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Audioseite Kein Ermittlungsverfahren gegen Polizei nach Anschlag von Hanau

Menschen halten ein Plakat hoch.

Die Staatsanwaltschaft Hanau wird nicht gegen die Polizistinnen und Polizisten ermitteln, die in der Anschlagsnacht im Februar 2020 an einem der Tatorte im Einsatz waren. Hinterbliebene der Opfer hatten eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht.

Haben Polizistinnen und Polizisten in der Nacht des rassistischen Anschlags von Hanau am 19. Februar 2020 Hilfeleistungen unterlassen? Diesem Vorwurf ist die Hanauer Staatsanwaltschaft nachgegangen und hat es nun abgelehnt, ein Ermittlungsverfahren in dieser Sache einzuleiten.

Da auf Videoaufzeichnungen zu sehen war, dass Polizeikräfte in der Arena-Bar mehrfach über den angeschossenen Ferhat Unvar stiegen, hatten Angehörige eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Der Vorwurf: Unvar habe noch gelebt, die Polizei habe ihn aber nicht beachtet und versorgt.

Vorwürfe wegen Formalie

Hanau Anschlag Arena Bar

Wie die Staatsanwaltschaft jetzt mitteilte, belegten Zeugenaussagen und medizinische Gutachten, dass Unvar zu diesem Zeitpunkt bereits tot war. Eine unterlassene Hilfeleistung liege deswegen nicht vor.

Ein Grund für die Vorwürfe ist eine Formalie: Im Totenschein ist als Todeszeitpunkt 3.10 Uhr angegeben, die Schüsse auf Unvar wurden aber schon gegen 22 Uhr abgegeben. So hatten sich die Angehörigen gefragt, was in der Zwischenzeit passiert war. Laut Staatsanwaltschaft wurde um 3.10 Uhr aber lediglich der Tod offiziell festgestellt.

Ein 43-jähriger Deutscher hatte am 19. Februar 2020 in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Nach der Tat soll er seine Mutter umgebracht haben, bevor er sich selbst tötete.