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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Urteil nach Klippensturz in Italien

Der Hafen von Sanremo in Italien mit Bergen im Hintergrund.

Eine Studentin aus Kassel wird im Italien-Urlaub von einer Klippe gestoßen und liegt wochenlang im Koma. Jetzt ist der Täter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Allerdings ist der Mann derzeit nicht auffindbar.

Der Angeklagte muss wegen des Vorfalls für gut fünf Jahre ins Gefängnis. Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag aus der ligurischen Provinzhauptstadt Imperia. Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die acht Jahre Haft gefordert hatte. Der Mann saß zeitweise im Gefängnis, war dann aber wieder freigekommen. Der Mittdreißiger ist den Angaben zufolge derzeit flüchtig.

Die damals 21 Jahre alte Alena S., die aus Kassel stammt und in Marburg studierte, war im Sommer 2018 von einer 50 bis 70 Meter hohen Klippe im Küstenort Sanremo gestürzt. Dabei verletzte sie sich so schwer, dass sie drei Wochen lang im künstlichen Koma lag. Erst zwei Stunden nach dem Sturz war sie von der Strandaufsicht entdeckt worden.

Verteidigung spricht von Unglück

Die Verteidigung des Angeklagten hatte im Prozess auf Freispruch aus Mangel an Beweisen plädiert. Dem Beschuldigten wurden am Ende ein versuchter sexueller Übergriff, fahrlässige Körperverletzung und Drogenvergehen vorgeworfen. Ein ursprünglicher Verdacht auf einen Mordversuch war im Laufe des Verfahrens fallengelassen worden.

Der Mann soll versucht haben, der Urlauberin Drogen zu verabreichen und sie sexuell zu missbrauchen. Er hatte laut seinem Anwalt von einem "Unglück" gesprochen. Dem Ansa-Bericht zufolge soll das Opfer geflohen sein, dann sei es zu dem Sturz gekommen.

Opfer traumatisiert

Die Kasselerin leidet bis heute unter den Folgen des Klippensturzes. Wie ihre Mutter dem hr zum Prozessauftakt im vergangenen Jahr sagte, fällt ihr das Laufen immer noch schwer. Außerdem sei sie psychisch traumatisiert und könne nicht über den Fall sprechen. Die Studentin wohne zwar in einer eigenen Wohnung, sei aber auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen.

Die Frau war Anfang 2019 von der Kasseler Polizei zum Geschehen vernommen worden. Persönlich nahm die Familie nicht an dem Prozess teil, sie wurde von einem italienischen Anwalt vertreten.

Sendung: hr-iNFO, 05.05.2021, 9.00 Uhr