anfragen kommen sowohl von Standsämtern als auch von Privatpersonen. Haben die Prüfer keine Einwände, erstellen sie für Privatleute gegen Gebühr ein Gutachten, das den Weg frei macht für den exotischen Namenswunsch. Fast immer folge das Standesamt der Unbedenklichkeitsempfehlung der GfdS, sagt Rüdebusch.

Name darf keinen Anstoß erregen

Ein gewichtiger Grund, warum ein ungewöhnlicher Namensvorschlag abgelehnt wird, sei, dass dieser das Kindeswohl zu beeinträchtigen drohe. So darf ein Name keinen Anstoß oder Befremden erregen, die Namensträgerin oder den Namensträger der Lächerlichkeit preisgeben oder in der Entfaltung der Persönlichkeit beeinträchtigen.

Bei den Anfragen, die bei der GfdS eingingen, würden zwischen fünf bis zehn Prozent nicht empfohlen, berichtet Rüdebusch: "Lamborghini haben wir abgelehnt. Ebenso wie Corvette, Borussia und Lucifer. Oder Namen wie König, Graf oder Prinz." Adelsbezeichnungen gingen prinzipiell nicht.

Bei rund der Hälfte der Ablehnungen werde mit den Eltern ein Kompromiss erarbeitet, sagt die Expertin: "Statt Berate haben wir Berata vorgeschlagen." Im Schnitt belaufe sich die Zahl der Namen, die in einem Jahr deutschlandweit nur ein Mal vergeben werden, auf fünf Prozent.

Kinder wollen eigentlich ganz normal heißen

Mit der Wahl eines ungewöhnlichen Vornamens wollten Eltern ein Alleinstellungsmerkmal für ihr Kind erreichen, sagt Rüdebusch. Sie empfehle dann aber immer noch einen zweiten, etwas gewöhnlicheren Vornamen, auf den das Kind zurückgreifen könne, falls es problematisch werden sollte. "Bei Kindern ist es ganz häufig so: Die wollen gar nicht auffallen oder herausstechen, die wollen mit der Menge mitschwimmen."

Nicht von ungefähr also rangierten bei den 2019 vergebenen Zweitnamen in Hessen Sophie, Marie und Maria beziehungsweise Alexander, Maximilian und Karl ganz vorne.

Sendung: hr1, 22.02.2021, 9 Uhr