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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hirnschäden nach Antibiotika-Infusion: eine Million Euro Schmerzensgeld

Kind bekommt Infusion

Dem Einjährigen sollte nur eine Infusion gegeben werden, heute ist der Junge schwerbehindert: Das Landgericht Limburg hat ihm nun eine Million Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Die Richter gingen weit über die Forderung der Kläger hinaus.

Fast zehn Jahre ist es her, dass es im Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus zu der tragischen Verkettung von Ereignissen kam, in deren Folge ein einjähriges Kind schwere Hirnschäden erlitt. Das Landgericht Limburg sprach dem heute zehnjährigen Jungen nach jahrelangem Rechtsstreit ein Schmerzensgeld in Höhe von einer Million Euro zu, wie das Gericht am Montag mitteilte. Es verurteilte die Klinik, die behandelnde Krankenschwester und eine Belegärztin zudem dazu, zusätzlich alle künftig entstehenden weiteren Folgekosten zu tragen.

Apfelstück aus Angst vor Behandlung verschluckt

Der damals 14 Monate alte Junge war 2011 kurz vor Weihnachten wegen eines Infekts ins Krankenhaus gekommen. Dort sollte ihm über einen Venenzugang ein Antibiotikum verabreicht werden. Nach Angaben des Gerichts regte sich der Einjährige darüber so auf, dass er sich an einem unmittelbar zuvor gegessenen Stück Apfel verschluckte und zu ersticken drohte.

Laut Gericht hätte die zuständige Krankenschwester angesichts der Situation mit der Medikamentengabe warten müssen. Sie habe bei dem Vorfall damit rechnen müssen, dass das kleine Kind zu schreien beginnen und sich an dem gerade verzehrten Apfel verschlucken könnte.

"Schädliche Rettungsmaßnahmen"

Die daraufhin vom Klinikpersonal ergriffenen Rettungsmaßnahmen waren dem Gericht zufolge zudem fehlerhaft und erwiesen sich sogar als "schädlich". Der Junge konnte zwar reanimiert werden, erlitt aber gravierende Hirnschäden und ist seither schwerbehindert.

Das Gericht ging mit seinem Urteil aus eigenem Antrieb erheblich über die Forderung der Klägerseite hinaus, die eine Mindestsumme von 500.000 Euro verlangt hatte. Es begründete seine Entscheidung insbesondere mit den dramatischen gesundheitlichen Folgen für den Betroffenen.

Der Junge könne aufgrund seiner Hirnschäden ein "auch nur näherungsweise normales Leben nie führen". Er könne nicht sprechen, nicht laufen, sich kaum bewegen, nicht selbst essen und seine Gefühle und Gedanken nur eingeschränkt äußern. Er müsse rund um die Uhr betreut und versorgt werden, selbst Essen und Schlafen seien für ihn aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigen mit Angstzuständen verbunden.

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