Zwei Wasserwerfer stehen am Friedrichsplatz in Kassel. Im Hintergrund ist die Fußgängerzone zu sehen.

Die "Querdenker"-Demonstration in Kassel war zwar verboten. Trotzdem stand am Samstag vorsorglich ein großes Polizeiaufgebot in der Stadt bereit, um Ausschreitungen wie Ende März vorzubeugen. Am Ende demonstrierten nur wenige.

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Wer am Samstag durch die Kasseler Innenstadt ging, sah es deutlich: Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, auch Wasserwerfer stehen vorsorglich bereit. Die genaue Zahl der Kräfte wollte eine Sprecherin nicht nennen, sie liege aber im "niedrigen vierstelligen Bereich". Aus neun Bundesländern reisten sie an, um die hessischen Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen.

Anlass für den Großeinsatz waren mehrere mögliche Demonstrationen. Zwar hatten die Gerichte ein Verbot der "Querdenker"-Proteste, das die Stadt erlassen hatte, am Freitag bestätigt - die Gegendemonstrationen wurden aber zugelassen. Und auch auf die Einhaltung des Verbots wollte sich die Polizei - nach einem viel kritisierten Einsatz bei einer "Querdenker"-Demo in Kassel Ende März - nicht verlassen.

Festnahme nach Hitlergruß

Doch die Lage blieb ruhig, nur wenige Protestierende waren am Nachmittag in der Stadt unterwegs. Die Polizei sprach von etwa 65 Gegendemonstrantinnen und -demonstranten am Altmarkt, am Friedrichsplatz zählte sie rund 15. Beide Kundgebungen gingen am Nachmittag friedlich zuende.

Vor allem aber blieben größere Versammlungen von Gegnern der Corona-Politik aus, sagte ein Polizeisprecher. Lediglich einzelne Anhängerinnen und Anhänger der "Querdenker"-Bewegung wurden in der Stadt gesichtet.

Auf Twitter berichtete die Polizei von einem Zwischenfall mit möglicherweise rechtem Hintergrund: Eine Person habe den Kollegen den Hitlergruß gezeigt. Ob ein Zusammenhang mit den Versammlungen bestehe, sei offen. Man habe denjenigen festgenommen. Im Rahmen der Kontrollen sei noch ein weiterer Mensch festgenommen worden.

An einer unserer Kontrollstellen zeigte eine Person unsere Kolleg. den Hitlergruß. Ob ein Zusammenhang zu den heutigen Versammlungslagen besteht, ist offen. Wir haben die Person festgenommen. Straftaten werden von uns konsequent verfolgt! #ks1906

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Maskenpflicht und Sperrungen

Die Polizei beobachtete die Lage mit einem Hubschrauber und einer Drohne auch aus der Luft. Per Lautsprecherdurchsage machte sie auf die eigens für dieses Wochenende angeordnete Maskenpflicht in einigen Bereichen aufmerksam.

Wegen der Vorkehrungen kam es bis zum späten Nachmittag in der Innenstadt zu Verkehrsbehinderungen. Mehrere Straßen waren gesperrt, einige Tram- und Buslinien wurden laut den Kasseler Verkehrsbetrieben KVG umgeleitet. Inzwischen rollt der ÖPNV wieder normal.

"Querdenker"-Demo verboten, Gegendemo erlaubt

Die Stadt hatte die geplanten Veranstaltungen von "Querdenkern" und Gegendemonstranten mit insgesamt mehr als 3.500 angekündigten Teilnehmern verboten. Als Grund nannte sie das gesteigerte Infektionsrisiko beim Zusammentreffen vieler Menschen. Die Gerichte bestätigten das Verbot der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen, kippten jedoch das Verbot der Gegendemonstrationen. Sowohl der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) als auch das Verwaltungsgericht in Kassel begründeten ihre Entscheidungen vor allem mit den Erfahrungen vorheriger "Querdenker"-Versammlungen am 20. März in Kassel.

Damals waren bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen mehr als 20.000 Teilnehmer durch die Stadt gezogen. Erlaubt waren nur 6.000. Viele von ihnen hielten sich nicht an die gerichtlich festgesetzten Auflagen wie die Maskenpflicht. Teilweise kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Polizeikräfte und Demonstranten der Kundgebung "Freie Bürger Kassel - Grundrechte und Demokratie" geraten aneinander.

"Erfahrungen miteinbeziehen"

Der Polizei wurde später vorgeworfen, die Lage falsch eingeschätzt zu haben und zu zurückhaltend aufgetreten zu sein. Auch gab es Kritik am Umgang der Beamten mit Gegendemonstranten. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte den Einsatz verteidigt und das Vorgehen der Polizei als "dialogorientiert" bezeichnet.

In dieser Woche hatte die Polizei mitgeteilt, sie wolle auch Erfahrungen aus dem Einsatz am 20. März in Kassel noch einmal besonders reflektieren und in die aktuellen Vorbereitungen miteinbeziehen. Laut einer Sprecherin sind am Samstag mehr Polizistinnen und Polizisten im Einsatz als Ende März.

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