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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mainfähre Mühlheim vor dem Aus

Die Mainfähre hat sich am Ufer bei Mühlheim festgefahren.

Die fast 120-jährige Geschichte der Mainfähre Mühlheim steht kurz vor ihrem Ende. Für einen Weiterbetrieb sieht der Kreis Offenbach keine Möglichkeit. Der Kreisausschuss hat jetzt die Einstellung des Betriebs empfohlen.

Das war es wohl endgültig für die Mainfähre zwischen Mühlheim (Offenbach) und Maintal-Dörnigheim. Der Kreisausschuss des Landkreises Offenbach hat dem Kreistag empfohlen, den Fährbetrieb nach 116 Jahren einzustellen. Der Kreistag muss dem am 24. Juni noch zustimmen.

Kein geeigneter Betreiber in Sicht

Gemeinsam mit dem Main-Kinzig-Kreis und den Städten Maintal und Mühlheim habe man nach einer Lösung gesucht, heißt es in einer Mitteilung des Kreises - vergeblich. Größtes Problem war dabei, dass kein geeigneter Betreiber gefunden werden konnte.

Der Betrieb der Fähre sei technisch anspruchsvoll, hieß es. Und für die Suche nach Fährleuten mit Patent gebe es keinen Markt. Ein Versuch mit einem branchenfremden Interessenten war im Sommer 2019 schon nach kurzer Zeit gescheitert.

Eigenbetrieb würde Haushalt über 180.000 Euro belasten

Für einen Betrieb der Fähre in Eigenregie gibt es wirtschaftliche und bürokratische Hürden. So sei bei optimistischer Kalkulation ein voraussichtliches Defizit von 183.000 Euro jährlich zu erwarten, teilte der Kreis mit.

Zudem schreibt die Hessische Gemeindeordnung vor, dass sich eine Gemeinde nur dann wirtschaftlich betätigen darf, wenn der angestrebte Zweck nicht ebenso gut durch einen privaten Dritten erfüllt werden kann. Und nur vier Kilometer weiter kommt die privat betriebene Mainfähre Rumpenheim ganz ohne öffentliche Zuschüsse aus. Eine intensive Bezuschussung der Mühlheimer Fähre sei somit nicht zu rechtfertigen.

Havarie am ersten Tag

Im Oktober 2017 hatte die Mainfähre Mühlheim ihren Betrieb eingestellt, nachdem der alte Pachtvertrag wegen Sicherheitsmängeln aufgekündigt worden war. Fast zwei Jahre dauerte es, bis sich die Fähre im Juli 2019 unter neuer Leitung noch einmal kurz in Bewegung setzte.

Doch gleich am ersten Tag kam es zu einer Havarie. Zwei Verbindungsseile waren gerissen. Der Kreis kündigte dem neuen Betreiber, sprach gar von "untragbaren Vertragsverstößen" und einer "ganz erheblichen Gefährdung des Schiffsverkehrs".

Die MS Dörnigheim und alles was dazugehört sollen nun verkauft oder – wie der Kreis schreibt –  verwertet werden. Im Klartext heißt das wohl: verschrottet.

Sendung: hr4, 9.6.2020, 6.39 Uhr